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29.09.2010 | Aktuelle Studie

QM stärkt die Patientensicherheit

von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin, Hamburg

Die Einführungsphase für Qualitätsmanagement (QM) ist abgelaufen. Seit Anfang des Jahres müssen alle Arztpraxen ein QM-System (QMS) implementiert haben. Die von der GGMA (Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse) im Auftrag der Stiftung Gesundheit durchgeführte Studie „Qualitätsmanagement und Patientensicherheit in der ärztlichen Praxis 2010“ hat nun ergeben, dass die Niedergelassenen QM überwiegend positiv beurteilen.  

QM-Effekt bei Sicherheitsmanagement am größten

Knapp die Hälfte (46 Prozent) aller niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten nehmen einen positiven Effekt auf die Patientensicherheit wahr, nachdem in ihrer Praxis ein QM-System eingeführt wurde. 17 Prozent meinen allerdings, dass QM die Arbeitsabläufe verkompliziere. Rund ein Drittel (36 Prozent) gibt an, dass QM keinen Einfluss habe. Aufgeschlüsselt auf einzelne Prozesse, sehen Ärzte  

 

  • beim Sicherheitsmanagement den stärksten Effekt von QM, also bei der Hygiene, dem Notfallplan und dem Fehlermanagement. Genau die Hälfte erkennt hier eine Verbesserung bzw. sogar eine deutliche Verbesserung. Nur fünf Prozent stellen eine (deutliche) Verschlechterung fest.

 

  • In Bezug auf die interne Dokumentation ist das Bild ebenfalls positiv: 44 Prozent der Befragten meinen, dass QM hier fördernd wirke, nur acht Prozent erkennen negative Effekte. Gemäß der Studie verbessert QM auch den Workflow innerhalb der Praxis. 45 Prozent sehen hier positive Auswirkungen, sieben Prozent negative.

 

  • Bei den patientenbezogenen Prozessen (Anmeldung, Anamnese, Therapieplanung) fällt das Urteil verhaltener aus. Dennoch stimmen 37 Prozent positiv, nur sieben Prozent negativ.

 

  • Den geringsten Effekt hat QM nach Meinung der Ärzte bei den externen Prozessen wie Einkauf und Materialwirtschaft. Knapp ein Drittel (30 Prozent) sieht hier Verbesserungen, sechs Prozent machen eine Verschlechterung aus.

Je weiter der QM-Prozess, desto besser die Beurteilung

Ist QM in einer Praxis noch in der Einführung, erkennen knapp 40 Prozent der Befragten einen positiven Einfluss auf die Arbeitsprozesse, sechs Prozent eine Verschlechterung. Ist das QMS schon implementiert, steigt die Zahl der Befürworter auf 45 Prozent; bei zertifizierten Praxen sogar auf rund 57 Prozent.  

Ärzte erkennen: QM ist Teamarbeit

In der Studie wurde auch gefragt, welche Maßnahmen Praxen einsetzen, um Fehler zu vermeiden (Mehrfachnennungen möglich):  

 

Maßnahmen, um Fehler zu vermeiden

  • 49 Prozent: Teamgespräche
  • 47 Prozent: Protokolle für bestimmte Gespräche
  • 46 Prozent: Spezielle Weiterbildung
  • 42 Prozent: Informationsbroschüre
  • 25 Prozent: Mechanismus, um Patienten zu kontaktieren
  • 23 Prozent: zweifache Kontrolle wichtiger Dokumente
  • 20 Prozent: Aufklärung der Patienten
  • 17 Prozent: Sicherheitsinitiativen
  • 15 Prozent: keine Maßnahmen

Auf dem ersten Platz finden sich die Teamgespräche. Das zeigt, dass QM nicht als alleinige Chefsache angesehen wird, sondern als Teamaufgabe. Nur wenn alle Beteiligten eingebunden sind, kann QM Prozesse unterstützen. Die Tatsache, dass auch kostenintensive Maßnahmen wie Weiterbildungen und Patientenbroschüren häufig genannt werden, zeigt: Sicherheit nimmt einen hohen Stellenwert ein, allerdings nicht in allen Praxen: 15 Prozent gaben an, überhaupt keine Maßnahmen zur Fehlervermeidung einzusetzen.  

Behandlungsfehlervorwürfe sind selten, kommen aber vor

Teil der Studie war außerdem, wie oft Patienten ihren Ärzten Fehler vorwerfen. Knapp zwei Drittel (62 Prozent) gaben an, dass dies so gut wie nie vorkommt. 29 Prozent meinten „einmal im Jahr“. Häufiger kommt dies nur bei insgesamt jedem zehnten Arzt vor, nämlich bei neun Prozent einmal im halben Jahr und bei einem Prozent circa einmal im Monat. Die Frage bezog sich allerdings sowohl auf gerechtfertigte als auch auf ungerechtfertigte Vorwürfe.  

 

Ein solcher Vorwurf findet in der Regel in einem direkten Gespräch zwischen Arzt und Patient statt, bei 38 Prozent in einem sachlichen, bei 35 Prozent in einem emotionalen Gespräch. Nur jeder fünfte Patient geht direkt zu einem Anwalt, ohne vorher selbst mit dem Arzt zu reden. Immerhin findet bei 81 Prozent der Fälle ein direktes Gespräch statt, nur bei acht Prozent wird nach einem Gespräch noch ein Anwalt eingeschaltet. Ein direktes Gespräch ist folglich eine gute Möglichkeit, die Wogen zu glätten und weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden.  

 

Beachten Sie: Unter www.stiftung-gesundheit.de finden Sie die gesamte Studie (Rubrik „Forschung“).  

Quelle: Ausgabe 10 / 2010 | Seite 11 | ID 138857