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25.01.2011 | Medizinwissen

Belastungs-EKG und Langzeit-EKG

von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Fachjournalistin Medizin, Nordhorn

In den letzten zwei Ausgaben von „Praxisteam professionell“ wurden das Schreiben und die Auswertung des herkömmlichen Elektrokardiogramms (EKG) erläutert. Im folgenden Beitrag geht es um zwei spezielle Formen des EKGs, die besonderen Fragestellungen vorbehalten sind: das Belastungs- und das Langzeit-EKG.  

Das Belastungs-EKG

Ziel des Belastungs-EKG ist es, Durchblutungsstörungen des Herzmuskels zu entdecken, die nur bei körperlicher Anstrengung und nicht in Ruhe auftreten. Dafür muss das Herz-Zeit-Volumen eines Patienten unter kontrollierten Bedingungen langsam gesteigert werden. In der Regel wird dafür ein stationäres Fahrrad (Ergometrie-Gerät) eingesetzt, das entweder sitzend oder halbliegend betätigt wird.  

 

Was muss vor dem eigentlichen Belastungs-EKG gemacht werden?

Bevor ein Belastungs-EKG durchgeführt wird, werden der Ruhe-Blutdruck und die Herzfrequenz gemessen. Anschließend wird ein 12-Kanal-EKG in Ruhe geschrieben. Dabei achtet der Arzt besonders auf akute Ischämie-Zeichen, also eine Hebung der ST-Strecke, auf bestehende ST-Strecken-Senkungen und auf Herzrhythmusstörungen, die von den Herzkammern ausgehen.  

 

Für das Belastungs-EKG wird von der MFA ein 12-Kanal-EKG angelegt, das sowohl Extremitäten- als auch Brustwandableitungen umfasst. Zusätzlich wird eine Blutdruckmanschette zur Messung des Blutdrucks angelegt. Die Untersuchung sollte bei angenehmer Raumtemperatur (18 bis 22 °C) und einer Luftfeuchtigkeit < 60 % durchgeführt werden. Nach einer initialen Ruhe-Phase des Patienten von etwa drei Minuten kann die Belastung beginnen. Am Fahrrad lassen sich dafür unterschiedliche Belastungsstufen einstellen. Die Arbeitsleistung des Patienten beim Fahrradfahren wird in Watt, abgekürzt W, gemessen. Dabei entsprechen:  

 

  • 25 bis 50 W normalem bis zügigem Gehen,
  • 75 bis 100 W Treppen steigen, langsamem Fahrradfahren, Schwimmen,
  • 125 bis150 W Joggen, schnellem Fahrradfahren,
  • > 150 W extremer sportlicher Aktivität.

 

Wie wird das Belastungs-EKG durchgeführt?

In der Regel wird die Belastung des Patienten am Fahrrad mit 25 oder 50 W begonnen und dann alle zwei Minuten um 25 bis 50 W gesteigert. Nach Möglichkeit sollte solange gesteigert werden, bis die maximale Herzfrequenz erreicht ist. Diese kann nach folgender einfachen Formel berechnet werden: 220 minus Lebensalter.  

 

Erst wenn diese Herzfrequenz erreicht ist, ist die Untersuchung aussagekräftig und kann beendet werden. Insgesamt sollte die gesamte Belastung nicht länger als neun bis zwölf Minuten dauern.  

 

Wann muss ein Belastungs-EKG abgebrochen werden?

Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb ein Belastungs-EKG auch vor Erreichen der maximalen Herzfrequenz abgebrochen werden muss:  

 

  • Muskuläre Erschöpfung des Patienten
  • Schmerzen hinter dem Brustbein, Angina pectoris
  • Atemnot, Blässe, Schwindel
  • Blutdruckanstieg auf systolisch 230 oder diastolisch 115 mmHg
  • Fehlender Blutdruckanstieg bei Belastung oder Blutdruckabfall
  • Neu auftretende EKG-Veränderungen oder Herzrhythmusstörungen

 

Auf was muss bei der Belastung speziell geachtet werden?

