29.10.2008 | Fortbildung
Präventionsassistentin in der Praxis – gezielte Entlastung des Arztes
von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin, Hamburg
Vorbeugen ist besser als heilen – das gilt, wenn man gesund ist genauso wie im Krankheitsfall. Chronisch kranke Patienten haben ein großes Interesse daran, präventiv tätig zu werden, damit sich ihr Zustand nicht verschlechtert. Und gesunde Patienten wollen gar nicht erst krank werden. Prävention ist somit ein Anliegen von vielen Patienten, die in Ihre Praxis kommen. Gerade die Maßnahmen im Kindes- und Jugendalter haben besondere Wirkung. Sie stellen die Weichen für ein gesundes Leben. Daher hat die Bundesärztekammer zwei Curricula für Medizinische Fachangestellte (MFA) entwickelt, die Ihnen „Praxisteam professionell“ im Folgenden vorstellt.
Zwei Curricula schulen zu Präventionsmaßnahmen
Interessierte MFA sollen in den Curricula „Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen“ und „Prävention im Kindes- und Jugendalter“ zu den gängigsten Präventionsmaßnahmen geschult werden, wie beispielsweise Sport, Impfung und gesunder Ernährung. Aber auch Techniken zur Vermittlung der Präventionsmaßnahmen an die Patienten sind Bestandteil der Curricula.
Teilnehmen können alle ausgebildeten MFA oder Angehörige anderer medizinischer Fachberufe. Diese müssen jedoch eine angemessene Berufserfahrung vorweisen können. Die Inhalte gliedern sich in Themenschwerpunkte, die in einzelnen Kursen abgeleistet werden. Innerhalb von fünf Jahren müssen MFA die verschiedenen Lehrgänge besucht und abgeschlossen haben.
Fortbildung „Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen“
Inhaltlich gliedert sich die Fortbildung „Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen“ in kommunikative, organisatorische und fachliche Bereiche.
Bereich „Kommunikation“
Die Themen „Kommunikation und Gesprächsführung“ (acht Stunden), „Wahrnehmung und Motivation“ (acht Stunden) sowie „Moderation“ (acht Stunden) zielen auf den Umgang mit Patienten. Dabei stehen weniger theoretische Inhalte im Mittelpunkt, als Lösungen für den Praxisalltag:
- Techniken der direkten und der telefonischen Kommunikation,
- Konfliktlösungsstrategien sowie
- Motivationstechniken.
Auch die patientengerechte Präsentation von Inhalten mit unterschiedlichen Medien wird gelehrt.
Bereich „Organisation“
Die Themen „Selbstorganisation“, „Kooperation“ und „Qualitätsmanagement“ nehmen mit vier Stunden den kleinsten Teil ein. Grundzüge des Qualitätsmanagements und der Dokumentation der Abläufe sowie die anschließende Abrechnung werden hier vermittelt.
Bereich „Prävention“
Den Schwerpunkt der gesamten Fortbildung bilden selbstverständlich
die Präventionseinheiten – primäre, sekundäre und tertiäre – mit insgesamt 36 Stunden:
- Die primäre Prävention macht mit 26 Unterrichtsstunden den Hauptteil aus. MFA lernen hier Maßnahmen zur gesunden Ernährung, zur Bewegungsförderung, zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und zur Psychohygiene. Die Suchtprävention stellt außerdem einen Schwerpunkt der Primärprävention dar. Die verschiedenen legalen und illegalen Drogen werden erklärt und Anzeichen von Abhängigkeit erläutert. Impfstoffe, -gefahren und -nebenwirkungen sind ebenfalls Teil dieses Kurses.
- Die Einheit zur sekundären Prävention befasst sich mit Früherkennungsuntersuchungen – im Kinder- und Jugendalter, aber auch mit Krebsfrüherkennung.
- Die tertiäre Prävention wird lediglich in einer Doppelstunde abgehandelt. Dabei geht es um Wiedereingliederungsmaßnahmen bei Reha-Patienten und um Disease-Management-Programme (DMP).
