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·Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

50 Jahre Entgeltfortzahlung: Heute steigen die Ausgaben für Arbeitgeber stetig an

Bild: © blende11.photo - stock.adobe.com

von Jörg Thole, Chefredakteur, IWW Institut

| Es war die erste große Koalition unter Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (CDU) und Vizekanzler Willy Brand (SPD), die im Jahr 1969 die heute noch gültige sechswöchige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall beschlossen hatte. Heute, 50 Jahre später, zahlen Arbeitgeber etwa 44,4 Mrd. Euro (ohne SV-Beiträge) für die krankheitsbedingte Abwesenheit von Mitarbeitern. 2006 lag der Wert noch bei 20 Mrd. Euro. Doch das liegt nicht nur an gestiegenen Krankenständen. |

Funktioniert die Gesundheitsprävention?

Ein Blick in den „Unfallverhütungsbericht Arbeit“, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) jährlich erstellt, zeigt, dass seit 2006 der Aufwand für die Entgeltfortzahlung stetig gestiegen ist.

 

 

 

  • Volkswirtschaftliche Folgen (Statistik)

Arbeitsunfähigkeit pro Arbeitnehmer

16,7 Tage / Jahr

Arbeitsunfähigkeit in ganz Deutschland

668,6 Mio. Tage / Jahr (= 1,8 Mio. ausgefallene Erwerbsjahre)

Volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle

76 Mrd. Euro

Ausfall an Bruttowertschöpfung

136 Mrd. Euro

Quelle: BAUA-Unfallverhütungsbericht Arbeit 2017

 

 

Diese Entwicklung wird zum Großteil dem steigenden Krankenstand zugeschrieben. Doch auch Gehaltserhöhungen sowie die günstige Beschäftigungsentwicklung treiben die Kosten. Das IW Institut der Deutschen Wirtschaft berichtet:

 

  • Unter ansonsten unveränderten Bedingungen führten steigende Entgelte zu entsprechend höheren Entgeltfortzahlungen.
  • Auch die günstige Arbeitsmarktentwicklung sorge für steigende Aufwendungen der Entgeltfortzahlung, weil eine wachsende Beschäftigung die Summe der Ausfalltage auch dann erhöht, wenn das durchschnittliche Erkrankungsrisiko unverändert bleibt.

 

Unter der Annahme, dass mithilfe erfolgreicher Prävention der Wert von 2006 wieder erreichbar wäre, läge das Einsparpotenzial bei 14 Mrd. Euro. Doch das scheint nicht realisierbar zu sein, trotz Präventionsbemühungen. Das IW schreibt im Kurzbericht 12/2017: „Das klingt nach einer erklecklichen Summe. Allerdings fehlt noch die Gegenrechnung, also der Umfang und der Aufwand, mit dem dieses Einsparpotenzial realisiert werden kann.“ Das heißt: Die arbeitgeberseitigen Kosten für Prävention müssten von den 14 Mrd. Euro abgezogen werden.

 

Mit dem 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetz soll verstärkt die Gesundheitsförderung u. a. am Arbeitsplatz gestärkt und Krankheiten vermieden werden, bevor sie entstehen. Auch Kampagnen von Krankenkassen und Verbänden sollen das unterstützen. Eine Bilanzierung von Aufwand und Nutzen bleibt indes fraglich. Lesen Sie mehr dazu in CE Chef easy – z.B. zur Gesundheitsförderung ... mit Checkliste für Arbeitgeber.

 

 

Historischer Abriss: 50 Jahre Lohnfortzahlung

  • 1956: IG Metall streikt, will Lohnfortzahlung tarifvertraglich erzwingen.
  • 1957: Gesetz zur Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherung im Krankheitsfall: Zwar keine Lohnfortzahlung aber Zuschuss zum Krankengeld.
  • 1961: Änderung und Ergänzung des Gesetzes: Arbeiter haben Anspruch auf Lohnfortzahlung; Angestellte noch nicht.
  • 1969: Erstmals für alle: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für sechs Wochen – in diesen Gesetzen verankert:
    • Gesetz über die Fortzahlung des Arbeitsentgelts im Krankheitsfalle und über Änderungen des Rechts der gesetzlichen Krankenversicherung
    • Erstes Arbeitsrechtsbereinigungsgesetz
    • Berufsbildungsgesetz (BBiG)

 

Die Gesetzeslage blieb bis heute nahezu unverändert. Einige kleine Änderungen waren entweder nicht mehrheitsfähig oder wurden eingeführt und später wieder abgeschafft. 2012 gab es die letzte Kleinänderung: § 3a EFZG sieht nun den Fortzahlungsanspruch auch bei Organspende vor.

 

 

Quelle: ID 45970349