25.01.2011 | Hygiene
Die Patiententoilette - mehr als ein WC
von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin, Hamburg
Arztpraxen sollten die Bedeutung des Patienten-WC nicht unterschätzen. Denn die Praxistoilette wird bei den Patienten einen entscheidenden Eindruck hinterlassen. Nutzen Sie die Chance, sich als komfortable, serviceorientierte und hygienische Praxis zu präsentieren. „Praxisteam professionell“ gibt Ihnen praktische Tipps!
Hygiene ist das A und O
Grundsätzlich sollte es getrennte Sanitärräume für das Personal und die Patienten geben. Im Idealfall außerdem getrennte Toilettenräume für Frauen und Männer. In den Räumen muss jeweils ein Waschbecken mit kaltem und warmem Wasser vorhanden sein. Damit keine Krankheiten und Bakterien übertragen werden, sind ellbogenbedienbare Seifenspender mit Seife und auch Desinfektionsmittel empfehlenswert. Ebenso sollten Sie Einmalhandtücher statt waschbare Baumwollhandtücher verwenden. Zudem sollte der Seifenspender stets aufgefüllt sein und der Papierkorb regelmäßig entleert werden.
Besonders auf diesem stillen Örtchen sollten Praxen im Hinblick auf Hygiene nichts dem Zufall überlassen und allein auf die Fähigkeiten der Reinigungskraft vertrauen. Das WC gilt als Aushängeschild für Hygiene und muss daher zwingend penibel sauber gehalten werden: die Toilette selbst, das Waschbecken, der Spiegel und der Fußboden.
Praxishinweis
So wie in guten Hotels oder Restaurants können Sie im Toilettenraum eine Kontroll-Checkliste aufhängen, auf der der jeweils zuständige Mitarbeiter seinen Reinigungseinsatz unterzeichnet. Das verdeutlicht jedem Patienten, dass in regelmäßigen Abständen geputzt wird. |
Beachten Sie: Auch wenn die WC-Kontrolle nicht zu Ihren originären Aufgaben als MFA gehört, sollte sich jeder im Team für die Sauberkeit der eigenen Praxis verantwortlich fühlen und im Laufe des Tages immer mal wieder einen Blick in den Raum werfen (Ist noch genügend Toilettenpapier vorhanden? Wie sieht es mit der Sauberkeit - gerade im Winter, wenn die Patienten dreckige Schuhe haben - aus?).
Wer einen besonderen hygienischen Eindruck vermitteln will, kann einen automatischen Toilettenbrillenüberzug einbauen: Auf Knopfdruck wird dann jeweils eine frische, saubere Folie über den Toilettensitz gezogen.
Barrierefreie Toilettenräume
Für Patienten im Rollstuhl sind besondere Maßnahmen erforderlich: Sie benötigen mindestens 80 Zentimeter breite Türen und ausreichend große Manövrierflächen vor und hinter den Türen. Damit Ihre Toilettenräume auch offiziell als behindertengerecht gelten, müssen folgende Vorschriften erfüllt sein:
- Die Bewegungsfläche vor dem Waschtisch und der Toilette muss mindestens 1,50 Meter breit und 1,50 Meter lang sein.
- Rechts und links neben dem Toilettenbecken muss Platz von mindestens 95 cm Breite und 70 cm Tiefe sein.
- Die Höhe des WC-Sitzes muss 48 cm betragen.
- Neben dem WC müssen einklappbare Haltegriffe angebracht sein. Diese unterstützen Patienten beim Umsetzen.
- Zudem muss der Waschtisch bedingt unterfahrbar sein, das heißt die Kniefreiheit beträgt etwa 67 Zentimeter Höhe.
- Die Oberkante des Waschbeckens darf nicht höher als 85 Zentimeter liegen, damit Rollstuhlfahrer problemlos den Wasserhahn erreichen können.
Die Toilette sollte zudem über einen Notrufknopf verfügen. Alleine die Möglichkeit des Notrufs beruhigt ältere Menschen oder Risikopatienten. Und im Notfall sollte die WC-Tür auch von außen zu öffnen sein - idealerweise mit einer Münze. Und für den Fall dass ein Patient tatsächlich bewusstlos auf dem Boden liegt, ist es zudem am besten, wenn die Tür nicht nach innen geöffnet werden muss.
