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·AOK Fehlzeitenreport

Homeoffice: Starke psychische Belastungen bei gefühlt hoher Arbeitszufriedenheit

Mobiles Arbeiten - hier in der Bahn: Flexibilität ist gewünscht, der Psychostress eher nicht.
Bild:Jochen Tack | AOK-BV-Pressefoto

| Spät aufstehen, Kaffee trinken und ein paar Mails checken ‒ so einfach ist das mit dem Homeoffice nicht. Das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat die Berufsform unter die Lupe genommen. Demnach arbeiten bereits 20 Prozent der Beschäftigten häufig von zu Hause aus. Zwar werde mit Homeoffice die selbstständige Planung gefördert. Gleichzeitig steige aber auch die psychische Belastung, heißt es im Fehlzeitenreport 2019. Das WIdO hat dazu 2.000 Beschäftigte zwischen 16 und 65 Jahren befragt. |

Licht und Schatten von Home-Office

Mit diesen Begriffen wird Homeoffice positiv assoziiert:

  • Selbstständig planen / Flexibilität
  • Hohe Entscheidungsfreiheit
  • Mitspracherechte

 

Gleichzeitig erleiden diese Beschäftigten höhere psychische Belastungen als Menschen, die nur an ihrem Arbeitsplatz tätig sind:

  • Erschöpfung
  • Konzentrationsprobleme
  • Schlafstörungen

 

Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports, sagt: „Wichtig ist, die Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich zu gestalten.“

Autonomie schafft Arbeitszufriedenheit

Viele Befragten berichten von einer höheren Arbeitszufriedenheit und den Vorteilen flexibler Arbeit. Die höhere Autonomie gehört für mehr als zwei Drittel (67,3 Prozent) dazu, dass sie zu Hause mehr Arbeit bewältigen können und drei Viertel (73,7 Prozent) schätzen daran, dass sie konzentrierter arbeiten können als am Arbeitsplatz. Darüber hinaus beschreibt fast jeder Zweite (45,8 Prozent) mit Homeoffice seinen Arbeitsaufwand außerhalb des Unternehmens als genau richtig.

 

 

  • Fakten: Homeoffice, mehr Wunsch als Wirklichkeit
  • 80 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden werden noch immer im Unternehmen erbracht
  • 56,4 Prozent der Beschäftigten arbeiten durchweg im Unternehmen.
  • 40 Prozent arbeiten auch außerhalb des Unternehmens
    • Arbeiten beim Kunden oder beruflichen Partnern: 7,8 Prozent der Arbeitszeit;
    • Arbeiten zu Hause: 6,7 Prozent der Arbeitszeit.
 

TIPP | Betrachtet man die Angebotsseite, also wieviele Jobs mit Homeoffice von den Arbeitgebern offeriert werden, so fällt die Zahl nach einer Erhebung von Stepstone vergleichsweise gering aus. Fragen Sie sich einmal: Bieten Sie in Stellenanzeigen die Möglichkeit an, auch im Homeoffice zu arbeiten?

 

Lesen Sie dazu den CE-Beitrag:

In den meisten Jobs ist Homeoffice eine Ausnahme

 

Mehr psychische Belastungen, aber weniger Fehltage

Laut der WIdO-Befragung fühlen sich 73,4 Prozent der Befragten, die häufig im Homeoffice arbeiten, in den letzten vier Wochen erschöpft. Bei Beschäftigten, die ausschließlich im Büro tätig sind, waren es nur 66 Prozent. Über Wut und Verärgerung klagten 69,8 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice gegenüber 58,6 Prozent; bei Nervosität und Reizbarkeit waren es im Homeoffice 67,5 Prozent im Vergleich zu 52,7 Prozent. Auch Lustlosigkeit, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen unterscheiden sich deutlich zwischen den beiden Gruppen.

 

Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen

„Im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben stärker. Damit wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen“, gibt Schröder zu bedenken. So verlege jeder Dritte mit Homeoffice häufig Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende (33,9 Prozent).

 

TIPPS | Als Arbeitgeber könnten Sie das gut finden, wenn die Mitarbeiter auch zu Hause viel an den Job denken und stets erreichbar sind: atypische Beschäftigung oder atypische Arbeitszeiten werden stillschweigend geleistet. Doch die erweiterte Erreichbarkeit in der Freizeit oder im Erholungsurlaub führt bei einem Fünftel der Tele-Arbeitenden zu Problemen mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit (18,8 Prozent). Auch beklagen die Telearbeiter Anrufe oder E-Mails des Arbeitgebers außerhalb ihrer Arbeitszeiten (19,5 Prozent). Nutzen Sie diese Präsenz Ihrer Mitarbeiter niemals schamlos aus!

