02.12.2010 | Medizinwissen
Das EKG in der täglichen Praxis
von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Fachjournalistin Medizin, Nordhorn
Das EKG (Elektrokardiogramm) gehört zu den in der Praxis einfachen und schnell durchzuführenden Untersuchungen des Herzens. In der Regel ist es Aufgabe der MFA, das EKG zu schreiben, also die Elektroden fachgerecht anzubringen und das EKG-Gerät zu bedienen. Die meisten EKG-Geräte schreiben mittlerweile per Knopfdruck ein komplettes EKG und liefern eine erste Auswertung bereits mit. Doch wie entstehen die verschiedenen Zacken, Wellen und Linien und was bedeuten sie?
Was ist ein EKG?
Damit das Herz das Blut durch den Körper pumpen kann, muss es sich regelmäßig kontrahieren. Diese Kontraktionen werden durch elektrische Impulse ausgelöst, die im Herzen von Zelle zu Zelle weitergeleitet werden. Dabei entsteht ein minimaler Stromfluss, der sich über die Herzoberfläche hinaus bis auf die Körperoberfläche ausbreitet. Dieser Stromfluss ist zwar minimal, er lässt sich aber trotzdem - entsprechend verstärkt durch das EKG-Gerät - von der Brustwand sowie von Armen und Beinen mittels Elektroden als elektrisches Potential ableiten. Die abgeleiteten Potentiale können in Abhängigkeit von der Zeit als Kurve dargestellt werden. Diese Kurve nennt man Elektrokardiogramm oder kurz EKG. Sie stellt die Erregungsausbreitung im Herzen dar.
Wie wird ein EKG abgeleitet?
Die Punkte, an denen ein EKG von der Körperoberfläche abgeleitet wird, sind genau festgelegt, damit EKG-Ableitungen eines Patienten zu verschiedenen Zeitpunkten miteinander verglichen werden können. An diesen Punkten werden die Elektroden angebracht und dann mit den Elektrodenkabeln des EKG-Gerätes verbunden. Bei dem in der ärztlichen Praxis üblichen 12-Kanal-EKG werden Extremitäten- und Brustwandableitungen unterschieden.
Extremitätenableitung
Die Elektroden für die Extremitätenableitung werden jeweils knapp über rechtem und linkem Hand- und Fußgelenk an Speiche und Schienenbein befestigt. Mit den Extremitätenkabeln werden die Elektroden wie folgt verbunden:
- Rotes Kabel - Rechter Arm
- Gelbes Kabel - Linker Arm
- Grünes Kabel - Linkes Bein
- Schwarzes Kabel - Rechtes Bein (dient als Erdung)
Merke!
Die erste bis dritte Elektrode werden am rechten Arm beginnend im Uhrzeigersinn in den Ampelfarben rot-gelb-grün angebracht. |
Brustwandableitungen
Für die Brustwandableitungen werden insgesamt sechs Elektroden (V1 - V6) an genau definierten Punkten der Brustwand angebracht:
Anbringen der Brustwandableitungen
V1 | 4. Intercostalraum (ICR) rechts neben dem Brustbein |
V2 | 4. ICR links neben dem Brustbein |
V3 | In der Mitte der Verbindungslinie zwischen V2 und V4 |
V4 | 5. ICR links auf einer senkrechten Linie ausgehend von der Mitte des Schlüsselbeins (Medioclavicularlinie) |
V5 | Auf gleicher Höhe wie V4 am Vorderrand der Achselhöhle links (vordere Axillarlinie) |
V6 | Auf gleicher Höhe wie V4 unterhalb der Achselhöhle links (mittlere Axillarlinie) |
Was ist bei der EKG-Ableitung zusätzlich zu beachten?
Um eine exakte Interpretation des EKGs zu ermöglichen, sollte es möglichst keine Artefakte enthalten. Artefakte sind von den Elektroden aufgefangene Signale, die nicht vom Herzen ausgelöst wurden (zum Beispiel durch Bewegungen der Elektroden oder des Patienten). Sie sind mitunter nur schwer von echten Veränderungen der Herzmuskelerregung zu unterscheiden und können so zu Fehlinterpretationen führen.
Um ein einwandfreies 12-Kanal-EKG zu schreiben, ist es wichtig, dass der Patient für einige Minuten entspannt liegt. Denn auch die Kontraktionen der Skelettmuskulatur werden wie die der Herzmuskulatur durch elektrische Impulse ausgelöst. Elektrische Potenziale, die von der Skelettmuskulatur ausgehen, können so die EKG-Aufzeichnungen beeinflussen. Auch in unmittelbarer Nähe stehende elektrische Geräte können zu typischen Artefakten führen. Diese können meist durch Ziehen des Steckers am verursachenden Gerät behoben werden. Treten Schwankungen der Nulllinie auf, sollte die Befestigung der Elektroden überprüft werden. Ursache kann beispielsweise ein schlechter Hautkontakt der Elektroden sein.
Wenn nun ein störungsfreies EKG geschrieben ist, folgt die Auswertung und Interpretation. Dies ist Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes. Was die verschiedenen Wellen, Zacken und Linien bedeuten, ist jedoch auch für die MFA interessant. Einige wichtige Grundlagen dazu werden wir in der nächsten Ausgabe von „Praxisteam professionell“ darstellen.