Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo

·Mittelstand

Liquidität noch stabil, aber: Anhaltende Krise lässt Glauben an das Vorkrisenniveau schwinden

Bild:copyright by Oliver Boehmer - bluedesign® - stock.adobe.de

| Der Mittelstand ächtzt unter den Folgen der Corona-Krise: 2,6 Mio. mittelständische Unternehmen sind aktuell betroffen. Hoffnungsschimmer sind die noch stabile Eigenkapitalquote und die Liquiditätslage. Dennoch rechnen die Unternehmen des Mittelstands mit einem langem Anhalten der Krisenfolgen. Der Aufschwung könnte damit deutlich gebremst werden. Noch wird ein „Vorkrisenniveau“ für Jahresende prognostiziert. Doch parallel dazu steigt die Zahl der Unternehmen, die sich eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau überhaupt nicht mehr vorstellen können Das ergab eine Analyse der KfW-Reseach. |

68 Prozent der Unternehmen leidet unter zweitem Lockdown

Der seit Mitte Dezember 2020 laufende harte Lockdown hinterlässt Spuren im Mittelstand und bei selbständigen Unternehmern. Rund 2,6 Mio. Unternehmen (68 Prozent) sind betroffen. Das ergab eine repräsentative Befragung von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels von Ende Januar 2021 zeigt. Die Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen treffen damit im Januar etwa 220.000 Unternehmen mehr als bei der letzten Befragung im September 2020, aber weniger als im ersten Lockdown vom April 2020 (450.000). Zu diesem Zeitpunkt waren 80 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen von der Corona-Krise betroffen.

Betroffenheit nimmt aber tendenziell ab

Aktuell melden fast alle Wirtschaftsbereiche deutlich niedrigere Betroffenheit als im vergangenen Frühjahr, neben dem Verarbeitenden Gewerbe (71 Prozent ggü. 84 Prozent) und dem Bau (55 Prozent ggü. 75 Prozent) bemerkenswerterweise auch die Dienstleistungsunternehmen (67 Prozent ggü. 80 Prozent). Lediglich im Groß- und Einzelhandel tätige mittelständische Firmen spüren ähnlich starke Auswirkungen wie im ersten Lockdown (83 Prozent ggü. 84 Prozent).

 

Bild:KfW

Geschäftsmodelle wurden an die Krise angepasst

Viele Unternehmen haben aus dem Vorjahr gelernt und mit Kreativität und Flexibilität Anpassungen bei ihren Geschäftsmodellen vorgenommen. Dieser (notgedrungene) Ideenreichtum zahlt sich jetzt aus. Zwar machen aus Nachfragerückgängen resultierende Umsatzeinbußen unter allen möglichen Lockdown-Folgen den Unternehmen nach wie vor am häufigsten zu schaffen. Der Anteil davon betroffener Unternehmen ist allerdings merklich gesunken und liegt nun bei 45 Prozent (April 2020: 58 Prozent). Parallel dazu sind auch Liquiditätsschwierigkeiten aktuell für einen geringeren Anteil der Mittelständler (33 Prozent) ein Problem als im Frühjahr vergangenen Jahres (44 Prozent). Dabei gibt jedes dritte mittelständische Unternehmen an, über liquide Mittel zu verfügen, mit denen es noch maximal zwei Monate überstehen würde (April 51 Prozent). Sollte sich an der aktuellen Lage nichts ändern, verfügen weitere 35 Prozent der Mittelständler derzeit noch über ausreichend Liquidität für zwei bis zwölf Monate, bis die Geschäftstätigkeit eingestellt werden müsste ‒ ein noch komfortables Polster. 29 Prozent melden sogar grundsätzlich ausreichende Reserven (19 Prozent).

Liquidität bei den Unternehmen noch vorhanden

„Während der harte Lockdown den Mittelstand im Frühjahr 2020 kalt erwischte, gingen die Unternehmen besser vorbereitet in den Dezember-Lockdown“, resümiert Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Viele haben aus den Erfahrungen des Vorjahrs gelernt und neben Geschäftsmodellen offensichtlich auch Kostenstrukturen angepasst. Zudem dürfte die wirtschaftliche Erholung im Sommer und Herbst geholfen haben, Liquiditätsreserven wieder aufzufüllen. Nicht zuletzt tragen auch die zahlreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen dazu bei, im aktuellen Lockdown die Liquidität der Unternehmen zu stützen.“

Eigenkapitalausstattung hat sich verschlechtert

Der aktuelle Lockdown hat anscheinend bis zum jetzigen Zeitpunkt auch die Kapitalstruktur der Unternehmen noch nicht weiter belastet. Die Einschätzungen zur Eigenkapitalausstattung haben sich im Vergleich zum Herbst nicht weiter verschlechtert. Aktuell rechnet etwa ein Drittel der KMU damit, dass seine Eigenkapitalquote unter dem Vorkrisen-Niveau liegt. Da die Eigenmittelausstattung der Mittelständler vor der Krise im Durchschnitt äußerst solide war, bleibt die Gefahr einer Überschuldung in der Breite des Mittelstands daher überschaubar.

Erreichen des Vorkrisenniveaus wird zunehmend schwieriger

Ein Großteil der Unternehmen (47 Prozent) geht nach der aktuellen KfW-Befragung davon aus, dass die Folgen der Krise sie noch für lange Zeit begleiten werden. Im Durchschnitt erwarten diese Unternehmen eine Rückkehr ihrer Geschäftstätigkeit zum Vorkrisenniveau in rund 10,3 Monaten - vorausgesetzt, die weitere Pandemiebekämpfung verläuft erfolgreich. Dies entspräche ungefähr November 2021. 17 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen allerdings erwarten, dass sie das Vorkrisenniveau nie mehr erreichen. Gegenüber Juni 2020 (hier wurde diese Einschätzung erstmals erhoben) ist dies ein deutlicher Anstieg um 8 Prozentpunkte. Zum Gesamtbild gehört zudem, dass fast ein Drittel aller kleinen und mittleren Firmen in Deutschland bislang nicht durch die Folgen der Corona-Krise betroffen ist (29 Prozent).

Innovationskraft leidet, Wettbewerbsfähigkeit nimmt ab

„Positiv stimmt mich, dass unsere aktuelle Befragung ein fast überraschend stabiles Bild der Lage im Mittelstand zeichnet. Das spricht für die Anpassungsfähigkeit und den Ideenreichtum von Unternehmen in Deutschland. Es zeigt sich jedoch auch: Die zunehmende Dauer der Einschnitte infolge der Corona-Krise führt bei einer steigenden Zahl von Unternehmen zu Unsicherheit hinsichtlich der Weiterführung ihrer Geschäftstätigkeit“, so Köhler-Geib. „Das dürfte die ohnehin bereits länger andauernde Investitionszurückhaltung der Unternehmen weiter verstärken und zu Lasten von Innovationskraft und zukünftiger Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmenslandschaft gehen.“

 

  • Datengrundlage

Die Sonderbefragung des KfW-Mittelstandspanels umfasst 2.800 Antworten mittelständischer Unternehmen, die von der die GfK zwischen 12. und 22.01.2021 befragt wurden. Die Anbindung an den Grunddatensatz des KfW-Mittelstandspanels ergeben ein repräsentatives Abbild der aktuel len Corona-Betroffenheit.

 

 

(JT)

Quellen | Kfw PM vom 08.02.2021

www.kfw.de/fokus

Quelle: ID 47118689