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·Fachbeitrag ·Betriebsausgaben

Wohltätigkeitsveranstaltungen im Autohaus steuerlich vorteilhaft gestalten

von WP/StB Dr. Johannes A. Huber und StBin Dr. Simone Jäck, ATG Allgäuer Treuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Kempten

| Nicht nur gemeinnützige Einrichtungen organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen, auch Autohäuser tun dies. Das Autohaus lädt zu einer Veranstaltung, verlangt kein Entgelt, bittet aber um freiwillige Spenden zugunsten einer gemeinnützigen Organisation. Die Aufwendungen dafür wurden bisher häufig als Betriebsausgaben verbucht. Das ist dem Fiskus ein Dorn im Auge, zumal er den BFH auf seiner Seite weiß. Erfahren Sie, welche Gestaltungen Ihnen den Betriebsausgabenabzug retten. |

Betriebsausgabenabzug beim Autohaus?

Aufwendungen für Wohltätigkeitsveranstaltungen wurden bisher häufig als Betriebsausgaben verbucht. Schließlich ist mit einer solchen Veranstaltung ein Werbeeffekt verbunden, und es werden in aller Regel (auch) Geschäftspartner eingeladen. Diesem Vorgehen hat der BFH nun eine Absage erteilt.

 

Für ein Golfturnier entschied der BFH, dass die Aufwendungen für dessen Ausrichtung Repräsentationsaufwand darstellen. Sie dürfen daher nicht gewinnmindernd angesetzt werden. Die Richter setzen das Golfturnier mit Jagdveranstaltungen oder Yachtausflügen gleich. Der wohltätige Gedanke und die Werbewirkung ändern daran nichts (BFH, Urteil vom 16.12.2015, Az. IV R 24/13, Abruf-Nr. 183977).

 

Die Finanzverwaltung wird das Urteil sicherlich begrüßen, bringt es doch Steuermehreinnahmen. Noch hat es das BMF nicht veröffentlicht. Möglicherweise wird es zur allgemeinen Anwendbarkeit Hinweise geben. Offen ist beispielsweise, wie weit der Begriff „Repräsentation“ ausgedehnt wird. Es muss damit gerechnet werden, dass im Rahmen von Betriebsprüfungen künftig auch kulturelle Veranstaltungen oder Spendengalen aufgegriffen werden.

 

Wichtig | Um überhaupt über Repräsentationsaufwand diskutieren zu können, müssen dem Grunde nach Betriebsausgaben und nicht privat veranlasste Kosten vorliegen. Kann nicht nachgewiesen werden, dass die Veranstaltung im Interesse des Unternehmens ausgerichtet wurde (z. B. Nutzung für Öffentlichkeitsarbeit oder Einladung von Kunden und Mitarbeitern), scheitert die steuerliche Anerkennung schon im ersten Schritt.

 

PRAXISHINWEIS | Greift die Betriebsprüfung eine Wohltätigkeitsveranstaltung auf, geht es nicht nur um die Ertragsteuern. Auch der Vorsteuerabzug steht in Frage. Sind auf die Steuernachzahlungen außerdem Zinsen für mehrere Jahre zu entrichten, wird die Veranstaltung nachträglich richtig teuer.

 

Spendenabzug keine Lösung

Obwohl die Aufwendungen der Einwerbung von Spenden dienen, ist kein Abzug als Spende anstelle des Betriebsausgabenabzugs möglich. Sammeln Sie die Spenden aus der Veranstaltung und leiten diese an die gemeinnützige Einrichtung weiter, wird dieser Betrag ebenfalls nicht als Ihre Spende als Veranstalter anerkannt; gespendet haben letztlich die Gäste.

 

Auch für eine Aufwandsspende ist kein Raum. Dazu müsste die gemeinnützige Einrichtung Sie beauftragen, die Veranstaltung gegen Zusage eines Entgelts durchzuführen, und Sie müssten nachträglich auf das Entgelt verzichten. Ein praktisch kaum taugliches Modell mit zahlreichen Hindernissen.

 

PRAXISHINWEIS | Steuern sparen können die Gäste, wenn die Spenden tatsächlich freiwillig, und nicht als Gegenleistung geflossen sind. Wird die Zahlung zunächst an Ihr Autohaus geleistet, müssen Sie eine Spenderliste erstellen. Damit kann der Spendenempfänger die Zuwendungsbestätigungen ausstellen.

 

Erfolgversprechende Gestaltungen

Für vergangene Wohltätigkeitsveranstaltungen sollten Sie zweistufig argumentieren, falls diese in den Fokus eines Betriebsprüfers geraten:

 

  • 1. Legen Sie dar, dass eine betriebliche Veranlassung gegeben ist. Dazu müssen Sie Werbemaßnahmen dokumentieren und Gästelisten vorhalten.
  • 2. Repräsentationsaufwand sollten Sie abwehren. Das BFH-Urteil hat hier aber hohe Hürden aufgebaut.

 

Ziehen Sie künftig folgende steuergünstigere Varianten in Betracht:

 

  • Sie richten die Veranstaltung mit Gewinnerzielungsabsicht aus. Ihre Gäste zahlen also ein ausreichend hohes Entgelt. Dann ist der Betriebsausgabenabzug sichergestellt. Den erzielten Gewinn müssen Sie versteuern, die Einnahmen lassen Sie der gemeinnützigen Einrichtung zukommen. Ob als Spende oder Sponsoring: die Zahlung wird steuerlich anerkannt.

 

  • Weitere Spielräume öffnen sich, wenn der gemeinnützige Spendenempfänger - mit Ihrer Unterstützung - selbst als Veranstalter auftritt. Finanzieren Sie als Sponsor eine Wohltätigkeitsveranstaltung, gelingt in aller Regel der Betriebsausgabenabzug. Sie müssen aber einen Vorteil für Ihr Autohaus nachweisen - in der Regel einen Werbeeffekt (BFH, Urteil vom 14.10.2015, Az. I R 74/13, Abruf-Nr. 183976). Auch hier ging es um Golfturniere. Es wird deutlich: Auf die konkrete Gestaltung kommt es an!

 

PRAXISHINWEIS | Die für Sie steuergünstigere Alternative „Sponsoring“ kann bei der gemeinnützigen Einrichtung zu nachteiligen Steuereffekten führen. Auch diese Seite sollte bei den Planungen nicht aus den Augen verloren werden.

 
Quelle: Ausgabe 01 / 2017 | Seite 9 | ID 44361181