03.05.2011 | Infektionsschutz
Hygienequalität verbessern
von Julia Bange, Medienbüro Medizin, Hamburg
In Deutschland erkranken jährlich ca. 400.000 bis 600.000 Patienten an Infektionen, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme stehen. Zwischen 7.500 und 15.000 Menschen sterben jährlich daran. 20 bis 30 Prozent dieser Infektionen, so schätzen Experten, wären durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen vermeidbar. Für MFA ist es daher unumgänglich, vorhandene Kenntnisse in regelmäßigen Fortbildungen immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen.
Neues Gesetz soll Infektionsschutz verbessern
Die Bundesregierung hat am 16. März 2011 den „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und weiterer Gesetze“ beschlossen. Mit dem Gesetz sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um insbesondere die Hygienequalität in Krankenhäusern und bei medizinischen Behandlungen zu verbessern. Die Infektionsrate soll damit deutlich reduziert werden.
Mitte Juli 2011 könnte das Gesetz in Kraft treten. Die Neuregelungen des Entwurfs sehen unter anderem Folgendes vor:
Bundesländer werden zum Handeln verpflichtet
Alle Bundesländer werden verpflichtet, auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes Verordnungen zur Infektionshygiene und zur Prävention von resistenten Krankheitserregern in medizinischen Einrichtungen zu erlassen. Der Standard der Länderverordnungen wird damit vereinheitlicht.
Expertenrat für sachgerechte Antibiotika-Therapie
Der Gesetzentwurf sieht die Einrichtung der „Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie“ (Kommission ART) am Robert Koch-Institut vor. Sie soll für Ärzte Empfehlungen mit allgemeinen Grundsätzen für Diagnostik und Antibiotika-Therapie unter Berücksichtigung der Infektionen mit resistenten Krankheitserregern erstellen.
Empfehlungen zur Infektionshygiene werden verbindlich
Die allgemein anerkannten Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Infektionsvermeidung erhalten für Ärzte rechtsverbindlichen Charakter. Der rechtsverbindliche Charakter gilt ebenfalls für die Empfehlungen der Kommission ART. Leiter von medizinischen Einrichtungen werden ausdrücklich dazu verpflichtet, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft erforderlichen Präventionsmaßnahmen durchzuführen, um die Weiterverbreitung von Krankheitserregern zu vermeiden.
Infektionswege kennen und unterbrechen
Viele Institutionen bieten Fortbildungen an, mit denen MFA ihren Wissensstand im Bereich Desinfektion und Hygiene auffrischen können. „Praxisteam professionell“ stellt Ihnen im Folgenden drei Angebote aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern vor.
Fortbildung der ÄK und der KV Westfalen-Lippe
Im Rahmen der Fortbildung „Hygiene und Desinfektion in der Arztpraxis“, die von der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer (ÄK) Westfalen-Lippe sowie der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe angeboten wird, lernen MFA die unterschiedlichen Infektionswege kennen sowie die im Praxisalltag erforderlichen Hygienemaßnahmen.
Das Seminar sensibilisiert die Teilnehmer dafür, zu erkennen, wo multiresistente Erreger in der Praxis auftreten und wie sie sich verbreiten. Die Verbreitung zu verhindern, gehört zu den Aufgaben der MFA. Die Teilnehmerinnen lernen Wissenswertes zum praktischen Hygienemanagement - sowohl in den Arztpraxen als auch im häuslichen Umfeld der Patienten. Umfassende Informationen zu Sterilisation, Desinfektion und Reinigung runden den Seminarinhalt ab.
Die Teilnahme an der Fortbildung kostet zwischen 69 und 99 Euro und ist in vollem Umfang auf die Spezialisierungsqualifikation „Entlastende Versorgungsassistentin“ (EVA) anrechenbar. Weitere Informationen zum Seminar gibt es im Internet (www.aekwl.de).
