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01.04.2005 | Mit Factoring Eigenkapitalbasis erhöhen

Der Forderungsverkauf ist auch für Kfz-Betriebe interessant

Das Kfz-Gewerbe hat mit der Zahlungsmoral der Kunden zu kämpfen – im Werkstattgeschäft und im Verkauf. Die Kunden zahlen zeitlich gestreckt in Raten oder gar nicht. Ein Ausweg: Das Factoring. Lesen Sie im Folgenden, wie Factoring funktioniert, welche Vorteile es Ihnen bringt, wie Sie einen mit den Besonderheiten des Kfz-Gewerbes vertrautes Factoring-Unternehmen (Factor) finden und welche umsatzsteuerlichen Konsequenzen Sie beachten müssen. 

Grundzüge des Factoring

Factoring ist der laufende Ankauf und die Vorauszahlung von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen durch ein Finanzierungsinstitut (Factoring-Gesellschaft oder Factor). Angekauft werden noch nicht fällige Forderungen, die aus Vertragsverhältnissen mit gewerblichen Abnehmern (Debitoren) stammen. 

 

Vorteile für den Factoring-Kunden

Für den Factoring-Kunden ergeben sich vier wesentliche Vorteile: 

 

  • Liquiditätsverbesserung: Der Factoring-Kunde erhält vom Factor kurzfristig nach Rechnungsstellung 70 bis 90 Prozent des Bruttorechnungsbetrags. Der Rest dient als Sicherheitseinbehalt für etwaige Abzüge der Debitoren und wird nach Zahlungseingang unter Abzug des Factoring-Entgelts an den Kunden ausbezahlt.

 

  • Delkredereabsicherung: Im Standardfall übernimmt die Factoring-Gesellschaft das Risiko des Forderungsausfalls bis zur Höhe des für den Debitor zugesagten Limits, maximal 100 Prozent. Im Delkrederefall zahlt der Factoring-Kunde lediglich eine Kostenpauschale in Höhe von fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags. In vielen Fällen tritt der Factor nicht erst nach Insolvenz des Schuldners ein, sondern reguliert bereits 90 bis 180 Tage nach Fälligkeit der Rechnung.

 

  • Debitorenmanagement: Da der Factor ab Rechnungsstellung die Forderungen betreut, führt Factoring zu erheblichen Einsparungen beim Verwaltungsaufwand für die Debitorenbuchhaltung, Auskünfte und Bonitätsprüfungen, das Mahnwesen und Inkasso sowie die Rechtsverfolgung.

 

  • Erhöhung der Eigenkapitalquote: Durch den Verkauf der Forderungen an den Factor scheiden diese aus der Bilanz des Factoring-Kunden aus und werden beim Factor aktiviert. Dadurch „verkürzt“ sich die Bilanzsumme, die Eigenkapitalquote steigt.

 

Sonderformen des Factoring

Neben dem Standard- oder Full-Service-Factoring, das alle genannten Vorteile beinhaltet, gibt es auch Sonderformen des Factoring: 

 

  • Inhouse-Factoring: Hier verbleibt die Debitorenbuchhaltung beim Kunden.
  • Fälligkeits-Factoring: Der Kunde verzichtet auf die Bevorschussung der Forderungen.
  • Unechtes Factoring: Das Delkredere-Risiko bleibt beim Kunden.

Anbieter für das Kfz-Gewerbe

Dass Factoring im Kfz-Gewerbe bisher kaum eine Rolle spielt, liegt in erster Linie daran, dass Handwerksbetriebe bei der Mehrzahl der Factoring-Unternehmen von Haus aus nicht gerne gesehen sind und die durchschnittliche Umsatzgröße der Kfz-Betriebe unter den Mindestanforderungen der meisten Factoring-Unternehmen liegt. 

 

Ein Ansprechpartner für mittelständische Kfz-Betriebe

Eine Ausnahme ist beispielsweise die HWVZ Handwerker-Verrechnungszentrum AG in Nürnberg (www.hwvz.de). Sie hat sich auf Klein- und mittelständische Betriebe aus dem Handwerk spezialisiert.  

 

Zusätzlich zu den üblichen Factoring-Dienstleistungen für Handwerksbetriebe hat die HWVZ AG gemeinsam mit einem Betrieb aus der Kfz-Branche eine spezielle Factoring-Lösung zur Abwicklung der Forderungen an Versicherungsgesellschaften entwickelt. 

