28.07.2008 | Ausbildung
Die Auszubildende im Prüfungsstress – ein Erfahrungsbericht
Zu jeder Ausbildung gehört eine Abschlussprüfung. Wie man diese Prüfung erlebt, ist sicher von Mensch zu Mensch verschieden. Ich möchte Ihnen heute schildern, welche Erfahrungen ich als Mitglied des Prüfungsausschusses gemacht habe. Zum einen, um Ihnen als Auszubildende ein wenig die Angst zu nehmen, und zum anderen, um Ihnen als Ausbilderin hilfreiche Tipps zu geben, wie Sie Ihre Auszubildende unterstützen können.
Die Ausbildung ist anspruchsvoller geworden
Dass die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten anspruchsvoller geworden ist, ist mittlerweile bekannt. Der gesamte Ausbildungsrahmenplan und die Ausbildungsordnung wurden neu festgelegt. Auch die Berufskollege haben für den Berufsschulunterricht einen neuen Rahmenlehrplan bekommen. Der berufsbezogene Unterricht wird in sogenannte Lernfelder unterteilt. Bisher übliche Fächer wie Laborkunde, Fachrechnen und Anatomie gehen völlig in den neuen Lernfeldern auf. Fächer wurden durch die berufsfachliche, die berufspraktische und die Projektkompetenz ersetzt. Was heißt das nun für die praktische und die mündliche Prüfung?
Die Prüflinge müssen sich auf eine sehr viel längere praktische und mündliche Prüfung einrichten. Des Weiteren wird die Gewichtung der praktischen Prüfung wesentlich höher sein als bisher. Der Respekt vor der Prüfung wird bei diesen Aussichten sicher nicht kleiner werden. Damit aus dem Respekt keine Angst wird, sollten Sie die nachfolgenden Tipps beherzigen, die Ihnen hoffentlich ein wenig Mut machen.
Planen Sie Ihre Vorbereitung rechtzeitig
Mir fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die einzelnen Auszubildenden in der Prüfung auftreten. Jede einzelne versucht, ihr Bestes zu geben. Jedoch sind viele einfach zu schlecht vorbereitet auf das, was da kommt.
Wer die Ausbildungsjahre genutzt hat, um den Lernstoff zu verinnerlichen und wer in der Berufsschule dem Unterricht regelmäßig aufmerksam gefolgt ist, braucht sicher keine Angst vor der Prüfung zu haben. Allerdings gibt es einige Bereiche, die während der Ausbildung leicht vernachlässigt werden. Hier sollten Sie einhaken und die Lücken füllen, die Ihnen auffallen. Die neu erworbene Kompetenz bringt Sie fachlich weiter:
- Da in den unterschiedlichsten Fachrichtungen ausgebildet wird, kann es passieren, dass Sie mit der einen oder anderen praktischen Übung vor der Prüfung nicht automatisch in Berührung kommen. Sprechen Sie mit Ihrem/-er Ausbilder(in) darüber, ob Sie wenigstens ein bis zwei Wochen in einer Praxis mit einer anderen Fachrichtung als Ihrer Ausbildungspraxis hospitieren dürfen.
- Machen Sie möglichst viel selbst. Alle Abläufe, die Sie eigenhändig durchführen, können leichter erklärt werden und bleiben Ihnen besser im Gedächtnis. So gewinnen Sie an Sicherheit und bleiben in der Prüfung gelassen.
- Hilfreich ist es sicher auch, wenn Sie an einem Kommunikationsseminar teilnehmen. Dies fördert das freie Sprechen vor anderen und auch das Selbstbewusstsein.
- Simulieren Sie die Prüfungssituation in einem Rollenspiel. Dies kann in der Berufsschule oder in der Praxis passieren und wird dazu beitragen, dass Sie sich besser auf die Prüfungssituationen einstellen können. Sprechen Sie doch einfach einmal Ihre Kolleginnen an, sie helfen Ihnen bestimmt gern.
Fazit
Kein Mitglied des Prüfungsausschusses lässt eine Auszubildende absichtlich durchfallen oder stellt ihr besonders schwierige Aufgaben. Es fällt allerdings auf, dass einige Auszubildende meinen, nur bemitleidenswert dreinschauen zu müssen und schon hätten sie die Abschlussprüfung bestanden. Dem ist jedoch nicht so!
Dem Prüfungsausschuss ist klar, dass ein gewisses Maß an Kenntnissen erfüllt sein muss, um Sie in die Arbeitswelt und auf die Patienten loslassen zu können. Jede Auszubildende sollte sich daher darüber bewusst sein, dass sie ohne zu lernen die Prüfung nicht bestehen wird und keine qualifizierte Medizinische Fachangestellte sein kann. Wer diesen Ehrgeiz nicht aufbringt, sollte sich früh genug darüber Gedanken machen, ob er den richtigen Beruf gewählt hat.
Denken Sie immer daran: Jedes Mitglied im Prüfungsausschuss hat in seinem Leben selbst schon einmal vor diesem Ausschuss gestanden und wird niemandem den Kopf abreißen – geschenkt bekommen Sie allerdings nichts. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Prüfung!