24.05.2011 | Personalentwicklung
So wird die Auszubildende zur Führungskraft
von Andrea Morgenroth, ZFA und ZMV, Dortmund
Wenn Sie eine begabte Auszubildende erfolgreich auf ihrem Weg zur Führungskraft begleiten wollen, müssen Sie die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Wichtig ist, dass Sie Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen vermitteln, die in Bezug auf die Herausbildung einer Führungsrolle nützlich sind!
Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen
Qualifikation meint die Fähigkeiten einer Person auf ihrem Arbeitsgebiet. Bestimmte Fähigkeiten sind unbedingt notwendig, wenn man eine gute Führungskraft sein möchte; sie sind sozusagen der Schlüssel zu dieser Position. Legen Sie als ausbildende MFA offen, welche Faktoren für Sie wichtig sind und was Sie mit Schlüsselqualifikationen meinen. Formulieren Sie diese in einem Gespräch verständlich und einfach und machen Sie deutlich, worauf Sie bei der Ausbildung achten:
- Fachkompetenz meint die Fähigkeit, Fachwissen erlernen und anwenden zu können. Dabei beobachtet die Ausbilderin, wie gut es der Azubi gelingt, die typischen Aufgaben einer MFA fachlich richtig und selbstständig zu bewältigen.
- Methodenkompetenz ist die Fähigkeit, systematisch vorzugehen und selbstständig bestimmte Lern- und Arbeitsmethoden anzuwenden. Wie gut kann die Azubi lernen - zum Beispiel eine Gebrauchsanweisung lesen und wichtige Inhalte strukturiert an andere weitergeben? Wie beschafft sie sich Informationen, wenn sie etwas nicht weiß - nutzt sie zum Beispiel das Internet? Hat sie eine eigene Meinung zu Fragen, die sich bei der Arbeit ergeben, und gelingt es ihr, diese auszudrücken und zu begründen?
- Soziale Kompetenz bezeichnet die Gesamtheit der Fähigkeiten, die für die soziale Interaktion nützlich und notwendig sind. Darunter fallen zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft. Im Arbeitsbereich legt die Ausbilderin den Schwerpunkt unter anderem auf Teamfähigkeit und Motivationsfähigkeit.
- Handlungskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten. Als berufliche Schlüsselqualifikation sind darunter selbstständiges, vorausschauendes Denken, Planen, Durchführen und Kontrollieren zu verstehen. Hierbei beurteilt die Ausbilderin, wie vorausschauend die Azubi arbeitet, wie sie Aufgaben organisiert, wenn wieder einmal alles auf einmal getan werden müsste, und wie sie kontrolliert, ob das Ergebnis am Ende wirklich so ist, wie sie es haben wollte.
- Überfachliche Qualifikationen umfassen individuelle Fähigkeiten wie Lernbereitschaft, Kreativität, Flexibilität, Initiative, Zuverlässigkeit und Selbstständigkeit. Ist die Azubi pünktlich und zuverlässig? Ergreift sie die Initiative, wenn sie sieht, dass etwas nicht so läuft, wie es sein sollte? Bringt sie neue Ideen ein?
Praxishinweis
Achten Sie darauf, die Azubi nicht zu überfordern, indem Sie direkt am Anfang der Ausbildung versuchen, ihr alles auf einmal zu vermitteln. Die große Gefahr besteht darin, ihr Interesse am Beruf zu schädigen - denn Überforderung führt sehr schnell zu Demotivation. Bei der Betroffenen entsteht dann das Gefühl, es nicht zu schaffen und der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. |
Gehen Sie bei jedem Gespräch auf diese Qualifikationen ein und klären Sie ab:
- Welche Fortschritte beobachtet die Azubi seit dem letzten Gespräch in der Entwicklung der einzelnen Schlüsselqualifikationen bei sich selbst?