 

Full-Service-Factoring

Die HWVZ AG betreibt das Modell des Full-Service-Factoring. Das heißt, die Gesellschaft kauft dem Kfz-Betrieb die Forderung ab und macht sie selbst gegenüber dem Schuldner geltend. Diese Konstellation hat für den Kfz-Betrieb den Vorteil, dass der Inhaber oder Geschäftsführer, der oft über wichtige Detailkenntnisse verfügt, bei Streitigkeiten vor Gericht als Zeuge benannt werden kann. 

 

So funktioniert der Forderungskauf

Gekauft werden nur Forderungen, die zum Zeitpunkt des Ankaufs einwandfrei sind. Der Kaufpreis entspricht 100 Prozent der tatsächlichen Forderung, abzüglich Factoring-Entgelt. Zunächst werden je nach Vereinbarung 70 bis 90 Prozent des Kaufpreises überwiesen, der Rest, wenn der Debitor bezahlt hat.  

 

Wenn der Schuldner Kürzungen vornimmt

Nimmt der Schuldner Kürzungen vor, die der Inhaber des Kfz-Betriebs akzeptiert, werden diese mit dem Restkaufpreis verrechnet.  

 

Sind die Kürzungen nach Meinung des Kfz-Betriebs unberechtigt, bespricht der Factor mit ihm, wie die bestrittene Forderung weiterverfolgt werden soll. Kommen beide Seiten (unter Einbeziehung von im Kfz-Gewerbe erfahrenen Anwälten) zum Ergebnis, dass die Gegenansprüche unberechtigt sind, scheut der Factor auch den Gang vor Gericht nicht.  

 

Wenn sich dort herausstellt, dass die Forderung tatsächlich zu weniger als 100 Prozent besteht, bekommt der Kfz-Unternehmer nur die tatsächliche Höhe erstattet. Hat die Vorfinanzierung durch den Factor die tatsächliche Höhe überstiegen, muss der Kfz-Unternehmer die Differenz an den Factor erstatten. 

Forderungen an Versicherungsgesellschaften

Wird bei Haftpflicht- oder Kaskoschäden direkt mit einer Versicherung abgerechnet, erhält der Kfz-Betrieb bei Einreichung der Rechnungskopie und der Übernahmebestätigung für die Reparaturkosten sofort 96,5 Prozent des bestätigten Rechnungsbetrags. Die Auszahlung an den Kfz-Betrieb erfolgt dabei seitens der HWVZ AG in der Regel innerhalb von 48 Stunden nach Eingang der Unterlagen. 

Umsatzsteuerliche Folgen des Factoring

Umsatzsteuerlich stellt sich das Factoring aus der Sicht des Factors bzw. Inhabers des Kfz-Betriebs (Factoring-Kunde) wie folgt dar: 

 

1. Factor

Der Factor darf auf Gebühren und Entgelte, die er seinen Kunden berechnet, Umsatzsteuer erheben. Das hat das Bundesfinanzministerium im letzten Jahr bestätigt (Schreiben vom 3.6.2004, Az: IV B 7 – S 7104 – 18/04, BStBl 2004 I, 737; Abruf-Nr. 041687). 

 

2. Factoring-Kunde

Der Factoring-Kunde hat vor allem das Problem, dass er die Umsatzsteuer ans Finanzamt schon anmelden und abführen muss, wenn er seine Leistung erbracht hat. Erlöst er jetzt für die Leistung weniger als Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer war, hat er zu viel gezahlt. Er muss den Umsatzsteuerbetrag nach § 17 Absatz 2 Nummer 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) berichtigen und sich zuviel gezahlte Umsatzsteuer zurückholen.  

 

Grundsätzlich besteht dieser Anspruch auf Berichtigung der Umsatzsteuer auch, wenn die Forderung an einen Factor verkauft worden ist. Um seine Umsatzsteuer berichtigen zu können, braucht der Factoring-Kunde vom Factor einen Nachweis, dass und in welcher Höhe die Forderung tatsächlich ausgefallen ist. Seriöse Factoring-Anbieter gewährleisten dies. 

 

Fazit: Mit einem seriösen Partner ist das Factoring eine lohnende Alternative zum langwierigen und kostenintensiven Eintreiben von Forderungen. Denn nach wie vor gilt: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. 

Quelle: Ausgabe 04 / 2005 | Seite 14 | ID 85671