29.09.2010 | Patientenkommunikation
MFA-Azubis erreichen junge Patienten
von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin, Hamburg
Praxen, die sich auf die Bedürfnisse von Jugendlichen einrichten, legen damit den Grundstein für eine Arzt-Patienten-Beziehung, die im Idealfall viele Jahre hält. Der Schlüssel für Arztpraxen, um diese Zielgruppe zu erreichen, sind MFA in der Ausbildung oder am Anfang ihrer Berufstätigkeit. „Praxisteam professionell“ zeigt Ihnen, mit welchen Angeboten Sie Jugendliche ansprechen können.
Was kann Ihr Team den Jugendlichen anbieten?
Wenn Sie Jugendliche als Zielgruppe erschließen wollen, sollten Sie sich mit dem Praxisteam zusammensetzen und erst einmal überlegen, was für Angebote Sie machen können. Die entscheidende Frage dabei ist: Was beschäftigt Jugendliche? Diese Frage sollten Sie auch Ihren jungen Patienten stellen. Welche Angebote wünschen sie sich?
Es lohnt sich aber nicht nur, auf die Zielgruppe zu schauen und entsprechende Themen auszuwählen. Betrachten Sie auch die Angebote Ihrer Praxis: Was sind die eigenen Schwerpunkte und Fachgebiete? Welche können davon für Teenager interessant sein? Und wie kommuniziere ich das? Vielleicht wollen Sie ohnehin einen neuen Schwerpunkt aufbauen, und durch Mitarbeiter-Schulungen neues Fachwissen aneignen. Dann ist es durchaus einen Gedanken wert, Jugendliche als Zielgruppe in die Überlegungen einzuschließen.
Welche Themen interessieren Jugendliche?
In der Pubertät treten viele Fragen zum eigenen Körper auf. Wann erwarten Mädchen die erste Menstruation? Wann kommt bei Jungen die Körperbehaarung? Und wie entwickelt sich die Sexualität? Auf diese Fragen suchen Jugendliche Antworten. Doch vielen ist das Gespräch mit den Eltern und anderen Erwachsenen unangenehm. Mit Menschen, die nur wenige Jahre älter sind, spricht es sich leichter.
Spezielle Sprechstunde zu Jugendthemen
Ihre Praxis kann beispielsweise eine eigene Jugend-Sprechstunde einrichten, bei der sich Teenager erst einmal mit einer jungen MFA unterhalten. Viele Mädchen haben Angst vor dem ersten Frauenarztbesuch, weil sie nicht genau wissen, was da passiert. Eine junge MFA kann erklären, wie so ein Termin abläuft.
Aktionswoche Alkohol: erklären statt warnen
Auch Alkohol und Drogen sind für Jugendliche heute viel früher ein Thema, als das in der Vergangenheit der Fall war. Viele haben keine Möglichkeit, über erste Alkohol-Erfahrungen mit einem Erwachsenen zu sprechen. Hier kann eine gesonderte Alkohol-Sprechstunde oder eine Aktionswoche helfen. Welcher Alkoholkonsum ist normal? Welche Trinkgewohnheiten sind gefährlich? Und wie kann ich mich Gruppenzwang widersetzen?
Wenn Sie Einladungen zu einer Aktionswoche drucken, formulieren Sie diese nicht zu negativ. Es geht nicht darum, bereits in der Einladung auf alle Gefahren hinzuweisen. Das hören die meisten Jugendlichen ohnehin häufig genug. Wecken Sie stattdessen Neugierde: Wie viel reiner Alkohol steckt eigentlich in einem Bier-Mixgetränk? Wie wird Alkohol im Körper abgebaut? Und wo wird Alkohol - außer zum Konsum - noch eingesetzt?
Ernährung zwischen Fast-Food und Schlankheitswahn
Ein wichtiges Thema für Jugendliche ist außerdem ihre Figur. Ab wann ist man zu dick, ab wann zu dünn? Und wie ernähre ich mich richtig? Zwischen Fast-Food und Schlankheitswahn finden nur wenige Teenager zu einer ausgewogenen Ernährung. Eine eigene Sprechstunde, eine Vortragsreihe oder eine Themenseite auf der Homepage können für Ihre jugendliche Zielgruppe interessant sein.
Hilfe bei Cyber-Mobbing
Ein Problem, das immer mehr Jugendliche betrifft, ist Cyber-Mobbing - das Mobbing im Internet. In sozialen Netzwerken wie Facebook oder Schüler-VZ tauschen Teenager nicht nur Freundlichkeiten untereinander aus. Es werden - wie auf dem Schulhof auch - Jugendliche von anderen gehänselt, beleidigt und angegriffen. Klären Sie auf Ihrer Website über Cyber-Mobbing auf, präsentieren Sie sich als Ansprechpartner für solche seelischen Nöte und geben Sie Hinweise, wo Jugendliche weitere Hilfe einholen können.
Im Internet: eigene Rubrik auf der Homepage
Das Internet spielt für viele Teenager ohnehin eine große Rolle. Das können Sie auch für Ihre Praxis nutzen. Richten Sie auf Ihrer Website eine eigene Jugend-Seite ein. Dort können Sie Informationen zu den genannten Themen, zum Heranwachsen, zu Hormonumstellungen und vielem mehr geben. Lassen Sie die Texte möglichst von einer jüngeren Mitarbeiterin schreiben. Denn je eher Sie die Sprache der Jugendlichen treffen, desto größer ist die Chance, dass die Teenager sich verstanden fühlen. Aber Vorsicht: Übertreiben Sie es nicht mit der Jugendsprache. Das klingt schnell gestellt und hat dann genau den gegenteiligen Effekt.
Fazit
Jugendliche sind noch keine Erwachsenen, aber auch keine Kinder mehr. Statt zum Kinderarzt gehen sie zum Allgemeinmediziner und finden sich in einem neuen Umfeld vor. Den Einstieg in das neue Umfeld können vor allem junge Mitarbeiterinnen erleichtern und so eine neue Zielgruppe erschließen.