02.05.2008 | Praxisorganisation
Die Chronikersprechstunde
Chronisch kranke Patienten profitieren ganz besonders vom Kontakt mit der Medizinischen Fachangestellten (MFA) – dies haben Studien ergeben. Diesem Umstand hat nun auch der Gesetzgeber Rechnung getragen: Ab dem Jahr 2009 können Ärzte bestimmte Leistungen an die MFA delegieren. Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen hat „Praxisteam professionell“ bereits in Ausgabe 4/2008 ausführlich über die neue Fortbildung zur Versorgungsassistentin (VERAH) berichtet, in deren Mittelpunkt das Casemanagement steht. Doch auch ohne diese Fortbildung können Sie schon heute mit einem patientengerechten Terminsystem starten. Eine gute Einstiegsmöglichkeit dafür bieten DMPs (Disease Management-Programme).
Sprechstunde für DMP-Patienten
Heutige Patienten sprechen sich immer öfter und immer deutlicher für ein funktionierendes Terminsystem in der Arztpraxis aus. Insbesondere für chronisch Kranke, die sich sehr häufig in Arztpraxen aufhalten müssen, sind lange Wartezeiten anstrengend und zeitraubend. Die strukturierte Vorgehensweise innerhalb der DMPs ermöglicht dem Praxisteam die Vorbereitung und Durchführung eines Bestellsystems, von dem sowohl der Patient als auch die Praxis profitieren können.
Einführung einer Bestellsprechstunde
Das Einführen einer Bestellsprechstunde auf Basis von DMPs erfordert zuerst die Entscheidung des Arztes/der Ärztin zur Teilnahme an diesen Programmen. Im nächsten Schritt erfolgt dann die sachgerechte und vollständige Information aller Mitarbeiterinnen über die Einführung der Bestellsprechstunde, da ein Großteil der Tätigkeiten an die MFA delegiert werden kann. Die Vorplanung aller erforder-lichen Schritte sollte im Team gemeinsam durchgeführt werden.
Wie viel Zeit pro Patient?
Nachdem alle Patienten erfasst wurden, die in ein DMP eingeschrieben sind, sollte mit einer Auswahl von „typischen“ Patienten ein Probelauf für die Chronikersprechstunde durchgeführt werden. Auf diese Weise können Sie relativ sicher die Dauer für Untersuchungen, Laborbestimmungen usw. feststellen und im Anschluss an den Probelauf die Zeiten für die Termine festlegen. Gut geeignete Zeitpunkte für Chronikersprechstunden sind sehr früh am Morgen oder spät am Nachmittag/Abend, eventuell der Samstag oder auch der Mittwochnachmittag. Wie viele Terminblöcke Sie pro Woche einplanen müssen, hängt von der Anzahl der DMP-Patienten in Ihrer Praxis ab. Bei guter Zeiteinteilung und einer funktionierenden Arbeitsteilung zwischen Arzt und MFA sind vier Patienten pro Stunde realistisch.
Beachten Sie: Bei der Erfassung der Termindauer sollten Sie daran denken, dass ältere Patienten meist mehr Zeit zum An- und Ausziehen und eventuell dabei noch Hilfe von Ihnen benötigen. Auch sollten Sie Patienten, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, danach fragen, zu welcher Zeit sie bequem in die Praxis kommen können.
Wer macht was?
Der nächste Schritt ist die Aufgabenteilung. Arzt und MFA legen im Rahmen einer Stellenbeschreibung den Tätigkeitsbereich der MFA (dann auch DMP-Assistentin genannt) genau fest: Wie und in welcher Reihenfolge werden Untersuchungen durchgeführt? Wie und wo werden Befunde dokumentiert: Die Erstdokumentation erfolgt durch den Arzt, die Folgedokumentationen und die damit zusammenhängenden Untersuchungen übernehmen das Team, der Arzt und die DMP-Assistentin. Zu ihren Aufgaben gehören außerdem: der Aufbau des Recall-Systems, das Bereitlegen der Dokumente (Arztbriefe, Krankenhausbefunde) sowie das Erfassen von Gewicht und Größe und der Labordaten.
