29.04.2010 | Diagnostik
„Kompetenznetz Demenzen“ bündelt Kräfte
von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin, Hamburg
Fast jede Haus- und Facharztpraxis betreut Patienten, die unter einer Demenz leiden. Nach Schätzungen der Alzheimer Gesellschaft sind derzeit über eine Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt. Jährlich kommen rund 250.000 hinzu. Um den verschiedenen Ursachen, Therapie- und Vorbeugemöglichkeiten auf die Spur zu kommen, gibt es das „Kompetenznetz Demenzen“ - einen bundesweiten Zusammenschluss von Universitäten, die auf dem Gebiet der Demenzforschung aktiv sind.
Die Ziele des „Kompetenznetz Demenzen“
Das „Kompetenznetz Demenzen“ verfolgt zwei Ziele: Zum einen soll die Forschung intensiviert werden, um effektivere und wirksamere Therapien zu entwickeln. Zum anderen soll bestehendes Wissen über die verschiedenen Demenzformen verbreitet werden.
Aktuelle Forschungsvorhaben
Die aktuellen Forschungsvorhaben haben drei Schwerpunkte:
- Beim Schwerpunkt „Früherkennung und Diagnostik“ versuchen die Forscher, sich der Erkrankung von verschiedenen Seiten zu nähern. Die neurochemische Demenzdiagnostik war bislang nur ein Ausschlussverfahren. Sie soll sich zu einer Positivdiagnostik entwickeln. Aus der Kombination verschiedener Verfahren erhoffen sich die Wissenschaftler, dass Ärzte Demenzerkrankungen zukünftig schon entdecken können, bevor die Symptome auftreten.
- Ein blinder Fleck ist bislang die medikamentöse Behandlung von Patienten, deren Gedächtnisstörungen noch nicht die Kriterien einer Demenz erfüllen. Forscher des Kompetenznetzes versuchen derzeit im Projekt „Medikamentöse Therapiestudien“, mit einer Kombination zweier Wirkstoffe ein Medikament zu entwickeln, das das Voranschreiten der Krankheit verlangsamt.
- Das dritte Projekt bezieht sich auf die Früherkennung in der hausärztlichen Versorgung. In einer Längsschnittstudie werden jetzt 3.000 Patienten zwischen 75 und 89 Jahren von ihren Hausärzten befragt. Die Fragen beziehen sich auf die soziale Situation, Vorerkrankungen und auf die Medikation. Auch neuropsychologische Tests werden ausgewertet.
Weiterlesen: Informationen zum richtigen Umgang mit Demenzkranken finden Sie in Ausgabe 7/2008 von „Praxisteam professionell“.