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·Fachbeitrag ·Betriebsveranstaltung

Profitieren Sie bei Betriebsveranstaltungen von der neuen Berechnungsart des FG Düsseldorf

| Bei Lohnsteuerprüfungen gilt ein strenger Blick des Prüfers stets den Betriebsveranstaltungen. Betragen die Kosten der Veranstaltung je Teilnehmer mehr als 110 Euro, wird Lohnsteuer fällig und der Vorsteuerabzug kippt. In einem solchen Fall kann eine aktuelle Entscheidung des Finanzgerichts Düsseldorf helfen, die nachteiligen Steuerfolgen zu vermeiden. |

FG Düsseldorf berechnet Kosten je Teilnehmer anders

Bei der Ermittlung der Pro-Kopf-Kosten einer Betriebsveranstaltung gehen die Lohnsteuerprüfer rigoros vor. Sie kürzen die Gesamtkosten der Veranstaltung durch die tatsächlichen Teilnehmer. Nahmen weniger Gäste als geplant teil, hatte das bisher keine Auswirkung auf die Gesamtkosten.

 

Das ändert sich nun. Das FG Düsseldorf kürzt die Gesamtkosten, wenn nicht alle angemeldeten Teilnehmer an der Veranstaltung teilnehmen (Urteil vom 17.1.2011, Az: 11 K 908/10 L; Abruf-Nr. 111545). Das wirkt sich positiv aus, wenn dadurch die Kosten pro Teilnehmer wieder unter die 110-Euro-Grenze gedrückt werden.

 

  • Beispiel

Autohausinhaber Müller lud seine Belegschaft zur jährlichen Betriebsfeier ein. Zugesagt hatten 40 Mitarbeiter, 25 davon mit Ehepartner (insgesamt also 65 Personen). Verpflegung, Speisen, Musik, Unterhaltung und Saalmiete kosteten 6.000 Euro. Tatsächlich nahmen an der Veranstaltung wegen einer Grippe-Epedemie aber nur 30 Mitarbeiter und 15 Ehegatten (insgesamt 45 Personen) teil. Die Pro-Kopf-Kosten betragen demnach:

So rechnet das FG Düsseldorf

So rechnet das Finanzamt

Gesamtkosten

6.000 Euro

6.000 Euro

./. Getränkekosten für 45 Personen

900 Euro

---------

Verbleibende Kosten für Speisen und äußeren Rahmen

5.100 Euro

6.000 Euro

Geplant 65 tatsächlich 45 Teilnehmer

5.100 : 65 x 45

--------

Verbleibende Gesamtkostenfür 45 Teilnehmer

3.531 Euro

6.000 Euro

+ Getränkekosten für 45 Personen

900 Euro

--------

Gesamtkosten für 45 Teilnehmer

4.431 Euro

6.000 Euro

Kosten pro Teilnehmer

98,47 Euro

133,33 Euro

Folge

Lohnsteuer wird nur für die 15 Teilnehmer fällig, die ihren Ehepartner dabei hatten. Kürzung der Vorsteuer für die Kosten dieser Teilnehmer.

Lohnsteuer wird für alle Teilnehmer fällig. Die Vorsteuer ist in voller Höhe nicht abziehbar.

 

Wahlrecht bei mehr als zwei Betriebsveranstaltungen

Das Finanzamt sieht zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr als angemessen an. Findet eine dritte Betriebsveranstaltung statt, fällt dafür unabhängig von der Höhe der Kosten pro Teilnehmer Lohnsteuer an und der Vorsteuerabzug geht verloren.

 

Doch hier gilt eine Besonderheit: Als Arbeitgeber haben Sie das Wahlrecht, für welche dieser Betriebsveranstaltungen Sie Lohnsteuer abführen und den Vorsteuerabzug berichtigen.

 

  • Beispiel

Autohausinhaber Seifert führt in einem Jahr drei Veranstaltungen durch. Bei der ersten Veranstaltung betragen die Pro-Kopf-Kosten 40 Euro, bei der zweiten 100 Euro und bei der dritten Veranstaltung 80 Euro. Für eine der drei Veranstaltungen muss er Lohnsteuer abführen und die Vorsteuer berichtigen. Er sollte sich für Veranstaltung 1 entscheiden. Denn für diese Veranstaltung sind die steuerlichen Belastungen am geringsten.

BEACHTEN SIE | Das FG Düsseldorf hat in drei Urteilen entschieden, dass auch eine Veranstaltung anlässlich eines Firmenjubiläums als Betriebsveranstaltung einzustufen ist (unter anderem Urteil vom 7.10.2010, Az: 16 K 1295/09; Abruf-Nr. 111529). Das bedeutet im Klartext: Wer neben dem Sommerbetriebsausflug und der Weihnachtsfeier noch ein Firmenjubiläum feiert, muss für eine dieser Veranstaltungen Lohnsteuer und den Verlust der Vorsteuer einkalkulieren.

 

Praxishinweis |

In punkto Betriebsveranstaltung und geldwerter Vorteil bzw. Umsatzbesteuerung sind noch folgende Informationen wichtig:

  • Ehegatten: Nehmen Ehegatten an einer Betriebsveranstaltung teil, werden deren Kosten dem jeweiligen Arbeitnehmer zugerechnet.

  • Umsatzsteuer: Bei der 110-Euro-Grenze handelt es sich um einen Bruttobetrag. Ohne Umsatzsteuer dürfen die Pro-Kopf-Kosten beim Steuersatz von 19 Prozent also nicht mehr als 92,44 Euro betragen.

  • Vorsteuer: Der BFH hat die Rechtslage geändert, wenn die Pro-Kopf-Kosten mehr als 110 Euro betragen. Statt Umsatzsteuer an das Finanzamt zu überweisen, sollen Unternehmen in diesem Fall von Anfang an keine Vorsteuer geltend machen dürfen (BFH, Urteil vom 9.12.2010, Az: V R 17/10; Abruf-Nr. 112077).

Weiterführende Hinweise

  • Neue Regeln zum Vorsteuerabzug bei den Aufwendungen für Betriebsveranstaltungen, ASR Ausgabe 6/2011, Seite 8
Quelle: Ausgabe 08 / 2011 | Seite 12 | ID 28074480