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29.07.2010 | Perspektiven

MFA als Arztsekretärin im Krankenhaus: Praxiserfahrung ist auf der Station gefragt

von Petra Meisel, Medienbüro Medizin, Hamburg

Wenn die Stationsärztin im Krankenhaus öfter am Computer als beim Patienten sitzt, dann läuft etwas verkehrt. Zu diesem Schluss kam das Klinikum Coburg nach einem internen Projekt, das Aufgaben und Zeitaufwand von Stationsärzten dokumentierte. Damit auf diese Erkenntnis auch Taten folgen können, wurde in einem weiteren Projekt erprobt, wie die Ärztinnen und Ärzte entlastet werden können. Abgeguckt von gut organisierten Arztpraxen, fiel der Blick umgehend auf die MFA, die täglich den Patientenansturm ebenso wie die Flut von Terminvereinbarungen und Krankeninformationen bewältigt. Im Klinikum Coburg wird sie jetzt bevorzugt als „Arztsekretärin“ eingesetzt und arbeitet den Ärzten unmittelbar zu.  

Mit administrativen Aufgaben jonglieren

Wer sich als MFA den Schritt von der Arztpraxis ins Krankenhaus überlegt, dem muss klar sein, dass der Berufsalltag mehr vom Papier als vom Patienten bestimmt wird.  

 

Die Arztsekretärin gestaltet den Arbeitsalltag des Arztes um seine zentralen Aufgaben herum. Sie ist für die Vor- und Nachbereitung von Patienten- und gegebenenfalls Angehörigenbesuchen ebenso verantwortlich wie für die Terminplanung von Aufklärungsgesprächen und Visiten. Bei ihr liegt die komplette Daten- und Unterlagenverwaltung: angefangen von Befunden und Röntgenbildern über Arztbriefe bis hin zur Dokumentation von Behandlungsvorschlägen und -verläufen. Alles muss stets griffbereit sein.  

 

Die MFA ist die primäre Schnittstelle im Austausch mit der Pflege, einzelnen Funktionsabteilungen, Patienten und Angehörigen. Bei ihr liegt die Entscheidung, welche Informationen so wichtig sind, dass der Arzt unmittelbar Kenntnis davon haben muss, zum Beispiel: Wann darf die Visite oder ein sensibles Patientengespräch durch ein Telefonat gestört werden und wann reicht ein Rückruf? Die Arztsekretärin hält dem Arzt den Rücken frei und ermöglicht durch ihre Mitarbeit, dass er sich seinen Kernkompetenzen widmen kann. An die Arztsekretärin werden nahezu alle administrativen Aufgaben übertragen, die sie eigenverantwortlich übernimmt.  

Zusätzliches Wissen ohne Zusatzausbildung

Das Krankenhaus bietet verschiedenste Fachbereiche, die je nach Patient in Anspruch genommen werden. Da die Arztsekretärin erste Ansprechpartnerin für die logistische Patientenbetreuung ist, die Krankenverläufe dokumentiert und mit den Fachbereichen kommuniziert, erhält sie quasi nebenher Einblick in die verschiedensten Fachrichtungen und kann hier einiges an Wissen mitnehmen. Auf diesem Weg offenbaren sich unter Umständen auch neue, interessante Aufgabengebiete. Durch interne Ausschreibungen steht immer der Weg eines fließenden Arbeitsplatzwechsels innerhalb der Klinik offen.  

 

So kann unter Umständen die Arztsekretärin, die auf den meisten Stationen kaum noch mit Blutabnahme und Labortätigkeiten in Berührung kommt, die Tätigkeit aber vermisst, wieder in eine Abteilung rutschen, wo dies Teil der Arbeitsplatzbeschreibung ist.  

Manchmal muss man sich erst durchboxen

Bei der Einstellung ist darauf zu achten, ob die Position neu geschaffen wurde oder das Stationsteam die Qualitäten einer Arztsekretärin bereits kennt. Handelt es sich um eine neue Stelle, muss man unter Umständen etwas Durchhaltevermögen mitbringen, bis alle im Team mit der veränderten Situation zurecht kommen. Veränderungen werden meist erst akzeptiert, wenn jeder seinen Vorteil darin erkennt. In den langjährig gewachsenen Strukturen ist mitunter nicht jedem Kollegen einsichtig, dass eine neuartige Position den Arbeitsfluss auf der Station erleichtert und verbessert. Zum Beispiel, wenn die Arztsekretärin den Pflegekräften ihre Arbeit ab- und nicht etwa wegnimmt, indem sie Befunde absortiert, Kurven einträgt oder Patiententransporte organisiert.  

 

Bei der Einstellung sollte daher ganz besonders auf eine genaue Arbeitsplatzbeschreibung geachtet werden. Sie macht transparent, wo es unter Umständen Überlappungen bei Aufgabengebieten und Verantwortlichkeiten gibt. Daher sollte festgelegt sein, wie etwa die Nutzungshierarchie der EDV-Systeme aussieht. In diesem Zusammenhang könnte beim Einstellungsgespräch die Frage nach einer internen Schulung nützlich sein. Sie unterstützt das Team dabei, sich aufeinander einzustimmen. Dabei können auch Schnittmengen einzelner Aufgabengebiete aufgedeckt und sinnvoll umverteilt werden. Die Einbindung des Teams bei der Festlegung „Wer macht was, wo, wann“ hilft darüber hinaus, sich gemeinsam von Gewohntem zu lösen.  

 

Beachten Sie: Es empfiehlt sich immer ein Blick auf den neuen Arbeitsplatz. Liegt er im eher unruhigen Stationszimmer oder in einem abgeschlossenen Büro? Im Krankenhausalltag gibt es viele Situationen, die neben der eigentlichen Arbeit zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor werden: Hektik im Notfall, Trauerarbeit bei Verlust eines Angehörigen oder Stress bei zeitgleicher Betreuung mehrerer schwerer Fälle. Je weiter die Arbeitsbereiche räumlich getrennt sind, desto reibungsloser läuft der Workflow - so jedenfalls die Erfahrung des Coburger Klinikums.  

Quelle: Ausgabe 08 / 2010 | Seite 16 | ID 137463