logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.08.2005 | GmbH

Geschäftsführung umsatzsteuerpflichtig?

Auch ein GmbH-Geschäftsführer kann unter bestimmten Voraussetzungen als „selbstständig Tätiger“ einzustufen sein. Das hat zur Folge: Er muss auf seine Einnahmen in der Regel Umsatzsteuer abführen, kann aber im Gegenzug aus der ihm in Rechnung gestellten Umsatzsteuer den Vorsteuerabzug geltend machen.  

 

Diese jüngst vom BFH getroffene Entscheidung führt zwar zu erheblicher Rechtsunsicherheit. Sie kann dem GmbH-Geschäftsführer aber auch Gestaltungsmöglichkeiten beim Vorsteuerabzug eröffnen.  

Geschäftsführung als selbstständige Betätigung?

Bereits vor drei Jahren hatte der BFH entschieden, dass der Gesellschafter einer Personengesellschaft mit seiner Geschäftsführungsleistung zumindest dann eine umsatzsteuerpflichtige Leistung erbringt, wenn diese Tätigkeit vom Gewinn unabhängig vergütet wird (Urteil vom 6.6.2002, Az: V R 43/01; Abruf-Nr. 020931).  

 

Was die Geschäftsführungsleistung bei der GmbH angeht, hat die Finanzverwaltung bisher die Auffassung vertreten, dass eine natürliche Person, die die Geschäftsführung einer GmbH wahrnimmt, als nichtselbstständig anzusehen ist. Folge: Die Geschäftsführungsvergütung unterliegt nicht der Umsatzsteuer (BMF, Schreiben vom 23.12.2003, Az: IV B 7 – S 7100 – 246/03; Abruf-Nr. 040448). 

 

Der BFH hat diese Auslegung der Finanzverwaltung nun verworfen: Auch die Geschäftsführungsleistung eines GmbH-Geschäftsführers könne als selbstständige Tätigkeit zu beurteilen sein (Urteil vom 10.3.2005, Az: V R 29/03; Abruf-Nr. 051423). 

Abgrenzungskriterien der neuen Rechtsprechung

Grundsätzlich ist der Geschäftsführer als „vertretungsberechtigtes Organ“ der GmbH den Weisungen der Gesellschafterversammlung unterworfen (§ 37 Absatz 1 GmbH-Gesetz [GmbHG]). Aus dieser Weisungsgebundenheit könne aber nicht abgeleitet werden, dass der Geschäftsführer stets nichtselbstständig tätig ist, so der BFH.  

 

Die „Organstellung“ allein reiche nicht aus, die Selbstständigkeit zu verneinen. Vielmehr müsse neben sozial- und arbeitsrechtlichen Kriterien vor allem auf die ertragsteuerliche Einordnung abgestellt werden: Gilt der Geschäftsführer lohnsteuerrechtlich als Arbeitnehmer, ist er grundsätzlich umsatzsteuerlich kein Unternehmer.  

 

Für eine Arbeitnehmereigenschaft sprechen insbesondere folgende Merkmale (H 67 der Lohnsteuerhinweise 2005):  

  • Weisungsgebundenheit hinsichtlich Ort, Zeit, Inhalt der Tätigkeit
  • Feste Arbeitszeiten
  • Feste Bezüge
  • Urlaubsanspruch und Anspruch auf sonstige Sozialleistungen
  • Fortzahlung der Bezüge im Krankheitsfall
  • Überstundenvergütung
  • Unselbstständigkeit in Organisation und Durchführung der Tätigkeit
  • Kein Unternehmerrisiko und keine Unternehmerinitiative
  • Keine Pflicht zur Beschaffung von Arbeitsmitteln
  • Eingliederung in den Betrieb
  • Schulden der Arbeitskraft und nicht eines Arbeitserfolgs

 

Die Liste zeigt, dass ein GmbH-Geschäftsführer in der Regel als nichtselbstständiger Arbeitnehmer einzustufen ist. Welche Geschäftsführer können also überhaupt von der neuen Rechtsprechung betroffen sein? 

