29.09.2010 | Auszubildende
Gedanken zum neuen Ausbildungsjahr
von Monika Pohlkamp, MFA und Qualitätsmanagerin, Sendenhorst
Auch in diesem Jahr haben sich wieder viele Praxen dafür entschieden, eine Auszubildende einzustellen. Leider fehlt es den Auszubildenden oft an wichtigen Informationen, die sie für eine erfolgreiche Ausbildung benötigen. Auf der anderen Seite ist auch den Ausbildern oft nicht bewusst, was es heißt, einen jungen Menschen auszubilden. „Praxisteam professionell“ zeigt Schwachstellen auf und gibt Lösungsvorschläge.
Ausbildungsordnung und Rahmenlehrplan beachten
Durch meine Tätigkeit als Prüfungsausschussmitglied für die Medizinischen Fachangestellten (MFA) weiß ich, dass sich in vielen Praxen zu wenig Zeit für die zukünftigen neuen Kolleginnen genommen wird. Das soll nicht heißen, dass sich die betroffenen Praxen nicht ausreichend um ihre Azubis kümmern. Allerdings würde so manche Ausbildung reibungsloser verlaufen, wenn sich die Ausbilder (Arzt/Ärztin) besser auf die Auszubildende(n) vorbereiten und die Inhalte der Ausbildungsordnung und des Rahmenlehrplans vor (!) Einstellung einer Auszubildenden gründlich studieren würden.
Sie finden die Ausbildungsordnung, den Ausbildungsrahmenplan sowie den Rahmenlehrplan für MFA zum Download im Online-Service von „Praxisteam professionell“ unter www.iww.de in der Rubrik „Gesetze, Richtlinien und Verordnungen“. In der Ausbildungsordnung ist genau beschrieben, welche Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Beruf der MFA beinhaltet. Dort sind die beruflichen Kernqualifikationen beschrieben, die eine zukünftige MFA während der Ausbildung erlernen sollte, um die Abschlussprüfung mit einem guten Ergebnis zu absolvieren.
Merke!
Gerade weil die aktuelle Ausbildungs- und Prüfungsordnung, die am 1. August 2006 in Kraft getreten ist, die Gewichtung der Prüfungsergebnisse verändert hat, ist es besonders wichtig geworden, die zu vermittelnden Kenntnisse und Fähigkeiten nach dem Rahmenlehrplan zu vermitteln. Lag früher die Gewichtung der Prüfungsergebnisse zu ca. 70 Prozent im theoretischen und zu 30 Prozent im praktisch/mündlichen Bereich, gilt heute die 50/50-Regelung. |
Ausbildung mit einer Mentorin durchführen
Ein guter Ausbildungsbetrieb gibt seinen Auszubildenden eine Art Mentor (eine erfahrene Mitarbeiterin) als ständige Ansprechpartnerin an die Seite. So fühlt sich die neue Auszubildende sofort gut aufgehoben und im Team aufgefangen.
Dem Ausbilder (Arzt/Ärztin) gibt die Mentorin zudem Sicherheit in Bezug auf die Einhaltung der Ausbildungsordnung. Oft findet er/sie selbst nicht die Zeit, bestimmte Ausbildungsinhalte zu vermitteln und kann mit der zuständigen Mitarbeiterin absprechen wie und was zu welchem Zeitraum für die Ausbildung notwendig ist.
Die Mentorin sollte auch darauf achten, dass die Berichtshefte richtig geführt und dem Ausbilder regelmäßig (!) vorgelegt werden. Geschieht dies erst am Ende der Ausbildung, kurz vor der anstehenden Prüfung, werden die Hefte oft einfach nur unterzeichnet und nicht wirklich gelesen geschweige denn beurteilt.
In fachfremden Praxen hospitieren
Jede Auszubildende sollte auch in Tätigkeiten eingewiesen werden, die in der eigenen Praxis nicht durchgeführt werden (können). So gibt es zum Beispiel in einer gynäkologischen Praxis keine EKGs und in einer Augenarztpraxis werden in der Regel keine Blutabnahmen durchgeführt. Das Wissen über die Durchführung zum Beispiel der genannten Tätigkeiten wird laut Rahmenlehrplan aber gefordert und in den Prüfungen auch hinterfragt und verlangt.
