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02.05.2008 | Fortbildung

Allrounderin der Praxis: Fortbildung zur Arztfachhelferin

von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin, Hamburg

Medizinische Fachangestellte müssen alles leisten: von der Buchhaltung über die Patientenbetreuung bis zur Beantwortung von Rechtsfragen und der Durchführung kleinerer medizinischer Eingriffe. Es wird ständig schwieriger, diesem umfassenden Anspruch gerecht zu werden. Hinzu kommt: Die Verwaltungsaufgaben haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Doch gerade kleinere Praxen können es sich nur selten leisten, Praxismanagerinnen einzustellen, die ausschließlich Verwaltungs- und Managementaufgaben erfüllen. Hier kommt die Fortbildung zur Arztfachhelferin (AFH) ins Spiel.  

Pflichtteil Verwaltung – Wahlteil Medizin

Die Fortbildung zur AFH richtet sich an ausgebildete Medizinische Fachangestellte mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung. Die Bundesärztekammer hat im Jahr 2000 die Inhalte des Fortbildungsprogramms vereinheitlicht. Die Fortbildungen selbst richten die jeweiligen Landesärztekammern aus. Ziel ist es, die AFH zur Übernahme von selbstständigen Koordinations- und Steuerungsfunktionen auszubilden. Im Pflichtteil stehen vor allem Verwaltungstätigkeiten wie Praxismanagement und Betriebswirtschaft auf dem Lehrplan. Aufgrund der unterschiedlichen Fachrichtungen der Arztpraxen können Medizinische Fachangestellte im Wahlteil individuell medizinische Inhalte auswählen.  

 

Der Pflichtteil: von Praxismanagement bis Betriebswirtschaft

Das Curriculum umfasst 280 Stunden Pflichtprogramm und beinhaltet folgende Themengebiete:  

 

  • Im Modul Praxis- und Qualitätsmanagement (40 Stunden) lernen die angehende AFH, in den verwaltungsbezogenen Bereichen der Praxis selbstständig zu arbeiten. Die Einführung und Pflege von Qualitätsmanagementsystemen wird in diesem Seminar ebenfalls gelehrt.

 

  • Der Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (40 Stunden) befasst sich mit dem effektiven und kostensparenden Umgang mit Computern.

 

  • Das Modul Arzthelferinnen-Ausbildung (40 Stunden) bezieht sich auf pädagogische, organisatorische und rechtliche Kenntnisse, die die AFH befähigen sollen, den Arzt bei der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten zu unterstützen.

 

  • Der Umgang mit Problempatienten wird im Themenbereich Kommunikation (30 Stunden) ebenso geschult wie das konstruktive Arbeiten im Praxisteam.

 

  • Prävention und Gesundheitsberatung (30 Stunden) ist ebenfalls ein Bereich, der sich mit Patienten befasst. Hier lernen die angehenden AFH die Vermittlung von Präventionsinhalten.

 

  • Neben den Modulen zur betriebswirtschaftlichen Praxisführung (30 Stunden), der Notfallmedizin (30 Stunden) und dem Themenblock Recht (20 Stunden) beinhaltet die Fortbildung auch die Themen Medizinprodukte, Arbeitsschutz, Hygiene und Umwelt (20 Stunden). Dabei geht es vor allem um Rechtsvorschriften zu den jeweiligen Themengebieten, die in der Arztpraxis berücksichtigt werden müssen. Hier soll die AFH entsprechende Kenntnisse erwerben und diese selbstständig umsetzen können.

 

Der Wahlteil: Medizinische Kurse

Der medizinische Wahlteil in Modulform umfasst 120 Stunden. Die Inhalte haben ihren Fokus auf die medizinischen Tätigkeiten: Strahlenschutz, Onkologie, ambulantes Operieren, Gastroenterologie, Pulmologie, Kardiologie, ambulante Dialyse, Psychotherapie, Laborbereich, Ernährungsberatung oder Betriebsmedizin. Allerdings haben nicht alle Landesärztekammern alle Module im Programm. Im Allgemeinen erkennen sie allerdings die Teilnahme an Modulen anderer Kammern an.  

Kosten variieren regional

Die meisten Landesärztekammern organisieren die Fortbildung berufsbegleitend. Häufig finden die diversen Module über einen Zeitraum von zwei Jahren statt. Eine Vollzeitfortbildung ist aber – zumindest theoretisch – ebenfalls möglich. Die Kosten variieren ebenso wie die Angebote von Kammer zu Kammer und liegen für den Pflichtteil zwischen 1.000 und 1.600 Euro. Für den Wahlteil sind die Kostenunterschiede durch unterschiedlich umfangreiche Inhalte noch intensiver.  

Fazit: Flexible Inhalte sorgen für passende Fertigkeiten

Die Fortbildung zur AFH bietet sich vor allem für kleinere Arztpraxen an. Die AFH kann dem Arzt bei der Verwaltung, der Ausbildung der Azubis und der Mitarbeiterführung viel Arbeit abnehmen. Dem Schwerpunkt der Arztpraxis entsprechend kann sie die Wahlmodule belegen und den Arzt auch bei kleineren medizinischen Tätigkeiten oder Eingriffen entlasten. Der Vorteil der Fortbildung ist die Flexibilität. Der große Umfang des Wahlteils sorgt dafür, dass die AFH genau im Bereich der Schwerpunkte der Praxis spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten erlangt. Dabei müssen nicht auch solche Bereiche mit belegt (und bezahlt) werden, die für die eigene Praxis unerheblich sind.  

Quelle: Ausgabe 05 / 2008 | Seite 8 | ID 119042