21.12.2010 | Hygiene
Wissen über Hygienerecht unverzichtbar
von Petra Meisel, Medienbüro Medizin, Hamburg
Stichprobenartige Kontrollen der Hamburger Gesundheitsbehörde im Jahr 2009 haben gezeigt: In Arztpraxen ist es um die Hygiene mitunter nicht gut bestellt - jede dritte Hamburger Arztpraxis verstößt gegen Hygienevorschriften! Die Ärztekammern steuern hier gegen. Sie schulen in Fortbildungskursen Ärzte und MFA zum Thema „Hygienerecht“. „Praxisteam professionell“ stellt eine Fortbildungsmaßnahme für MFA vor.
Hygienevorschriften - viel Papier und noch mehr Lernstoff
„Grund- und Spezialkurs zum Erwerb der Sachkunde gemäß Medizinproduktebetreiberverordnung (MPBetreibV) für die Instandhaltung von Medizinprodukten in der Praxis“ - der bürokratisch klingende Titel des Kurses der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) verrät seinen Inhalt: Richtlinien, Gesetze, Vorschriften, Normen. Der Kurs ist in drei Module gegliedert und richtet sich an ausgebildete MFA, die mit semikritischen und kritischen Medizinprodukten zu tun haben.
Merke!
Semikritisch sind zum Beispiel Medizinprodukte, die mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut in Berührung kommen. Kritische Medizinprodukte werden im Umgang mit Blut und Blutprodukten benutzt, oder sie durchdringen (Schleim-) Haut und erhalten dabei Kontakt mit Blut, inneren Geweben und Organen. Einfach gesagt: In der Fortbildung geht es vom Einsatz von Latexhandschuhen bis zu Instrumenten für einen chirurgischen Eingriff. |
Modul 1: Rechtsgrundlagen
Für das erste Modul ist Disziplin gefragt. Im Selbststudium müssen vor Veranstaltungsbeginn Rechtsgrundlagen erarbeitet werden. Das rund 270 Seiten starke Handout vermittelt Kenntnisse zum Medizinproduktegesetz (MPG) und der MPBetreibV. Dazu kommen Empfehlungen und Richtlinien unter anderem vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dem Robert-Koch-Institut, den Berufsgenossenschaften sowie Vorgaben zu Betreiberpflichten und zur Sterilgutfreigabe.
Modul 2: Hygienemanagement in der Praxis
Wer sich durch die Rechtsgrundlagen durchgebissen hat, wird mit einer zweitägigen Präsenzveranstaltung belohnt. Hier bekommen trockene Gesetzestexte Praxisbezug. Die MFA lernt anhand der Risikobewertung nach RKI bzw. BfArM, inwieweit ihre Praxis semikritische bzw. kritische Medizinprodukte einsetzt. Das ist unter anderem wichtig für die Erstellung von Hygieneplänen, die für das individuelle Praxisprofil maßgeschneidert sein sollten, um den Schutz von Patienten, des Praxispersonals und von Dritten gewährleisten zu können. In diesen Lernblock gehört auch das Medizinprodukte-Beobachtungs- und Meldesystem. Gibt es in der Praxis zum Beispiel infektiöse Krankheitsfälle, die mutmaßlich auf nicht sterile Geräte zurückzuführen sind, muss schnellstens eine vollständige Informationskette in Gang gesetzt werden, um den Kreis der Infizierten so klein wie möglich zu halten.
Wie Erreger, insbesondere multiresistente, überhaupt ticken, was ihre Gefährlichkeit ausmacht und wie sie im ambulanten Bereich wirken, macht ein Ausflug in die Mikrobiologie deutlich. Darauf baut die Geräte- und Instrumentenkunde auf. Welche Reinigungs- und Desinfektionsgeräte werden angeboten und sind für die jeweilige Praxis sinnvoll? Erfüllen in der Praxis gebräuchliche Instrumente aktuelle Normen und Vorschriften? Wo ist die Toleranzgrenze bei älteren Geräten bzw. wie kann fachgerecht nachgerüstet werden. Was ist bei Wartung, Funktionskontrolle, Pflege, manueller und maschineller Aufbereitung zu beachten, damit mögliche Erreger keinen Nährboden finden?
Modul 3: Sachgerechte Aufbereitung von ärztlichem Gerät
Das letzte Modul dreht sich um die sachgerechte Aufbereitung von ärztlichem Gerät. Produkte, die zur Reinigung, Desinfektion und Sterilisation benötigt werden, müssen sinnvoll ausgewählt und richtig angewandt werden. Damit wirkt die MFA bereits bei der Kaufentscheidung mit.
Der Einsatz von Einmalprodukten variiert von Praxis zu Praxis. Sollen beispielsweise alternativ Instrumente wiederverwendbar sein, steht die Frage nach den geeigneten Produkten und ihrer Reinigung an. Geklärt werden muss damit auch vor dem Hintergrund der Praxisabläufe, der Qualifikation der Mitarbeiter und der tatsächlichen Infektionsgefahr, ob das Praxispersonal dafür verantwortlich sein soll oder ob ein Outsourcing sinnvoll ist.
Fazit
Mit den Kenntnissen aus dem Fortbildungskurs kann die MFA Hygienerisiken in der Praxis analysieren, abwägen und den Arzt bei Entscheidungen zu Investitionskosten unterstützen. Mit ihrem Know-how beugt sie so finanziellen Verlusten der Arztpraxis durch Qualitätsmängel vor. Das geschieht durch ihre sachgerechte Prüfung gelieferten Materials, Lagerung, Wartung und Dokumentation.
Beachten Sie: Vor Anmeldung muss jeder Teilnehmer selbst prüfen, ob die Fortbildung in seinem Bundesland anerkannt ist. Im MPG und der MPBetreibV wurden zwar viele europäische und nationale Regelungen zusammengefasst, die Summe der verschiedenen Verordnungen und Empfehlungen unterscheidet sich jedoch bundesweit erheblich.