Intimsphäre der Patienten wahren
Sofern Sie Baumaßnahmen für Ihre Praxis noch beeinflussen oder ändern können, achten Sie darauf, dass der Toiletteneingang nicht im direkten Sichtbereich des Wartezimmers liegt, damit die Intimsphäre erhalten bleibt - vor allem für die Patienten, die eine Urinprobe abgeben sollen. Im Idealfall verfügt das WC über eine Durchreiche zum Labor, in die die Urinproben hineingestellt werden können. Damit Patienten nicht den Becher aus dem Sanitärraum mitnehmen und selbst zum Labor oder gar zum Empfang bringen müssen.
Beispiel
Alltag in einer allgemeinmedizinischen Praxis: Die Abgabe einer Urinprobe. Doch Frau Meier ist es unangenehm: Da die Patiententoilette im direkten Sichtbereich zum Wartezimmer liegt, bekommt die gesammelte Patientenschaft ihren Gang zur Toilette mit - zumindest glaubt sie das. Und noch schlimmer: Sie muss mit dem gefüllten Behälter wieder herauskommen und diesen an der Rezeption abgeben, weil es keine Durchreiche gibt - wie peinlich. |
Und leider ist es im stillen Örtchen oft gar nicht so still. Daher wäre ein Toilettenvorraum ideal. Ansonsten sollte der Raum möglichst schalldicht sein. Wenn auch das nicht umsetzbar ist, ist leise Musik im Hintergrund eine Alternative. Dann müssen sich Patienten zumindest keine Gedanken darüber machen, ob unangenehme Geräusche nach außen dringen.
Praxishinweis
Nutzen Sie leeren Platz an den Wänden oder auf der Innenseite der Toilettentür, um Ihren Patienten neue Informationen zu präsentieren, zum Beispiel IGeL-Angebote. Häufig finden Toilettenaushänge mehr Beachtung als Aushänge im Wartezimmer - die Ungewohntheit und Neugierde siegt. |
Service und Komfort für mehr Patientenzufriedenheit
Schon mit freundlicher, heller Farbe an den Wänden, einer guten Beleuchtung und einheitlichen Badutensilien wie Toilettenpapier- und Handtuchhalter sowie Seifenspender werten Sie Ihre Patiententoilette deutlich auf. Und für stets angenehmen Geruch sorgen Raumsprays, Duftlampen getränkt mit ätherischen Ölen oder Duftsteine in der Toilette. Aber bitte nicht alles zusammen anbieten, dadurch riecht es nicht besser.
Ein Kleiderhaken, damit Patienten Jacke und Handtasche nicht an der Türklinke aufhängen müssen, gehört zur Standardausführung. Denn schließlich soll der Wintermantel nicht den regennassen Boden wischen. Einen dankbaren Blick erhalten Sie mit Sicherheit auch von Eltern, wenn sie für die Kleinen ein Töpfchen oder eine kindergerechte WC-Brille bereithalten.
Ein besonderer Service ist es, wenn Sie Haarspray, Sprühdeodorant und Handcreme zur Verfügung stellen. Für den besonderen Patientenkomfort kaufen Sie im Idealfall weiches Toilettenpapier, auch wenn es etwas teurer ist - raue Billigsorten beweisen nicht gerade Patientenfreundlichkeit und wirken geizig. Und wirklichen Luxus bieten Sie Ihren Patienten, wenn Ihr WC über einen angewärmten Toilettensitz und eine in die Schüssel integrierte Warmwasserdusche zur Reinigung verfügt. Aber das ist wirklich das i-Tüpfelchen und wird mit Sicherheit nicht von Ihren Patienten erwartet.
Fazit
Vielleicht meinen Sie, dass man es auch nicht übertreiben muss - letztendlich ist es ja „nur“ ein Toilettenraum. Doch unterschätzen Sie nicht die Bedeutung für die Patienten: Sie können die Qualität der medizinischen Behandlung in der Regel nicht einschätzen und machen sich vor allem über Äußerlichkeiten ein Bild von Ihrer Praxis. Wenn dem Patienten dann schon beim ersten Praxisbesuch der Gang zur Toilette in schlechter Erinnerung bleibt, kann dies schnell auf die gesamte Praxis übertragen werden.