- Wo hat sie Schwierigkeiten? Wie erklärt sie sich diese? Was könnte ihr helfen, die Schwierigkeiten zu überwinden? Wer könnte sie unterstützen?
- Geben Sie selbst eine Rückmeldung zu den Fortschritten und Schwierigkeiten aus Ihrer Sicht als Ausbilderin.
- Vereinbaren Sie die nächsten Lernschritte.
- Abschließend ist es wichtig, zu erfragen, wie es der Azubi insgesamt in der Praxis geht. Möglicherweise drückt irgendwo der Schuh und dies behindert ihr Vorankommen.
Praxishinweis
Möchten Sie einen jungen Menschen auf seinem Weg des Lernens und der Entwicklung zu einer Führungspersönlichkeit begleiten, müssen Sie ihm auf jeden Fall regelmäßig Rückmeldung geben und ihn dazu herausfordern, eigenes und fremdes Verhalten zu reflektieren. |
Möglichkeiten der weiteren Förderung
Eine Führungskraft benötigt fundierte Kenntnisse im Bereich der Mitarbeiterführung und Kommunikation. Soll Ihre jetzige Azubi später eine führende Rolle übernehmen, dann muss sie in diesem Bereich besonders gefördert werden. Nicht jeder hat von Anfang an die Fähigkeit, gut mit Menschen zu kommunizieren oder überzeugend zu erscheinen.
Interne Förderungsmöglichkeiten
Beziehen Sie die Azubi aktiv in die Teamkommunikation ein. Nur durch Übung kann man lernen - zum Beispiel im Rahmen einer Teambesprechung. Durch die Übertragung der Moderatorenfunktion kann sich eine Mitarbeiterin engagieren. Weitere Ideen zur Förderung der Kommunikations- und Führungskompetenz der Azubi sind:
- Die Betreuung der Azubis in den unteren Lehrjahren. Die Azubi lernt somit, für Andere da zu sein und bei Problemen zu helfen.
- Die Azubi führt ein Protokoll, das sie in der folgenden Teambesprechung als kurze Zusammenfassung wiedergibt - verbunden mit der Auskunft, inwieweit die im Protokoll festgehaltenen Aufgaben erledigt sind.
Externe Förderungsmöglichkeiten
Es lohnt sich, in eine gute Fortbildung zu investieren, die die Bereiche Patientenberatungsgespräche, Gesprächsführung, Körpersprache und Rhetorik abdeckt. Achten Sie bei der Auswahl der Angebote darauf, dass eine so umfassende Thematik nicht bei einem Tagesseminar abgedeckt werden kann. Besser eignen sich Intensivseminare über drei bis fünf Tage am Stück oder mehrere aufeinander aufbauende Tagesseminare mit gleicher Gruppenzusammensetzung. Diese Art von Seminaren setzt Grundfähigkeiten voraus und bringt den meisten Ertrag, wenn Sie sie zum Ende der Ausbildung einplanen. Wie wäre es, der Azubi ein solches Seminar zur bestandenen Abschlussprüfung zu schenken?
Praxishinweis
Wenn möglich, organisieren Sie den Austausch der Azubi mit einer befreundeten Praxis zu speziellen Behandlungsangeboten - dies wird die Azubi in allen Schlüsselqualifikationen weiterbringen! |
Weiterführende Hinweise
- „ Welche Führungsaufgaben kann die Mitarbeiterin übernehmen?“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 11/2009 S. 6)
- „Einarbeitung neuer Kollegen als Supportprozess“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 4/2011, S. 8)
- „Hilfe, die Neue passt nicht ins Team!“ - Wie Sie eine neue Kollegin schnell integrieren („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 11/2010, S. 12)
- „Der Praxis-Knigge für Auszubildende - gute Umgangsformen lohnen sich!“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 12/2010, S. 6)
- „Ein klarer Führungsstil ist im Qualitätsmanagement unerlässlich!“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 3/2011, S. 19)