02.12.2010 | Fortbildung
Fortbildung für MFA: Ambulante Versorgung älterer Menschen
von Petra Meisel, Medienbüro Medizin, Hamburg
Die neueste Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KVB) und der Bundesärztekammer (BÄK) belegt: In den kommenden zehn Jahren sinkt die Zahl der Hausärzte voraussichtlich noch einmal um 7.000. Gleichzeitig steigt die Zahl der älteren Menschen. Das führt zunehmend zu einer Unterversorgung im ambulanten Bereich. Der Einsatz von Medizinischen Fachangestellten (MFA) soll diese Entwicklung auffangen. Die Fortbildung „Ambulante Versorgung älterer Menschen“ der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) ermöglicht MFA die gezielte Entlastung des Arztes.
Entlastung für den Hausarzt
Ist der Blutzuckerwert tatsächlich so stark erhöht, dass der Gang zum Arzt notwendig wird? Was muss ich machen, wenn das Herz anders klopft als sonst? Die in der ambulanten Versorgung älterer Menschen fortgebildete MFA hört zu, bewertet und gibt Ratschläge. Oder sie zieht an der Reißleine, wenn ein ärztlicher Eingriff erforderlich ist. Denn sie kann angemessen, das heißt, qualifiziert und kostenwirksam, auf das besondere Kommunikationsbedürfnis Älterer mit entsprechendem Zeitaufwand eingehen.
Viel Praxis statt graue Theorie
Das Curriculum der LÄKH ist stark praxisorientiert. Von insgesamt 60 Stunden entfallen allein acht auf Hausbesuche. Vier davon finden in ärztlicher Begleitung statt. Vier Fälle müssen dokumentiert und in einer Hausarbeit zusammengefasst werden. Die Hausarbeit führt neben einem 20-minütigen Colloquium zur Zertifizierung und weist den Lernerfolg aus. Gruppen- bzw. Fallarbeit und Rollenspiele unterstreichen den praxisbezogenen Charakter der Fortbildung. Die Module im Einzelnen:
- Modul 1: Kommunikation und Gesprächsführung (8 Stunden). Die Auseinandersetzung mit Älteren und ihren Angehörigen verlangt viel von der MFA, etwa wenn Patienten dement sind, oder Konflikte mit betreuenden Personen bestehen. Hier gilt es, verschiedenste Kommunikationsbedürfnisse zu erkennen und passende Kommunikationstechniken anzuwenden. Die Teilnehmer lernen auch, wie sich Nähe und Distanz regulieren lassen, wenn ein Fall persönlich besonders betroffen macht.
- Modul 2: Wahrnehmung und Motivation (8 Stunden). Im Wesentlichen wird die Aufmerksamkeit für die Situation älterer Menschen geschult: Haben die Patienten eine realistische Einschätzung ihrer Krankheit? Kommen sie mit ihrer speziellen Situation zurecht? Wie viel Unterstützung erfahren sie von ihrem sozialen Umfeld? Ganz wichtig sind Motivationstechniken, die Patienten und betreuende Personen bewegen, aktiv am Heilungsprozess mitzuwirken.
- Modul 3: Häufige Krankheitsbilder und typische Fallkonstellationen (6 Stunden). In diesem Modul werden altersspezifische Krankheitsbilder vorgestellt, vor allem die Multimorbidität. Hat ein 20- bis 30-Jähriger durchschnittlich 1,4 Krankheiten gleichzeitig, sind es bei 70- bis 80-Jährigen mehr als dreimal so viele.
- Modul 4: Geriatrische Basisassessment (6 Stunden). Die Beurteilung, inwieweit ältere Menschen in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen, hat einen vorbeugenden Aspekt. Die Teilnehmer lernen anhand spezieller Verfahren, wie körperliche und psychische Funktionen und Fähigkeiten eingestuft werden können. Kann der Betreffende sich noch ausreichend und gut ernähren, ist Inkontinenz ein Thema, besteht Sturzgefahr und wie ist es um die geistige Fitness bestellt?
- Modul 5: Hausbesuche und Versorgungsmanagement (12 Stunden). Vorbereitend geht es um rechtliche und medizinische Rahmenbedingungen von Hausbesuchen. Vorort stehen die patientengerechte Einschätzung der häuslichen Situation sowie ihre Verbesserung durch Körperpflege, Medikamenteneinnahme und Pflegehilfsmittel im Mittelpunkt.
- Modul 6: Wundmanagement (10 Stunden). Hier werden Kenntnisse der Wundversorgung vermittelt, ihre Arten, Verläufe, Störungen, Versorgungstechniken, Prophylaxe, Behandlungsdokumentation. Darüber hinaus lernt die MFA bestimmte Hebe- und Lagerungstechniken.
- Modul 7: Organisation und Koordination (4 Stunden). Die MFA können Ärzten und Patienten bei Entlassung und Einweisung der Patienten zur Seite stehen und das Zusammenspiel zwischen betreuender Praxis, externen Partnern (Behörden oder Krankenkassen) sowie Versorgungseinrichtungen gestalten und lenken. Zu ihren Aufgaben gehören abschließend Dokumentation, Abrechnung und Qualitätsmanagement.
Die Kosten für die gesamte Fortbildung betragen derzeit 730 Euro.
Weiterführende Hinweise
- Weitere Informationen zur Fortbildung finden Sie unter www.carl-oelemann-schule.de
- Das ausführliche Fortbildungscurriculum finden Sie unter www.bundesaerztekammer.de/downloads/CurrAeltereMenschen.pdf