29.01.2010 | Praxisorganisation
Vermeiden Sie Doppelarbeiten durch die Umstellung auf karteilose Praxisführung
von Anna Schmiedel, Dortmund, www.anna-schmiedel.de
Die Umstellung auf eine karteilose Praxisführung hat viele Vorteile, wie Ihnen „Praxisteam professionell“ bereits im ersten Teil dieser Beitragsserie aufzeigen konnte. Im folgenden Beitrag werden Ihnen anhand von Beispielen solche Arbeitsabläufe vorgestellt, bei denen Sie Zeit und Aufwand sparen können, wenn Sie Ihre Praxis papierlos führen.
Versichertenkarten und Kassengebühr
In den meisten Praxen, die mit Papier-Karteikarten arbeiten, werden viele Tätigkeiten im Bereich der Verwaltung doppelt ausgeführt. So auch beim Umgang mit den Versichertenkarten: Häufig wird die Karte eingelesen, die Kassengebühr erhoben und die Quittung ausgedruckt - in wenigen Praxen auch per Hand geschrieben. Die Praxissoftware speichert die Daten zwar, diese werden aber zusätzlich noch in der Karteikarte notiert. Beim Fehlen der Kassengebühr wird oft noch ein farbiger Reiter an der Karteikarte angebracht.
Wenn Sie die Papier-Karteikarte abschaffen, brauchen Sie für den Umgang mit den Versichertenkarten keine neue Organisationsstruktur. Es ändert sich im Ablauf lediglich, dass an der Rezeption für den ankommenden Patienten statt in der Karteikarte im PC nachgeschaut wird, ob noch die Karte oder die Kassengebühr benötigt wird. Kontrollieren Sie auch von Zeit zu Zeit unter Zuhilfenahme der Datenanalyse Ihrer Praxis-Software, ob diese noch fehlen. In den meisten Praxisprogrammen erfolgt in diesem Fall ohnehin eine Warnung, sobald der Patient aufgerufen oder eine Leistung eingegeben wird.
Leistungseingabe und Kontrolle
In Praxen, die mit Papier-Karteikarten arbeiten, wird die erfolgte Behandlung handschriftlich in der Karteikarte notiert. Die MFA überträgt dann die Leistungsziffern in die Praxis-Software. Dabei kontrolliert sie die Dokumentation, fragt bei Unklarheiten noch einmal nach und ergänzt bei Bedarf. Die Kontrolle der Einträge durch eine mit der Abrechnung gut vertraute Person ist auch nach der Umstellung auf eine karteilose Praxisführung sehr wichtig. Der Arbeitsablauf kann dann wie folgt aussehen:
Beispiel
Bei Herrn Maier (DAK-Versicherter, 52 Jahre alt) soll ein Check-Up 35 durchgeführt werden. Anhand der Daten legt die MFA fest, welche Leistungen durchgeführt werden müssen: Blutentnahme, EKG, Stuhltest, Urinprobe. Die Leistungsziffern und Diagnosen hierfür trägt die MFA bereits im Vorfeld in die medizinischen Daten des PC ein. Der Arzt braucht diese dann nur noch zu ergänzen, falls noch andere Kassenleistungen dazu kommen. Da Herr Maier auch eine IGeL in Anspruch nimmt (PSA-Test), erstellt die MFA hierfür eine Honorarvereinbarung, gibt sie dem Patienten mit und heftet die Durchschrift im IGeL-Ordner für offene Rechnungen ab. |
Beispiel
Pat-Nr.: 4985 | L. Meyer | - Kurantrag |
Pat-Nr.: 1364 | A. Kroll | - Termin zur Blutentnahme |
Pat-Nr.: 0263 | T. Schmidt | - IGeL-Rechnung zuschicken |
Pat-Nr.: 6130 | R. Brockhaus | - OP-Termin im KKH machen |
Behandlungs- und Terminplanung
Zur karteilosen Praxisführung gehört auch der Terminplaner im PC. Durch variable Zeitfenster und verschiedene Farben für bestimmte Untersuchungen lässt er eine optimale Planung zu. Ein großer Vorteil: Von jedem Arbeitsplatz können Termine vereinbart und eingetragen werden. Somit hat auch der Arzt die Möglichkeit, direkt mit dem Patienten weitere Termine zu planen und einzutragen.
Praxistipp: Um dem Arzt die Übersicht des Tages zu erleichtern, sollte die MFA abends anhand des Tagesprotokolls einen Planungsbogen für die Patienten erstellen, die zu bestimmten Untersuchungen wieder einbestellt wurden. Der Planungsbogen wird in der elektronischen Karteikarte abgespeichert und zum Termin ausgedruckt. So behalten alle den Überblick und nichts wird doppelt eingetragen oder vergessen.
Patientenmarker
Sogenannte Patientenmarker oder Makros tragen dazu bei, Wichtiges über den Patienten nicht zu vergessen oder zu dokumentieren. Sie erinnern zum Beispiel daran, DMP bei Diabetespatienten nach Vorgabe und passendem Zeitrahmen auszufüllen und Ausnahmeziffern dafür einzutragen. Auch lassen sich so Besonderheiten des Patienten auf den ersten Blick in der elektronischen Karteikarte kenntlich machen. Ein Marker, der darauf hinweist, dass der Patient, der zum EKG kommt, stark gehbehindert ist und Hilfe beim Ankleiden benötigt, kann bei der Organisation gute Dienste leisten. |
Fazit
Die Karteikarte hat sich in vielen Praxen bewährt: Liegt sie auf dem Schreibtisch, so ist eine mit diesem Patienten verbundene Aufgabe noch zu erledigen. Reiter erinnern ebenfalls an zu erledigende Dinge. All diese Erinnerungsfunktion kann Ihr PC jedoch noch zuverlässiger und vor allem ohne weite Laufwege erledigen!