02.05.2008 | Praxismarketing
Nutzen Sie Ihre kreativen Potenziale und steigern Sie damit den Praxiserfolg
Um den Herausforderungen des ärztlichen Marktes auch künftig gewachsen zu sein, bedarf es einer gehörigen Portion Kreativität – und das nicht nur einmal, sondern immer wieder neu. Gewinner im Wettbewerb sind Praxen, die innovativer sind als andere. Kreative Ideen sollte jede Praxis gezielt fördern, denn so kommen aus dem Team heraus wertvolle Impulse für erfolgreiche Veränderungen.
Wie können Sie Kreativität gezielt fördern?
Ideenfindung läuft auf verschiedene Weise ab und ist nicht immer ein aktiver Prozess. Gerade wenn alles scheinbar glatt läuft, entwickelt man keine neuen Ideen, weil man keinen aktuellen Handlungsbedarf erkennt. Sicher gibt es viele Bereiche im Praxisalltag, die durch Routine flüssig und effektiv erledigt werden. Aber Routine hemmt auch Innovationen, wenn sie sich starr an festgefahrene Verhaltensmuster hält.
Von einem Seminar hat eine Kollegin die Idee mitgebracht, die Patienten bei ihrem Erstbesuch mit einem Willkommensbrief zu begrüßen. Zu diesem Zweck muss eine neue Routine bei der Terminvereinbarung mit Neupatienten entwickelt werden: Aufnahme der kompletten Adresse des Patienten. Noch am gleichen Tag wird der telefonisch vereinbarte Ersttermin schriftlich bestätigt und zusammen mit dem Willkommensbrief verschickt. Dieser Mehraufwand soll neue Patienten von den Qualitäten der Praxis überzeugen. |
Lassen Sie nicht zu, dass diese Idee verpufft, weil die Kollegin an der Rezeption dies als unnützen Mehraufwand einstuft. Entwickeln Sie gemeinsam Lösungsansätze, wie der Mehraufwand sinnvoll verteilt werden kann.
Angst vor Veränderungen ist ein schlechter Ratgeber
Wenn das Team Angst hat, Neuerungen vorzuschlagen, ist das ein Zustand, der unbedingt geändert werden muss. Widerstände könnte es beispielsweise beim Umstieg von der gewohnten Karteikarte zur alleinigen Datenverwaltung per PC geben. Wenn Mitarbeiterinnen die Sorge haben, diese neue Technik nicht in den Griff zu bekommen, so ist das sicher verständlich. Diese Angst jedoch hemmt den Fortschritt der Praxis und bringt Missstimmung ins Team. Sprechen Sie daher mit Ihren Kolleginnen und natürlich mit dem Chef bzw. der Chefin offen über Ihre Ängste. Entwickeln Sie gemeinsam Ideen, wie Sie die Einführung möglichst effektiv vornehmen können.
Der Wunsch nach Perfektionismus hemmt den Fortschritt
Mark Twain sagte treffend: „Kontinuierliche Verbesserung ist besser als herausgezögerte Vollkommenheit“. Der hohe Anspruch an sich selbst oder an Neuerungen hemmen diese oft unnötig. Die Devise muss heißen: „Versuch macht klug“. Nur so können Innovationen Raum gewinnen. Verbesserungen und Modifikationen des eingeschlagenen Weges kommen dann von ganz allein.
Die Praxis trägt sich seit langem mit der Idee einer eigenen Website. Der Chef möchte die beste Site weit und breit. Zunächst muss ein Konzept entwickelt werden. Natürlich sollen keine Standardtexte verwendet werden. Das Team und die Praxis müssen zuerst fotografiert werden usw. Der Anspruch schraubt sich immer höher, gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Umsetzung. |
Sicher soll eine Website die Praxis professionell präsentieren, aber es gibt genügend Profis, die das schnell und gut erledigen können. Wichtig ist, dass etwas passiert – und nicht, dass es perfekt ist.