 

Ein-Personen-GmbH

Selbstständigkeit kann beim Gesellschafter-Geschäftsführer einer Ein-Personen-GmbH gegeben sein. Für die Selbstständigkeit spricht es, wenn er keinen Arbeitsvertrag hat, weitgehend frei über seine Arbeits- und Freizeit bestimmen kann und seine Vergütung zum wesentlichen Teil variabel vereinbart ist.  

 

Allerdings ist zu beachten, dass zwischen der GmbH und dem Allein-Gesellschafter-Geschäftsführer in der Regel eine umsatzsteuerliche Organschaft gegeben sein wird. Denn es ist von einer finanziellen, wirtschaftlichen und organisatorischen Eingliederung der GmbH in das Unternehmen „Geschäftsführer“ auszugehen (§ 2 Absatz 2 Nummer 2 Satz 1 UStG). Folge: Der Allein-Gesellschafter-Geschäftsführer und die GmbH gelten umsatzsteuerlich als ein Unternehmen. Die Leistungsbeziehungen zwischen GmbH und Geschäftsführer sind nicht umsatzsteuerbar, statt der GmbH muss der Geschäftsführer die Umsatzsteuer-Erklärungen für die GmbH abgeben.  

 

Beachten Sie: Bezüglich der variablen Vergütung muss eine ertragsteuerliche Gefahr im Auge behalten werden: Bei unüblich hoher variabler Vergütung besteht die Gefahr einer verdeckten Gewinnausschüttung (vGA, § 8 Absatz 3 Körperschaftsteuer-Gesetz).  

 

Familien-GmbH mit Angehörigem als Geschäftsführer

Als zweite Gruppe kommen Autohaus-GmbH in Frage, die als Familien-GmbH geführt werden. Denn hier fehlt der Interessengegensatz zwischen den Gesellschaftern und dem bzw. den Geschäftsführer(n), so dass dem Geschäftsführer weitgehende Freiheiten gewährt werden können. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass wegen unüblich hoher variabler Vergütungsbestandteile eine vGA angenommen wird.  

Besteuerungs-Chancen einer Umsatzsteuerpflicht

Gilt die Geschäftsführung nach den neuen Kriterien des BFH als selbstständig, verteuert die Umsatzsteuer zwar die Geschäftsführungsvergütung um 16 Prozent bzw. schmälert das Nettoentgelt. Dies kann jedoch umsatzsteuerliche Vorteile haben. Sehen Sie dazu folgende Beispiele: 

 

Beispiel 1

A ist Alleingesellschafter und Geschäftsführer seiner Autohaus-GmbH. Nach dem Anstellungsvertrag erhält A eine jährliche Geschäftsführungsvergütung von 100.000 Euro. 

 

Wäre die Tätigkeit des A als selbstständig zu beurteilen, ergäbe sich für die GmbH aus der von A ans Finanzamt abzuführenden Umsatzsteuer eine Zusatzausgabe von 16.000 Euro. Diese ist für die GmbH jedoch letztlich aufwandsneutral, da sie die 16.000 Euro vom Finanzamt als Vorsteuer wieder erstattet erhält.  

 

Der Vorteil: Als selbstständig Tätiger kann A Vorsteuer aus tätigkeitsbezogenen Eingangsleistungen geltend machen. Zum Beispiel 

  • aus laufenden Kosten für Steuerberatungs- oder sonstige Rechtsberatungskosten, Leasing-Kosten, Telefonkosten etc.;
  • für vom Gesellschafter erworbene Anlagegüter (zum Beispiel Büroausstattung, Arbeitsmittel, Pkw), soweit er diese für die Geschäftsführungstätigkeit nutzt.

 

Unser Tipp: Die Selbstständigkeit kann auch die Errichtungskosten für das Eigenheim reduzieren: 

 

Beispiel 2 (Ergänzung zu Beispiel 1)

A hat für 400.000 Euro zuzüglich 64.000 Euro Umsatzsteuer ein Einfamilienhaus errichten lassen. Darin befindet sich ein häusliches Arbeitszimmer (20 Prozent der Gesamtfläche), in dem er Arbeiten erledigt, die aus der Geschäftsführungstätigkeit resultieren. 