Die Durchführung eines Belastungs-EKG ist nicht ohne Risiken, weshalb während der Untersuchung neben der MFA auch immer ein Arzt anwesend sein sollte. Nach Möglichkeit wird der EKG-Verlauf während der Belastung permanent auf einen Monitor übertragen und überwacht, sodass Veränderungen sofort erfasst werden können. Während der gesamten Untersuchung muss der Patient sorgfältig durch die MFA überwacht werden. Hierzu zählt die
Beobachtung der Haut:  

 

  • Blässe
  • Zyanose
  • Kaltschweißigkeit

 

und das Erfragen auffälliger Befunde:  

 

  • Atemnot
  • Schmerzen
  • Erschöpfung

 

Am Ende jeder Belastungsstufe werden Blutdruck und Pulsfrequenz gemessen und das EKG aufgezeichnet. Wenn der Patient ausbelastet ist, wird das EKG des Patienten für einige Minuten weiter registriert. Auch Blutdruck und Herzfrequenz müssen weiter gemessen werden. Diese Untersuchungen sollten erst beendet werden, wenn EKG, Blutdruck und Herzfrequenz wieder ihre Ausgangssituation erreicht haben und der Patient sich wohlfühlt.  

 

Um bei eventuell auftretenden Komplikationen rasch eingreifen zu können, muss die Möglichkeit zur Reanimation bestehen, d.h. ein Defibrillator ebenso wie eine Notfallausrüstung zur Intubation, Geräte zur Infusionstherapie, Infusionslösungen und Notfallmedikamente (zum Beispiel Adenosin, Katecholamine, Lidocain, Diazepam) müssen zur Verfügung stehen und auch regelmäßig überprüft werden. Eine Liege, auf der der Patient im Notfall sowie nach Ende der Belastung gelagert werden kann, sollte vorhanden sein.  

Das Langzeit-EKG

Bei einem Langzeit-EKG wird ein EKG über einen Zeitraum von meist 24 Stunden aufgezeichnet. Ziel ist es, Herzrhythmusstörungen zu entdecken, die anfallsweise auftreten und daher in einem nur kurzen Ruhe-EKG in der Regel nicht erfasst werden. Daneben kann das Ausmaß bekannter Herzrhythmusstörungen bewertet und eine Therapie mit Antiarrhythmika kontrolliert werden. Bei Patienten mit Schwindel, kurzen Bewusstseinsverlusten, oder anfallsweise auftretender Atemnot kann ein Langzeit-EKG geschrieben werden, um mögliche kardiale Ursachen auszuschließen.  

 

Das Langzeit-EKG wird dem Patienten in der Praxis von der MFA angelegt. Dafür werden drei bis sechs Elektroden am Oberkörper befestigt, über die mindestens zwei Brustwandableitungen aufgezeichnet werden. Die Elektroden übertragen die Herzströme kontinuierlich und sind mit einem Festspeicherrekorder (Speicherung digitaler Daten) oder einem Kassettenrekorder (analoge Aufzeichnung) verbunden, der vom Patienten entweder am Gürtel oder um den Hals getragen wird. Die modernen digital arbeitenden Aufzeichnungsgeräte wiegen lediglich 100 bis 120 Gramm.  

 

Was muss dem Patienten gesagt werden?

Die MFA sollte dem Patienten erläutern, dass er seine Beschwerden und Tätigkeiten während der Aufzeichnungszeit beobachten und mit genauen Uhrzeiten aufschreiben sollte. Viele Geräte verfügen auch über eine Ereignistaste, die der Patient bei Beschwerden betätigen kann. So kann der Arzt Beschwerden und Tätigkeiten mit eventuell auftretenden Veränderungen im EKG in Zusammenhang bringen. Auch sollte der Patient darüber informiert werden, dass das Gerät nicht mit in die Badewanne oder Dusche genommen werden darf.  

 

Nach Abschluss des Langzeit-EKGs werden die aufgezeichneten Daten computergestützt ausgewertet. Eine Vorauswertung ist bei entsprechend fundierter Schulung auch durch die MFA möglich. Dabei müssen dokumentiert werden:  

 

  • Datum und Dauer der Untersuchung,
  • Grundrhythmus,
  • Minimale, maximale und mittlere Herzfrequenz,
  • Herzrhythmusstörungen mit Zeitpunkt, Dauer, Anzahl und Beispielen.

 

Die Endbefundung erfolgt dann durch den Arzt.  

 

Quelle: Ausgabe 02 / 2011 | Seite 14 | ID 141750