Fortbildung „Prävention im Kindes- und Jugendalter“
Beim Curriculum zur „Prävention im Kindes- und Jugendalter“ kommt zu den bereits genannten Themenblöcken der Fortbildung „Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen“ noch die Einheit „Entwicklung und Familie“ mit sechs Stunden hinzu.
MFA lernen hierbei, welche Entwicklungsgrundlagen – gerade psychologischer Art – in der Kindheit und Jugend gelegt werden. Auch Familienstrukturen werden thematisiert.
Im Block zur primären Prävention unterscheiden sich die Inhalte ebenfalls von der Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen. So nimmt die Ernährung von Babys und Kindern einen großen Teil ein, ebenso das Schlafverhalten und die Zahnpflege. Auch der Medienkonsum, die Bewegungsförderung, die Unfallgefahr im Haus, das Sexualverhalten und der Schutz vor Misshandlung sind in diesem Bereich angesiedelt. Die Inhalte zur sekundären und tertiären Prävention gleichen sich wiederum bei beiden Curricula.
Schriftliche Hausarbeit und Kolloquium als Abschlusstest
Am Ende der Fortbildungen steht jeweils eine schriftliche Hausarbeit, für die 16 Stunden eingeplant sind. Diese soll sich mit Präventionsinhalten im eigenen Arbeitsfeld befassen. Für MFA lohnt es sich, eine praxisbezogene Aufgabenstellung auszuwählen, die im eigenen Arbeitsalltag umgesetzt werden kann. So erhält die Fortbildung gleich einen konkreten Nutzen für die eigene Praxis. Auf die Hausarbeit folgt abschließend ein Kolloquium. Bei erfolgreichem Bestehen erhalten die MFA ein Zertifikat.
Berufsbegleitend am Wochenende
Die Fortbildung zur Präventionsassistentin wird von unterschiedlichen Veranstaltern angeboten, unter anderem von den Ärztekammern und vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. Informationen erhalten Sie bei Ihrer Landesärztekammer bzw. hier: www.netzwerk-kindergesundheit.de
Die Gebühren variieren sehr stark. So bietet das Unternehmen EUSANA GmbH & Co. KG aus Bad Münder einen Kurs für 1.800 Euro an. Bei der Fortbildungsstätte der Landesärztekammer Hessen (Carl-Oelemann-Schule) betragen die Gebühren für den 26-stündigen Themenbereich „Prävention im Kindes- und Jugendalter“ dagegen nur 350 Euro. Die kürzeren Lehrgänge zu „Entwicklung und Familie“ (sechs Stunden), „Moderation“ (acht Stunden) oder „Wahrnehmung und Motivation“ (ebenfalls acht Stunden) kosten hier jeweils 95 Euro. Die Kurse finden berufsbegleitend an den Wochenenden statt.
MFA, die bereits Seminare zur Organisation, Moderation oder Kommunikation als Teil anderer Fortbildungen der Ärztekammern belegt haben, können sich diese Kurse anrechnen lassen. Sie brauchen die Inhalte nicht erneut zu absolvieren.
Beachten Sie: Prüfen Sie alle Fortbildungsangebote genau, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben und erkundigen Sie sich am besten zuerst bei Ihrer Landesärztekammer nach Fortbildungsmöglichkeiten.
Fazit: Entlastung der Ärzte durch spezialisierte MFA
Durch die Curricula werden MFA zu Expertinnen im Bereich Prävention. Je nach Praxisart (Kinderarzt oder Allgemeinmedizin) führen die unterschiedlichen Curricula zu einer genauen Spezialisierung. Davon profitieren Patienten ebenso wie Praxisinhaber. Der Praxischef wird entlastet, weil die Präventionsassistentin Aufgaben in der Vorbereitung und der Betreuung der Patienten übernehmen kann. Außerdem haben die Patienten eine weitere kompetente Ansprechperson bei Fragen zur Prävention.