01.04.2010 | Fortbildung
Schutz vor Angriffen durch Patienten
von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin, Hamburg
Aggressives Verhalten von Patienten gegenüber Medizinischen Fachangestellten (MFA) ist keine Seltenheit. Patienten befinden sich in Arztpraxen oft in einer beschwerlichen Situation: Sie haben Schmerzen, müssen sich mit ihrer Krankheit oder einer veränderten Zukunftsperspektive auseinandersetzen. Angst, Unsicherheit und Stress können Auslöser von aggressivem Verhalten sein. Auch deswegen werden Angriffe von Patienten zumeist als unvermeidlicher Teil der Arbeit oder als Berufsrisiko abgetan. Verbale oder körperliche Übergriffe sind jedoch keine Bagatellen - sie können den Betroffenen physisch und psychisch stark mitnehmen. Daher ist es wichtig, dieses Thema im Praxisalltag nicht zu tabuisieren, sondern betroffenen Mitarbeitern zu helfen, mit dieser Situation umzugehen und sich im Vorfeld bestmöglich auf solche Ereignisse vorzubereiten.
Hilfe durch professionelle Schulungen
Es gibt eine Reihe von Schulungsangeboten für MFA, die ein professionelles Verhalten in Situationen mit aggressiven Patienten vermitteln. Die meisten Angebote richten sich an die gesamte Praxis und werden in Form von Gruppenschulungen abgehalten.
Deeskalationstraining der BGW
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat als Zusatzqualifikation ein Aggressionsdeeskalationstraining ins Leben gerufen, das darauf ausgerichtet ist, einen Mitarbeiter der jeweiligen Einrichtung zum Deeskalationstrainer auszubilden. Aufgabe dieses Trainers soll es sein, die eigenen Kollegen im Umgang mit aggressiven Übergriffen von Patienten zu schulen. Der Trainer baut dann als Experte selbst das Eskalationsmanagement in seiner Praxis auf.
In den Seminaren werden Kenntnisse darüber vermittelt, wie durch die Gestaltung der Räumlichkeiten oder bestimmte Gesprächsführungstechniken, Eskalationsszenarien bereits im Vorfeld verhindert werden können. Weiterer Bestandteil der Ausbildung ist auch das Vermitteln und Einüben von patientenschonenden Abwehr- und Fluchttechniken. Die Ausbildung zum Deeskalationstrainer findet an zwölf Tagen in fünf Blöcken statt. Für das Training belaufen sich die Kosten auf 3.100 Euro, davon werden derzeit 1.000 Euro von der BGW bezuschusst (weitere Informationen unter www.bgw-online.de).
ProDeMa Multiplikatoren-Ausbildung
Ebenfalls auf die Ausbildung von Deeskalationstrainern ausgerichtet sind die Seminare von ProDeMa. Die Schulungen von ProDeMa spezialisieren sich auf Techniken des professionellen Deeskalationsmanagements und richten sich besonders an Einrichtungen im Gesundheits- und Pflegesektor. Neben der zehn- bis zwölftägigen Ausbildung von Multiplikatoren und Deeskalationstrainern für die jeweilige Einrichtung bieten die Mitarbeiter von ProDeMa auch Inhouse-Schulungen an. In diesen zwei- bis viertägigen Schulungseinheiten wird eine Vielzahl von Kompetenzen für den professionellen Umgang mit aggressiven Patienten herausgearbeitet, die nach individueller Anforderung an die Einrichtung und an die Patientenklientel angepasst werden. Die Kosten für einen Schulungstag liegen zwischen 800 und 1.200 Euro. Sie sind abhängig von der Gruppengröße, dem jeweiligen Trainer und der Anzahl der Schulungstage (www.prodema-online.de).
ESUS: Aggressionsprävention und -abwehr
Auch ESUS, die Gesellschaft für Erwachsenenbildung, bietet Seminare an, die MFA einen professionellen Umgang mit aggressiven Patienten ermöglichen sollen. Gegenstand der Seminare ist zum einen das Verstehen von Aggression und zum anderen das Entwickeln praktischer Handlungskonzepte. Zunächst werden die Psychodynamik und die Prozessdynamik von Aggression dahingehend analysiert, wie aggressives Verhalten entstehen kann und wie es sich entwickelt. Dann werden praxistaugliche Hilfsmittel vorgestellt. Dabei geht es um Präventionsmaßnahmen und Möglichkeiten der Vermeidung von Eskalationssituationen. Außerdem wird die situative Anwendung von deeskalativen Strategien geprobt und es werden individuelle Handlungspläne erstellt. Die Basisseminare dauern in der Regel drei Tage. Die Multiplikatorenausbildung, also die Ausbildung zum Deeskalationstrainer, ist auf sechs Blöcke à drei Tage angesetzt. Der Tagessatz für die Seminare beträgt zwischen 1.350 und 1.600 Euro (www.esus.de).
Individuelles Aggressionsmanagement
Sensibilisierung für das Verhalten bei verbalen oder körperlichen Übergriffen gegenüber MFA will der Düsseldorfer Deeskalationstrainer Christian Otto (www.deeskalation-jetzt.de) in seinen Seminaren vermitteln. Er setzt dabei auf eine didaktische Kombination von Rollenspiel, Vortrag, Gruppenarbeit und gruppendynamischen Übungen. Ausgehend von der Annahme, dass jede Deeskalation personenabhängig ist, konzentrieren sich die Schulungen neben allgemeinen Informationen auch auf individuelle praktische Beispiele und deren Analyse. Die Teilnehmer sollen das eigene Handeln reflektieren und lernen, die Situationen einzuschätzen. Das zweitägige Standardtraining wird mit 1.000 Euro berechnet. Optional wird auch ein eintägiges Intensivtraining für 700 Euro angeboten.
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In den Ausgaben 8/2008 und 5/2009 von „Praxisteam professionell“ erhalten Sie praktische Tipps zum Umgang mit aggressiven Patienten in der Arztpraxis.