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·BAuA-Studie zur Arbeitszeit in Deutschland

Vollbeschäftigte: 5 Überstunden pro Woche – aber zunehmend flexible Arbeitszeiten

| In Deutschland leisten Vollzeitbeschäftigte wöchentlich oft 5 Überstunden pro Woche – bei einer durchschnittlich vereinbarten Arbeitszeit von 38,6 Stunden. Besonders betroffen: Berufskraftfahrer aber auch die Chefs und Abteilungsleiter. Auffällig: Die Arbeitgeber fordern nicht nur, sie gewähren auch zunehmend Handlungsspielräume für flexible Arbeitszeiten. Das geht aus der heute veröffentlichten Studie „Arbeitszeitbefragung“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hervor. |

Länge der Arbeitszeiten

Die vertraglich geregelten durchschnittlichen Arbeitszeiten haben sich seit 2015 kaum verändert. Sie lagen für Vollzeitbeschäftigte bei 38,6 Stunden und für Teilzeitbeschäftigte bei 22,9 Stunden. Junge Beschäftigte sowie Beschäftigte mit einem niedrigen Bildungsniveau weisen die größte Bandbreite an vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten auf.

 

Überstunden

Überlange Arbeitszeiten sind für viele Beschäftigten ein Thema – besonders betroffen sind die Chefs und Abteilungsleiter selbst. 21 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten durchschnittlich 48 Stunden und mehr in der Woche. Mit durchschnittlich 43,4 Stunden liegt die tatsächlich geleistete Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigten knapp 5 Stunden über der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. Gleichzeitig macht mehr als die Hälfte der Befragten keine, beziehungsweise nur bis zu zwei Überstunden pro Woche.

 

 

Besonders betroffen seien Kraftfahrer sowie Sicherheits-, Schutz- und Überwachungsberufe. Die sehr langen, teils tarifvertraglich verankerten Arbeitszeiten in diesen Berufsgruppen – teilweise von 60 Stunden pro Woche und mehr (tatsächliche Arbeitszeit) – stufen die Studienautoren als „besorgniserregend“ ein. Wenige Überstunden finden sich dagegen bei Reinigungspersonal und erzieherischen Berufen. Auffällig war insgesamt, dass vor allem „Vorgesetzte“ mehr Überstunden als Beschäftigte ohne Vorgesetztenfunktion machen.

 

„Besonders risikobehaftet sind lange Arbeitszeiten, wenn sie mit weiteren arbeitszeitlichen Belastungen, wie z. B. Schicht-, Nacht- oder Wochenendarbeit kumulieren“, so die Autoren.

 

Als Grund für Überstunden gaben knapp 4 von 5 Befragten betriebliche Vorgaben und Gründe an oder berichteten, dass die Arbeit in der vorgesehenen Zeit nicht zu schaffen sei. Persönliche Gründe wurden seltener genannt.

 

 

Zudem hat die Diversität der Arbeitszeiten seit 2015 leicht zugenommen. Etwa ein Fünftel der Beschäftigten arbeitet regelmäßig zu atypischen Zeiten (vor 7 oder nach 19 Uhr). Auch berichten 43 Prozent der Beschäftigten, mindestens einmal im Monat auch am Wochenende zu arbeiten. Jeder siebte Befragte (14 Prozent) erfährt häufige Änderungen der Arbeitszeiten. Hier ist der Anteil zwar konstant geblieben, jedoch hat sich der Ankündigungszeitraum verkürzt: Ein Drittel der Betroffenen erfährt erst am Vortag von den Änderungen.

 

Die Arbeit zu atypischen Zeiten, wie etwa abends, nachts oder am Wochenende ist konstant geblieben. Im Dienstleistungsbereich lässt sich im Vergleich von 2015 zu 2017 ein leichter Anstieg von Sonntagsarbeit beobachten.

Flexibilität als „Anforderung“ und „Handlungsspielraum“

  • Flexibilität, die Unternehmen von Angestellten erwarten: So wird etwa jeder achte Beschäftigte wegen dienstlicher Belange häufig in der Freizeit kontaktiert. Der Anteil derjenigen, die erwarten kontaktiert zu werden, liegt aktuell bei 24 Prozent. Zunehmend sind hiervon auch Personen mit einfacheren Tätigkeiten betroffen.
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  • Ursache der hohen Flexibilitätsanforderungen seien Auftragsschwankungen und Kundenwünsche, aber auch krankheitsbedingte Ausfälle von Beschäftigten. 14 Prozent der Beschäftigten sind daher häufig von Arbeitszeitänderungen aufgrund betrieblicher Erfordernisse betroffen. Es zeige sich, dass die Kurzfristigkeit, mit der die Befragten bei den Änderungen konfrontiert werden, zugenommen hat. Jeder Dritte erfährt erst am selben Tag von der Änderung.

 

  • Flexibilität, die Unternehmen ihren Angestellten gewähren: Die Handlungsspielräume zur eigenen Gestaltung der Arbeitszeit nehmen seit 2015 zu. So können Arbeitnehmer zunehmend Einfluss nehmen auf:
    • Arbeitsbeginn und -ende, Pausengestaltung
    • die Möglichkeit, ein paar Stunden oder Tage frei zu nehmen.

 

 

Diese Handlungsfreiräume stellen eine wichtige Ressource für die Beschäftigten dar. Während Männer und junge Beschäftigte insgesamt ihre Arbeitszeit flexibler gestalten können, stehen Beschäftigten mit niedrigem Bildungsniveau weniger Möglichkeiten zur Verfügung.

 

Die Gestaltung der Arbeitszeit gehört, so die Studienautoren zu den „zentralen Fragestellungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes“. Dabei gehe es um die Dauer und Lage von Arbeitszeiten und Ruhezeiten sowie um die Planbarkeit und Beeinflussbarkeit der persönlichen Arbeitszeiten. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit – vor dem Hintergrund des Wandels der Arbeitswelt – wirft hierbei neue Fragen auf, die politisch zu bewerten sind.

 

Die BAuA-Studie wurde 2016 als „Arbeitszeit-Report“ veröffentlicht. Die zweite Befragungswelle wurde 2017 mit rund 9.000 abhängig Beschäftigten durchgeführt. Der jetzt vorgelegte Bericht vergleicht die Ergebnisse beider Befragungen bezüglich der Arbeitszeitaspekte Dauer, Lage und Flexibilität.

 

  • Der ganze Bericht des BAuA

Unter der Abruf-Nr. 45569557 finden Sie den aktuellen Bericht (85 Seiten) im Volltext.

 

Die BAuA betreibt Forschungs als Geschäftsbereich des Arbeitsministeriums (BMAS).

(JT)

Weiterführende Hinweise

Die Bundesregierung hat diverse Planungan im Koalitionsvertrag vereinbart.

  • Das gesamte Groko-Papier finden Sie unter der Abruf-Nr. 45144358.
Quelle: ID 45568583