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·Fachbeitrag ·Dienstwagen

Mit etwas mehr Verwaltungsaufwand weniger Steuern auf die Privatnutzung zahlen

von Dr. Claudia Rademacher-Gottwald, Dipl.- Kauffrau, Dipl.-Finanzwirtin, FOM - Hochschulstudienzentrum Berlin

| Die nicht als Betriebsausgabe abzugsfähige Umsatzsteuer für die Privatnutzung eines Dienstwagens muss nicht anhand der Ein-Prozent-Regel ermittelt werden, wenn kein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch vorgelegt wird. Nach Ansicht des BFH kann sie auch nach umsatzsteuerlichen Grundsätzen ermittelt werden. Damit sinkt die nicht abzugsfähige Umsatzsteuer, wenn die tatsächlichen Kosten der privaten Fahrzeugnutzung mit Vorsteuerbelastung einen bestimmten Prozentsatz des Bruttolistenpreises nicht überschreiten. |

Die positive Entscheidung des BFH

In seinem Urteil lässt es der BFH gegen die Auffassung der Finanzverwaltung zu, dass die ertragsteuerlich nicht abzugsfähige Umsatzsteuer auf die Privatnutzung nach umsatzsteuerlichen Grundsätzen ermittelt wird. Und zwar auch dann, wenn die Privatnutzung ertragsteuerlich nach der Ein-Prozent-Regel bewertet wird (Urteil vom 7.12.2010, Az: VIII R 54/07; Abruf-Nr. 110458).

 

Folge des Urteils: Die Umsatzsteuer, die der Unternehmer tatsächlich für die Privatnutzung schuldet (§ 3 Abs. 9a Nr. 1 und § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 UStG), stimmt mit der Umsatzsteuer überein, die den ertragsteuerlichen Gewinn nicht mindern darf (§ 12 Nr. 3 EStG).

Privatnutzung wirft Fragen auf

Die Privatnutzung des Dienstwagens wirft Fragen auf, die sich am besten anhand eines bewusst einfach gehaltenen Beispiels beantworten lassen.

  • Beispiel

Kfz-Händler Müller fährt einen Dienstwagen (Bruttolistenpreis 70.000 Euro). Die tatsächlichen Fahrzeugkosten betragen 12.000 Euro. Davon sind 10.000 Euro mit Umsatzsteuer belastet. Er nutzt den Dienstwagen nachweislich zu 20 Prozent für Privatfahrten. Dieser Nutzungsanteil ergibt sich aus den Aufzeichnungen des Händlers zum Fahrzeug. Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch liegt nicht vor.

1. Ertragsteuerlicher Wert der Privatnutzung?

Der ertragsteuerliche Wert der Privatnutzung (= Nutzungsentnahme) kann entweder mit der Fahrtenbuchmethode oder nach der Ein-Prozent-Regel ermittelt werden. Liegt kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch vor, greift die Ein-Prozent-Regel. Im Beispielsfall beträgt der ertragsteuerliche Wert der Nutzungsentnahme 8.400 Euro (1% x 70.000 Euro x 12 Monate).

 

2. Umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage?

Die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage der Nutzungsentnahme ergibt sich aus den tatsächlich entstandenen Fahrzeugkosten, soweit sie zum Vorsteuerabzug berechtigt haben (10.000 Euro) und soweit sie auf die Privatnutzung (20 Prozent) entfallen. Im Beispielsfall bedeutet das: Die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage beträgt 2.000 Euro (10.000 Euro x 20 %). Die Umsatzsteuerschuld beträgt somit laut BFH 380 Euro (2.000 x 19%).

 

3. Höhe der nicht abzugsfähigen Umsatzsteuer?

Die Finanzverwaltung aber setzt nicht diese tatsächlich geschuldete Umsatzsteuer als ertragsteuerlich nicht abzugsfähige Umsatzsteuer an. Sie rechnete vielmehr wie folgt: Von einem Prozent des Bruttolistenpreises (8.400 Euro) zog sie 20 Prozent pauschal für nicht mit Vorsteuer belastete Kosten ab. So gelangte sie zu einer umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage in Höhe von 6.720 Euro (8.400 x 80 %) und zu einer nicht abzugsfähigen Umsatzsteuer in Höhe von 1.276,80 Euro (6.720 Euro x 19%). Nach Auffassung der Finanzverwaltung müssen somit 896,80 Euro (1.276,80 Euro ./. 380 Euro) mehr als nicht abzugsfähige Umsatzsteuer, angesetzt werden. Dem widersprach der BFH.

 

WICHTIG | Im Unterschied zum Ertragsteuerrecht verlangt das Umsatzsteuerrecht zum Nachweis der Privatnutzung kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch. Glaubhafte Aufzeichnungen über die Nutzung des Geschäftswagens reichen aus. Fehlen solche Aufzeichnungen, kann der private Nutzungsanteil mit 50 Prozent der mit Vorsteuer belasteten Kosten angenommen werden (BMF, Schreiben vom 29.5.2000, Az: IV D 1 - S 7303 b - 4/00; Abruf-Nr. 001341).

 

Praxishinweis |

Zeichnet der Unternehmer die Kosten für den privat genutzten Dienstwagen getrennt von den Kosten der übrigen Betriebsfahrzeuge auf, lässt sich die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage unmittelbar aus der Buchhaltung ermitteln.

Wann lohnt sich die Ermittlung der Fahrzeugkosten?

Die Ermittlung der tatsächlichen Fahrzeugkosten und die Aufzeichnung der Privatfahrten verursachen zusätzliche Verwaltungsarbeit. Sie lohnt sich in folgenden Fällen:

 

Praxishinweis |

Die zusätzliche Verwaltungsarbeit lohnt sich, wenn die tatsächlichen Kosten der privaten Fahrzeugnutzung mit Vorsteuerbelastung geringer sind als 9,6 Prozent des Bruttolistenpreises. Im Beispielsfall liegen die Grenzkosten demnach bei 6.720 Euro (70.000 Euro x 9,6 %).

Wird der private Nutzungsanteil mit 50 Prozent angesetzt, müssen die tatsächlichen Fahrzeuggesamtkosten mit Vorsteuerbelastung weniger als 19,2 Prozent des Bruttolistenpreises des Geschäftswagens betragen, um die nicht abzugsfähige Umsatzsteuer zu senken.

 
Quelle: Ausgabe 08 / 2011 | Seite 10 | ID 28022110