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02.12.2010 | Ausbildung

Der Praxis-Knigge für Auszubildende - gute Umgangsformen lohnen sich!

von Dipl.- Kffr. Barbara Schaefer, Nürnberg

Schon vom ersten Arbeitstag an prägen die Auszubildenden das Bild der Praxis bei den Patienten - auch wenn sie noch wenig direkte Kontakte haben und fachlich noch lange nicht „fit“ sind. „Praxisteam professionell“ zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Auszubildenden dafür sensibilisieren, dass sie nicht mehr „nur“ Schüler, sondern auch Repräsentanten der Praxis sind.  

Nur durch souveränes Auftreten schafft man Vertrauen!

Ob die Auszubildenden mögen oder nicht: Sie repräsentieren die Praxis vom ersten Tag an. Die interessierte Umwelt, Familie, Freunde, Nachbarn und der Sportverein fragen nach: Wie gefällt es dir denn in der Praxis? Wohlmeinende Patienten sprechen die neue Mitarbeiterin an: Sind Sie neu hier? Was haben Sie denn vorher gemacht? Warum haben Sie denn ausgerechnet diesen Beruf und diese Praxis gewählt? Jede dieser Fragen ist geeignet, dem positiven - oder negativen - Image der Praxis ein Puzzle-Teilchen hinzuzufügen. Dafür müssen Auszubildende sensibilisiert werden: Fortan sind sie eben nicht mehr Schüler, sondern echte Vertreter eines seriösen und anspruchsvollen Berufsstandes.  

 

Aus eigener Erfahrung wissen wir: Die ersten Sekunden eines Kontaktes entscheiden häufig über Sympathie oder Antipathie. Auszubildende der Praxis sind möglicherweise die erste Anlaufstelle für Patienten - sei es am Telefon oder am Empfang. „Automatisch“ vermitteln sie den Patienten einen ersten Eindruck. Und dafür gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Die neuen Mitarbeiter können viel tun, um diesen ersten Eindruck aktiv positiv zu gestalten. Doch dazu müssen sie angeleitet und ausgebildet werden  

In welcher Weise können Auszubildende begleitet werden?

Auszubildende können sich recht schnell ins Praxisgeschehen einfügen, wenn ihnen klar, verbindlich und freundlich gesagt wird, welche Erwartungen an sie bestehen. Der fachliche Weg ist meist recht gut beschrieben und orientiert sich häufig am Stoff der Berufsschule. Viel weniger klar ist den jungen Menschen erfahrungsgemäß, was darüber hinaus von ihnen erwartet wird.  

 

Klären Sie deshalb im Team folgende Fragen: Wer kann den neuen Auszubildenden ansteckende Begeisterung vermitteln? Oder noch wichtiger: Wer sorgt dafür, dass die anfängliche Begeisterung für den Ausbildungsberuf und -platz nicht schon im Keim erstickt wird?  

Denn: „Nur wer seine Praxis liebt, kann sie auch bei Patienten beliebt machen“ - echte Begeisterung für den Job wirkt ansteckend. Sensibilisieren Sie die zukünftigen MFA für die wichtigsten Punkte der Patientenbetreuung und gehen Sie gemeinsam die folgende Service-Kette durch.  

 

Punkte rund um die Service-Kette Patientenbetreuung

  • Wie stellt man sich vor, wie begrüßt man andere, wie kommt man mit ihnen ins Gespräch?
  • Wie empfange ich Patienten angemessen und professionell? Muss ich Garderobe abnehmen? Helfe ich aus und in den Mantel?
  • Wie sieht eine selbstbewusste Haltung aus? Was macht man mit den Händen? Welche Bedeutung haben Blickkontakt und Mimik?
  • Welche Kleidung „passt“, was ist angemessen und „anständig“, was bleibt am besten zu Hause und der Freizeit vorbehalten? Was ist eine „gepflegte Erscheinung von Kopf bis Fuß“ am Arbeitsplatz Praxis?
  • Wie finde ich Namen von Patienten heraus, wie merke ich sie mir, wie stelle ich sicher, dass sie immer korrekt angesprochen und geschrieben werden?
  • Wie bin ich gut und überzeugend am Telefon? Was macht eine selbstbewusst klingende Sprache aus? Welche Rolle spielen Artikulation, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit, …?
  • Wie formuliere ich positiv, dass ich etwas nicht weiß, dass jemand nicht da ist, dass ich leider nicht zuständig bin und sowieso nichts versprechen kann?
  • Woran erkennen Patienten Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, gute Umgangsformen?
  • Welche Gesprächsregeln muss ich kennen?
  • Welche Beiträge zu Ordnung und Sauberkeit in der Praxis werden von mir erwartet?
  • Wie begegne ich meinen Kolleginnen und Kollegen? Wie ist das mit dem SIE und DU?
  • Wie gehe ich mit vermeintlich schwierigen Patienten um?
  • Wie kann ich nach und nach Hemmungen und Blockaden abbauen und meine Schüchternheit überwinden?

Die Liste könnte beliebig fortgesetzt und in jedem Punkt erweitert werden. Wer zu jedem Thema eine Antwort bereit hält - je konkreter desto besser -, der kann auch seine Erwartungen klar formulieren. Er kann entsprechendes Verhalten einfordern, fördern und ermahnen, wenn es nicht oder zu wenig klappt. Wer hingegen nichts vorgibt, der muss sich auch nicht wundern, wenn nichts eingehalten wird.  

Fazit

Als Adolph Freiherr von Knigge (1752 bis 1796) vor ungefähr 220 Jahren sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“ veröffentlichte, da hatte er weniger ein „Benimmbuch“ im Sinn als eine Aufklärungsschrift für Taktgefühl, Höflichkeit und wertschätzenden Umgang mit anderen Menschen, die einem Enttäuschungen ersparen sollte. Knigge steht heute als Synonym für gutes Benehmen. Was das ist, das lernen junge Menschen hoffentlich in ihrer Familie und in der Schule, bezogen auf den Beruf aber vor allem bei ihrem ersten Arbeitgeber. Er trägt die Verantwortung - nicht nur für die fachliche Ausbildung sondern auch für die Entwicklung der sogenannten „weichen Faktoren“ des Miteinanders in der Arbeitswelt. Geduld und Wertschätzung und klare Ansagen scheinen Schlüsselfaktoren zu sein für alle, die junge Menschen auf diesem Weg begleiten möchten.  

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2010 | Seite 6 | ID 140531