In der praktischen/mündlichen Prüfung müssen von den Prüflingen ganze Patientenfälle dargestellt werden. Daher ist es ganz besonders wichtig, dass auch die Augenarzthelferin weiß, welche Utensilien zu welcher Blutabnahme/Infusionen notwendig sind und wie ein EKG angelegt wird.
Ganz besonderen Wert sollten alle (!) Praxen auf die Einhaltung der Hygienevorschriften legen. Auch dieser Bereich ist immer wieder ein Schwerpunkt in den Abschlussprüfungen.
Bei den diesjährigen Prüfungen sind uns Prüfern genau diese Schwachstellen besonders aufgefallen. Einige Prüflinge standen bei fachfremden Aufgaben sehr ratlos vor dem Prüfungsausschuss und konnten ihren Notendurchschnitt durch solche Defizite nicht halten, obwohl sie im theoretischen Bereich (sehr) gute Leistungen gebracht haben.
Merke!
Es ist wichtig, dass Ausbilder bzw. Mentoren sich darum kümmern, dass die Auszubildende während der Ausbildung auch einmal in einer befreundeten Praxis hospitiert. Denn praktische Ausbildung lehrt mehr als nur die Theorie in der Berufsschule! |
Mit QM die Ausbildung strukturieren
Ein gut funktionierendes Qualitätsmanagementsystem (QMS) trägt dazu bei, dass keine Inhalte, die in der Ausbildungsordnung und im Rahmenlehrplan gefordert sind, vergessen werden. Zudem gibt das QMS der beauftragten Mitarbeiterin Sicherheit, ihre Aufgabe kompetent zu erfüllen.
Eine Verfahrens-Prozessbeschreibung sowie Arbeitsanweisungen und Checklisten zum Thema Ausbildung sind hervorragend geeignet, der Ausbildung die nötige Struktur zu geben. Am besten legt man für jedes einzelne Ausbildungsjahr eine Checkliste an, aus der hervorgeht, was die Auszubildende bis wann können sollte. Einige Beispiele:
- Welche Arbeiten sollten bis wann selbstständig ausgeführt werden können?
- Arbeits- und Praxishygiene vermittelt und überprüft
- Verwaltungsarbeiten, Abrechnung
- Datenschutz und Datensicherheit
- Untersuchungen und chirurgische Eingriffe selbstständig vorbereiten
- Welche Tätigkeiten müssen bereits bis zur Zwischenprüfung vermittelt werden?
Fazit
Jeder Ausbilder sollte sich im Klaren darüber sein, dass eine Azubi nicht einfach nur eine preiswerte Arbeitskraft ist, die drei Jahre überwiegend Arbeiten verrichtet, die sonst niemand im Team machen möchte. Wer so denkt, schafft keine gut ausgebildete Mitarbeiterin, die in der Lage ist, ein Praxisteam kompetent zu ergänzen, sondern bestenfalls eine Hilfskraft für Hilfsarbeiten.
Jeder im Team sollte seine Pflicht gegenüber den Auszubildenden sehr ernst nehmen. Denn nur so schaffen Sie es, auch zukünftig gut ausgebildetes Personal in den Arztpraxen vorzufinden, das den heute geforderten hohen Ansprüchen im Gesundheitswesen und der Berufswelt gerecht werden kann.
Geben Sie Ihren Auszubildenden und zukünftigen jungen Kolleginnen die Chance, sich mit einem guten Abschluss besser und leichter weiterbilden und qualifizieren zu können. Denn nur so werden sie eine Chance haben, auf dem harten Arbeitsmarkt zu bestehen und ihr Einkommen zu steigern. Dies führt am Ende auch zu mehr Lebensqualität und zu zufriedenen Mitarbeiterinnen in der Praxis!
Weiterführende Hinweise
- Die Auszubildende - ein wichtiger Teil des Teams und Repräsentantin der Praxis („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 10/2009, S. 19)
- Die neue praktische Abschlussprüfung („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 9/2009, S. 17)
- Wie Sie Ihre Auszubildenden im Team unterstützen können („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 10/2008, S. 6)