 

Auf Grund seiner umsatzsteuerpflichtigen Geschäftsführung kann A die auf das Arbeitszimmer entfallende Vorsteuer in Höhe von 12.800 Euro (= 20 % x 64.000 Euro) geltend machen. Gleiches gilt für die in den laufenden Gebäudekosten enthaltene Umsatzsteuer. 

 

Alternativ kann A das ganze Gebäude seinem Unternehmensvermögen zuordnen und die volle Vorsteuer in Höhe von 64.000 Euro geltend machen. Dann müsste A auf die 80-prozentige Privatnutzung im Gegenzug Umsatzsteuer zahlen. 

 

Beachten Sie: Wenn Sie aus den Errichtungskosten des Arbeitszimmers oder Gesamtgebäudes Vorsteuer abziehen, kann es zu einer späteren Umsatzsteuerbelastung bei der Entnahme der Immobilie aus dem Unternehmensvermögen kommen. 

 

Unser Tipp: Lesen Sie zum Thema Vorsteuerabzug aus Gebäudekosten auch unseren Beitrag in der März-Ausgabe auf den Seiten 9 bis 11. 

Mögliche negative Folgen der neuen Rechtsprechung

Wenn die Geschäftsführungsleistungen umsatzsteuerlich falsch beurteilt werden, besteht die Gefahr hoher Umsatzsteuernach- bzw. Vorsteuerrückzahlungen: 

 

  • Wenn die Geschäftsführungsleistung zu Unrecht als nicht umsatzsteuerbar behandelt wurde, kann – zum Beispiel im Rahmen einer späteren Betriebsprüfung – Umsatzsteuer auf die Geschäftsführungsleistungen nachgefordert werden. Das Problem: Der nachgeforderte Betrag wird mit 0,5 Prozent pro Monat verzinst (§ 233a Abgabenordnung [AO]).

 

  • Dasselbe gilt umgekehrt, wenn die Geschäftsführungsleistung fälschlicherweise als umsatzsteuerbar und -pflichtig behandelt wurde und aus den Rechnungen des Geschäftsführers an die GmbH zu Unrecht Vorsteuer geltend gemacht wurde. Dann kann die Finanzverwaltung die Vorsteuer inklusive Verzinsung nach § 233 AO zurückfordern. Solange er die Rechnungen nicht berichtigt hat, schuldet der Geschäftsführer die ausgewiesene Umsatzsteuer.

Fazit

Die Kriterien, anhand derer die Selbstständigkeit eines GmbH-Geschäftsführers zu prüfen ist, sind auslegungsfähig. Prüfen Sie am besten die Anstellungsmodalitäten Ihrer Geschäftsführungstätigkeit gemeinsam mit Ihrem Steuerberater.  

 

Im Zweifel sollten Sie mit Ihrem Steuerberater besprechen, ob es möglich und sinnvoll ist, den Geschäftsführungsvertrag so anzupassen, dass umsatzsteuerlich eine Selbstständigkeit der Geschäftsführungstätigkeit angenommen werden kann.  

 

Beachten Sie: Der BFH hat im Urteilsfall nicht endgültig entschieden, sondern die Sache an das Finanzgericht (FG) zur weiteren Aufklärung zurückverwiesen. Das FG muss nun prüfen, ob der Geschäftsführer, der im Urteilsfall zwar Zeit, Umfang und Ort der Tätigkeit selbst bestimmen konnte, auch besondere Sozialleistungen wie einen Urlaubsanspruch oder Anspruch auf Fortzahlung der Bezüge im Krankheitsfall hatte. Das würde gegen eine Selbstständigkeit sprechen. Das FG hatte nur festgestellt, dass pauschale monatliche Bezüge gezahlt wurden.  

Quelle: Ausgabe 08 / 2005 | Seite 8 | ID 85801