 

Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch mobil arbeitender Beschäftigter mit deren Führungskräften sollte regelhaft angeboten werden.

 

Ein Unternehmen, das sich strukturell auf die Bedarfe von mobilen Beschäftigten einstellt und entsprechende Angebote für seine Mitarbeiter hat, zeigt damit, dass es verstanden hat, wie die Mitarbeiterpflege in der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt aussieht, und kümmert sich um die Leistungsfähigkeit seiner Beschäftigten. Mehr noch: Mit einem entsprechenden Angebot können Unternehmen hochqualifizierte, selbständig arbeitende, zufriedene und gesunde Beschäftigte auch dauerhaft an das Unternehmen binden.

 

Fast ein Fünftel der betroffenen Befragten berichtet über Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit (18,8 Prozent) oder über Anrufe beziehungsweise E-Mails des Arbeitgebers außerhalb ihrer Arbeitszeiten (19,5 Prozent).

 

Schließlich ändert sich das Freizeitverhalten und das Privatleben im Homeoffice: Bei jedem Siebten der Tele-Arbeitenden (13,9 Prozent) mussten in den letzten vier Wochen private Aktivitäten wegen beruflichen Verpflichtungen geändert werden ‒ Beschäftigte, die nur im Betrieb tätig sind, erleben das deutlich seltener (5,9 Prozent).

 

Darüber hinaus gibt mehr als ein Drittel der Homeoffice-Beschäftigten an, dass sie Probleme haben, nach Feierabend abzuschalten (38,3 Prozent). Bei den Beschäftigten, die ausschließlich im Betrieb arbeiten, ist das nur jeder Vierte (24,9 Prozent).

 

Fehlzeiten im Homeoffice niedrig

Trotz der höheren psychischen Belastung haben Beschäftigte im Homeoffice geringere Fehlzeiten (7,7 Tage) als solche, die nur am Unternehmenssitz tätig sind (11,9 Tage). „Im Homeoffice lassen sich die Arbeitszeiten passgenauer einteilen. Unter Umständen arbeiten die Menschen im Krankheitsfall weniger und holen die verlorene Arbeitszeit dann nach,“ erläutert Helmut Schröder.

 

„Es mag auf den ersten Eindruck wie ein Widerspruch klingen, dass sowohl die psychischen Belastungen als auch die Arbeitszufriedenheit im Homeoffice höher sind. Aber ob sich durch die Veränderungen aufgrund der Digitalisierung gesundheitsförderliche oder gesundheitsschädigende Effekte ergeben, ist wesentlich von der konkreten Gestaltung der Arbeit abhängig und von den digitalen Kompetenzen der Menschen“, bekräftigt Antje Ducki, Professorin an der Beuth Hochschule für Technik und Mitherausgeberin des Fehlzeiten-Reports, die Ergebnisse der WIdO-Umfrage. „Da die digitalen Techniken rund um die Uhr zur Verfügung stehen, braucht es beispielsweise mehr Selbstdisziplin des Einzelnen, sie auch mal auszuschalten.“

Qualifizierung und Betriebliches Gesundheitsmanagement

Ducki verweist darauf, dass die Digitalisierung einen massiven Bedarf an Weiterbildung sowie Neu- und Nachqualifizierung auslöst, damit die Fähigkeiten der Beschäftigten den Arbeitsanforderungen gewachsen bleiben.

 

Unternehmen sollten ihre Beschäftigten darüber hinaus durch Angebote des Betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützen, das von Krankenkassen durchgeführt wird. Eines dieser Angebote ist das Onlineprogramm „Gesund führen“ (aok-gesundfuehren.de), bei dem die Teilnehmer in sechs individuell durchführbaren Modulen ihr Führungsverhalten reflektieren, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern, und lernen, sich auch um die eigene Gesundheit zu kümmern.

 

Prognosen in Deutschland gehen davon aus, dass 25 Prozent der Beschäftigten mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial konfrontiert sind. Die Auswirkungen auf die verschiedenen Berufsgruppen werden unterschiedlich ausfallen: Fertigungsberufe wie der Buchdrucker haben ein hohes Automatisierungspotenzial (89 Prozent), der journalistische Beruf ein geringeres (20 Prozent) und soziale Dienstleistungsberufe wie die Erziehung und Betreuung von Kindern können gar nicht von Computern ausgeübt werden (0 Prozent).

 

(JT - mit PM des AOK-BV)

Quelle: ID 46140473