29.10.2008 | Ausbildung
Auszubildende sollten darauf achten, was über sie im Internet zu finden ist
von Sebastian Knoppik, freier Journalist, Groß Escherde
Wenn Sie nach der Ausbildung nicht in Ihrer Ausbildungspraxis übernommen werden können, müssen Sie auf Stellensuche gehen und Bewerbungen schreiben. Damit Sie ein gutes Bild auf dem Arbeitsmarkt abgeben, sollten Sie heutzutage auch darauf achten, dass keine für Sie unvorteilhaften Inhalte im Internet zu finden sind: Fotos, Blog-Einträge, ganze Websites usw.
Personalberater suchen gezielt
Es ist inzwischen üblich geworden, dass sich Arbeitgeber vorab im Internet über ihre Bewerber informieren. Oder sie lassen sich von professionellen Personalberatern informieren, die sich auf die Auswahl von geeigneten Bewerbern für offene Stellen spezialisiert haben. Knapp ein Drittel dieser Berater nutzt inzwischen Google & Co. für die Recherche über Kandidaten. Das hat eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Zusammenarbeit mit dem Magazin „Wirtschaftswoche“ ergeben. Dabei prüfen die Experten etwa, ob Bewerber wirklich in den Praxen gearbeitet haben, die sie im Lebenslauf angegeben haben – da heute die meisten Praxen eine eigene Website haben, stellt dies kein Problem dar.
Vorsicht bei Einträgen in Online-Communities
Aber auch Online-Communities wie StudiVZ, Facebook oder my
Space sind für den potenziellen Chef ein offenes Buch. Dabei müssen es gar nicht unbedingt peinliche Privatfotos sein, die die Chancen auf den Traumjob schwinden lassen.
Einträge in Foren, auf Blogs oder anderen Webseiten verraten manchmal viel interessantere Dinge über einen Kandidaten als die Bewerbungsmappe. Man muss die Informationen noch nicht einmal selbst ins Netz gestellt haben. Ob jemand im Ortsvorstand der Linken
aktiv ist, seine Freizeit auf dem Snowboard verbringt oder über eine stattliche Sammlung von obszönen Manga-Comics verfügt, lässt sich oft leicht im Internet recherchieren.
Und das kann durchaus schlimme Auswirkungen auf die Jobsuche haben: 26 Prozent der Personalberater gaben an, dass sie Kandidaten bislang schon – wenn auch selten – nach den Internet-Suchergebnissen im weiteren Auswahlprozess nicht mehr berücksichtigt hätten. Knapp jeder zehnte Personalberater sagte, dass die Häufigkeit zunehme.
Beispiel
Auszubildende Simone ist bei einem Urlaub von ihren Freundinnen beim Feiern in einer Disco fotografiert worden. Weil sie etwas viel getrunken hatte, machte sie sich keine Gedanken darüber, was mit den Fotos geschehen könnte. Einige Monate später, während eines Vorstellungsgespräches in einer radiologischen Praxis, holt der Praxisinhaber plötzlich das peinliche Bild aus der Disco aus seinen Unterlagen und fragt Simone, ob sie regelmäßig Alkohol trinke. „Natürlich nicht“, antwortet sie schnell. Und als der Mann sich bereits Simones einwandfreien Zeugnissen widmet, grübelt die junge Frau immer noch, wie der Arzt an die peinlichen Fotos aus der Disco gekommen ist. Zu Hause findet sie nach ein paar Klicks im Internet die Lösung: Jemand hat das alte Party-Bild im SchülerVZ veröffentlicht und gleich auch mit ihrem Namen verknüpft. Und der Praxischef hat wohl im Internet nach Simones Namen gesucht. |
Überlegen Sie vorher, was weltweit gesehen werden darf
Nicht immer müssen peinliche Fotos oder Interneteinträge dazu führen, dass man einen Job nicht bekommt. Aber möglicherweise verleiten die über den Kandidaten gewonnenen Erkenntnisse den Chef dazu, während des Vorstellungsgesprächs Fragen zu stellen, die er sonst niemals gestellt hätte. „Jeder sollte sich insbesondere gut überlegen, ob persönliche Ansichten oder alle Informationen zur Person immer ins Netz gehören“, sagt daher der Personalberater und Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), Joachim Staude.
Recherchieren Sie selbst einmal über Google, was alles im Internet über Sie zu finden ist. Und sorgen Sie im Zweifelsfall dafür, dass verfängliche Inhalte schnell wieder aus dem Internet verschwinden. Zumindest Intimes wie die Bikini-Fotos aus dem letzten Urlaub sollten nicht unbedingt im Online-Fotoalbum der ganzen Welt zur Verfügung stehen. Für die Freunde sollte man daher lieber eine CD brennen. Auch junge Frauen, die sich in einem Internet-Forum unter ihrem echten Namen über ihre Familienplanung auslassen, könnten ihre Aussichten auf einen festen Job dadurch deutlich schmälern.