Durchführung
Der Patient, der sich für ein DMP entschieden und seine Teilnahme- und Einwilligungserklärung unterschrieben hat, wird in das Bestellsystem der Praxis aufgenommen. Alle Informationen an den Patienten erfolgen schriftlich. So schaffen Sie eine gute Voraussetzung für die Akzeptanz des DMP und machen gezielte Fragen möglich. Die Informationen sollten dem Patienten die speziellen Untersuchungen erklären, Hinweise zur Vorbereitung darauf geben (zum Beispiel die Blutabnahme) sowie Behandlungsabläufe erläutern und den Hinweis enthalten, dass der Patient zur Erstuntersuchung alle Medikamente, auch selbst gekaufte, mitbringen sollte. Der Patient bekommt nun zwei Termine.
Beim ersten Termin erfolgt die Blutabnahme durch die MFA. Dieser Termin sollte zeitlich so gelegt werden, dass die Ergebnisse beim zweitenTermin, dem eigentlichen Untersuchungs- und Dokumentationstag, zur Verfügung stehen.
Praxistipp: Setzen Sie die DMP-Untersuchungen möglichst früh im Quartal an. Auf diese Weise bleibt Ihnen mehr Zeit, Patienten an fällige Untersuchungen zu erinnern.
Beim zweiten Termin erfolgt durch die MFA:
- Die Vorbereitung der Dokumentation
- Die Bestimmung von Gewicht und Größe
- Die Eintragung der Laborwerte
- Die Kontrolle der Selbstmessungen
... und durch den Arzt:
- Die Untersuchung des Patienten
- Die Behandlungs- und Schulungsplanung
- Die Medikamenten-Kontrolle
- Die Besprechung der Ergebnisse
- Das Festlegen der Dokumentationsintervalle
Das Ausfüllen des Dokumentationsbogens kann komplett von der MFA übernommen werden. Es ist aber auch möglich, dass Arzt und MFA ihre jeweiligen Arbeitsschritte selbst ins Formular eintragen.
Am Ende der einzelnen Untersuchungstage ist es besonders wichtig, dass die erbrachten Leistungen auch abgerechnet werden. Die DMPs werden über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet. Jeder Beteiligte trägt die entsprechenden Abrechnungsziffern nach der Leistungserbringung direkt in die Patientenakte ein. So kann vermieden werden, dass eine Leistung vergessen wird.
Der Abschluss der Chronikersprechstunde erfolgt durch das Versenden der Dokumentationen spätestens am 10. des Folgemonats (lesen Sie dazu Ausgabe 4/2008 von „Praxisteam professionell“).
Das Recall-System
Das Recall-System ist ein Erinnerungssystem, das es der DMP-Assistentin erlaubt, Patienten – nach schriftlicher Einwilligung – an bevorstehende oder versäumte Termine zu erinnern.
Beispiel für eine Einverständniserklärung zum Recall-System
| Liebe Patientin, lieber Patient, ein wichtiger Bestandteil Ihres Disease Management-Programmes ist die Möglichkeit, dass wir Sie an bevorstehende Termine erinnern. Mit Hilfe dieses sogenannten Recall-Systems können wir Sie kurz vor dem Termin nochmals schriftlich oder telefonisch benachrichtigen. Diesem Service können Sie durch Ihre Unterschrift zustimmen: Ich bitte um Erinnerung:
Vor der Untersuchung ... Oder nur bei versäumten Terminen ...
O Telefonisch 0123-45678 O Schriftlich X ...
Bitte kreuzen Sie Entsprechendes an. Ort, Datum, Unterschrift |
Die Folgekosten des Recall-Systems (Telefongebühren, Mitarbeiter-Tätigkeit) werden durch die gezielte Steuerung des Patientenflusses problemlos aufgefangen.
Beachten Sie: Sollten verbindliche Termine von Seiten der Praxis nicht eingehalten werden können oder Verschiebungen entstehen, wird der Patient natürlich auch rechtzeitig informiert.