Fortbildung der ÄK und der KV Westfalen-Lippe
Auch die Ärztekammer Niedersachsen bietet eine Fortbildung im Bereich „Desinfektion und Hygiene in der Arztpraxis“ an. Neben Personal- und Medizinprodukthygiene ist auch die Desinfektion von Flächen ein Schwerpunkt des Seminars.
Merke!
Das Robert Koch-Institut statuiert, dass das Patientenumfeld frei von Staub und Verunreinigungen und damit für Patienten und Mitarbeiter in einem ansprechenden Zustand sein muss. Durch richtige Desinfektion töten MFA vermehrungsfähige Mikroorganismen auf Flächen, wie zum Beispiel Tischen, ab. Beim Desinfizieren vermindern sie die Anzahl dieser Mikroorganismen um 85 bis 99,9 Prozent. Zum Vergleich: Würde die Fläche nur gereinigt, könnte der Mikroorganismen-Bestand laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts lediglich um 50 bis 80 Prozent reduziert werden. |
Die vierstündige Fortbildung der Ärztekammer Niedersachsen bietet außerdem einen Überblick über die in einer Arztpraxis üblichen Desinfektions- und Hygienemaßnahmen. Die Kosten belaufen sich auf 59 Euro. Weitere Informationen finden Interessierte im Internet (www.aekn.de).
Fortbildung der KV Bayern
Das aktuelle Seminarprogramm der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns hält ebenfalls ein Seminar zum Thema „Hygienemanagement in Arztpraxen“ bereit. Grundlage des Seminars sind das Infektionsschutzgesetz, die Richtlinien des Robert Koch-Instituts, berufsgenossenschaftliche Vorschriften, aber auch die Bestimmungen der Medizinprodukte-Betreiberverordnung.
Im Rahmen der Fortbildung lernen MFA, hygienisch korrekt mit Patienten, Arzneimitteln und Medizinprodukten umzugehen. Sie lernen die Risikogruppen der Medizinprodukte kennen, um mit diesem Wissen Medizinprodukte richtig einstufen und fachgerecht aufbereiten zu können.
Die Referenten vermitteln den Teilnehmern zudem wichtige Aspekte der persönlichen Hygiene. Dazu gehört es beispielsweise, Dienst- und Schutzkleidung passend auszuwählen sowie die Hände gründlich zu desinfizieren. Außerdem erstellen die MFA in dem Seminar einen Hygieneplan. Mithilfe der neu gewonnenen Informationen und Tipps sind sie geschult, in der eigenen Praxis den Hygieneplan zu erneuern und an die aktuellen Hygienebestimmungen anzupassen.
Das eintägige Seminar wird zu verschiedenen Terminen an unterschiedlichen Orten angeboten. Die Teilnahmegebühr beträgt 75 Euro. Weitere Informationen und Anmeldungsunterlagen finden Interessierte auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (www.kvb.de).
Fazit
Es ist schwierig, gegen etwas zu kämpfen, das man mit bloßem Auge nicht sieht: Doch Viren, Bakterien und Pilze sind überall. Sie können Infektionen hervorrufen - einige davon sind sogar antibiotikaresistent. Damit sich diese nicht ausbreiten, ist es unerlässlich, hygienische Maßnahmen zu ergreifen. Besonders wichtig ist die Prävention dort, wo die Erreger vermehrt auftreten: Das sind vor allem medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen und Kliniken. Und auch wenn Aspekte zur Hygiene in den Ausbildungsplänen für MFA verankert sind: Das vorhandene Wissen aufzufrischen und zu erweitern, wird der Praxis in jedem Fall von Nutzen sein!
Weiterführende Hinweise
- Beitragsserie zum Thema „Hygiene in der Arztpraxis“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nrn. 6 bis 10/2008)
- Beiträge zum Thema „Praxiskleidung“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nrn. 3/2008, 7/2009, 11/2010)
- „MRSA-Management in Arztpraxen“ („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 2/2010, S. 6)
- Robert Koch-Institut im Internet: www.rki.de