Ideen jüngerer Kolleginnen werden nicht ernst genommen
Paradoxerweise ist häufig die Mitarbeiterin der Fortschrittshemmer, die auf die längste Erfahrung und auf ein hohes Maß an Fachwissen stolz sein kann. Grund hierfür ist, dass aus dem „Expertenblickwinkel“ heraus nur auf vermeintlich „Bewährtes“ gesetzt wird. Ideen jüngerer Mitarbeiterinnen werden nicht ernst genommen. Um nicht in diese Falle zu tappen, sollten Sie „Kreativ-Workshops“ in Ihrer Praxis einführen, in denen neue Ideen unvoreingenommen diskutiert werden. Machen Sie Ihren erfahrenen Kolleginnen klar, dass es keine Schande ist, Bewährtes mit Neuem zu kombinieren.
Im Rahmen der Einführung des Qualitätsmanagements werden künftig Checklisten zum Einsatz kommen. Diese Arbeitshilfen sollen sowohl im Behandlungsbereich als auch an der Rezeption verpflichtend eingeführt werden. Die Praxissekretärin, die schon seit 15 Jahren in der Praxis arbeitet, hält die Einführung für überflüssig, insbesondere an der Rezeption. Für junge Kolleginnen, die nicht ständig Dienst am Empfang haben, ist es jedoch eine große Hilfe, zum Beispiel den Meldetext für das Telefon nachsehen zu können. |
Killerphrase: „Das funktioniert bei uns sowieso nicht“
Diese Denkweise ist weit verbreitet. Auf Nachfrage stellt sich meist heraus, dass die Aussage nicht auf einer gemachten Erfahrung beruht, sondern eine reine Vermutung ist. Hier kommen sicher mehrere Faktoren zusammen, warum jemand glaubt, dass es gerade in seiner Praxis nicht funktionieren wird: Angst, Trägheit, keine Lust auf Veränderungen oder schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit.
Natürlich hält nicht jeder Einfall dem Praxistest stand. Bevor Sie jedoch auf die Killerphrase hereinfallen, sollten Sie gemeinsam prüfen, ob der Vorschlag nicht doch Erfolg versprechend ist.
Einige Kolleginnen haben die Idee, die Qualität der Teamsitzungen zu verbessern, indem bis spätestens eine Woche vor dem Meeting alle Tagesordnungspunkte schriftlich vorliegen müssen. Themen, die dann nicht vorliegen, werden erst in der nächsten Besprechung erörtert. Der Sinn der Maßnahme wird von einer Kollegin angezweifelt. |
In solch einem Fall stimmen Sie demokratisch ab. Wenn die Mehrheit des Teams der Einführung des Verbesserungsvorschlages zustimmt, sollten Sie die neue Idee unbedingt berücksichtigen.
Ignoranz und Resignation ersticken jegliche Kreativität
Wurden in der Vergangenheit Ideen regelmäßig verlacht, nicht beachtet oder gar nicht erst zugelassen, können Sie natürlich nicht mit guten Vorschlägen rechnen. Vereinbarte Neuerungen, die schon am zweiten Tag nicht mehr eingehalten wurden, haben die gleiche Wirkung: Sie lassen Resignation entstehen.
| Um der vielen unpünktlichen Patienten Herr zu werden, die einen flüssigen Arbeitsablauf nicht zulassen, wird die Vereinbarung getroffen, dass eine Verspätung ab zehn Minuten nicht mehr toleriert wird. Die Patienten erhalten einen neuen Termin, was sicher für sie ärgerlich ist, aber auch eine gute „Erziehungsmaßnahme“ darstellt.
Als die Rezeptionshelferin diese bereits beschlossene Vorgehensweise in die Tat umsetzen will, weil ein Patient eine halbe Stunde zu spät erschienen ist, wird sie vom Chef mit den Worten unterbrochen: „Der Patient soll bleiben, es wird schon klappen.“ Dass dies künftige Ideen regelrecht verhindert, dürfte klar sein. |
Prüfen Sie deshalb bei allen Ideen vorher sorgfältig, ob sie eine positive Wirkung für Ihre Praxis erwarten lassen. Lassen Sie kreative Ideen grundsätzlich zu, machen Sie aber auch allen Kolleginnen klar, dass nicht jeder Einfall verwertbar ist. Nur wenn Sie sich durch die Ablehnung einer Idee nicht entmutigen lassen, weiter am Verbesserungsprozess der Praxis mitzuarbeiten, gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz selbst mit und vermeiden damit einschläfernde Routine.