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28.03.2011 |Einschränkung bei der Freigrenze

Steuerbegünstigte Gehaltsextras richtig gestalten und nicht in die 44-Euro-Falle tappen!

Steuerbegünstigte Gehaltsextras sind sehr beliebt. Die Benzingutschein-Urteile des Bundesfinanzhofs werden ein Übriges tun. Die „Lohnsteuer-Richtlinien 2011“ (LStR 2011 ) schränken aber die Anwendung der 44-Euro-Freigrenze für steuer- und sozialversicherungsfreie Sachbezüge ein. Das hat zur Folge, dass die 44-Euro-Falle schneller zuschnappen kann.  

Neue Bewertungsregelungen ab 2011

Sachbezüge, die mit dem ortsüblichen Endpreis am Abgabeort bewertet werden (§ 8 Absatz 2 Satz 1 Einkommensteuergesetz [EStG]), sind bis zu einer Freigrenze von 44-Euro monatlich steuerlich nicht als Arbeitslohn zu erfassen. Wird der Wert überschritten, liegt in vollem Umfang steuerpflichtiger Arbeitslohn vor.  

 

Für die Berechnung ist auf den einzelnen Kalendermonat abzustellen. Die Freigrenze darf also nicht auf einen Jahresbetrag hochgerechnet werden. Mehrere Sachbezüge, die dem Mitarbeiter im jeweiligen Arbeitsverhältnis während eines Monats zufließen, sind zusammenzurechnen. Dabei sind nun auch die Sachbezüge einzubeziehen, bei denen der Arbeitgeber die Lohnsteuer nach den individuellen Merkmalen des Mitarbeiters einbehält (R 8.1 Absatz 3 LStR 2011).  

 

Wichtig: Nicht in die 44-Euro-Grenze einzubeziehen sind geldwerte Vorteile, die unter die besonderen Bewertungsregelungen fallen. Auch pauschal besteuerte Sachbezüge bleiben außer Betracht. 

Gefahrenpotenzial bei mehreren Sachbezügen

Erhebliches Gefahrenpotenzial besteht, wenn Sie einem Mitarbeiter monatlich mehrere geldwerte Vorteile oder Sachbezüge gewähren, auf die die 44-Euro-Grenze anwendbar ist. Kombinieren Sie etwa Sachgeschenke, Waren- und Benzingutscheine, unentgeltliche oder verbilligt überlassene Jobtickets, ist die Grenze schnell überschritten. 

 

Beispiel

Mitarbeiter M kann verbilligt eine Wohnung des Autohaus-Inhabers nutzen. Der geldwerte Vorteil in Höhe von 100 Euro im Monat wird bei M über die Lohnsteuerkarte versteuert. Im März 2011 erhält M einen Benzingutschein im Wert von 40 Euro.  

 

Die 44-Euro-Freigrenze ist auf den Benzingutschein nicht anwendbar. Denn der Vorteil aus dem Benzingutschein überschreitet zusammen mit dem Mietvorteil die 44-Euro-Grenze. Der Bezingutschein unterliegt daher der Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht. 

Gestaltungen mit Gehaltsextras

Um bei der Gewährung mehrerer Sachbezüge ein Überschreiten der 44-Euro-Grenze zu verhindern, sollten Sie etwas zuwenden, bei dem die Freigrenze gar nicht erst anwendbar ist, beispielsweise nicht lohnsteuerbare Aufmerksamkeiten oder lohnsteuerfreie Zuwendungen.  

 

Ausnutzen besonderer Bewertungsregelungen

Bei der 44-Euro-Grenze bleiben auch Sachbezüge außer Ansatz, die unter besondere Bewertungsregelungen fallen. Nicht anwendbar ist die Freigrenze daher beispielsweise bei 

  • der privaten Nutzung von Dienstwagen (§ 8 Absatz 2 Sätze 2 bis 5 EStG) oder
  • der Gewährung von Mahlzeiten anlässlich von Auswärtstätigkeiten oder bei der Gewährung freier Unterkunft und Verpflegung (Grund: Bewertung mit dem amtlichen Sachbezugswert).

 

Ausnutzen der Möglichkeit der Pauschalbesteuerung

Daneben werden auch Sachbezüge nicht auf die 44-Euro-Grenze angerechnet, wenn Sie von der Möglichkeit der Pauschalbesteuerung nach § 40 EStG oder § 37b EStG Gebrauch machen. Sie können die Pauschalversteuerung beispielsweise wählen bei  

  • der Abgabe von arbeitstäglichen Mahlzeiten,
  • Zuwendungen bei Betriebsveranstaltungen,
  • Erholungsbeihilfen,
  • steuerpflichtigen Spesen für Verpflegungsmehraufwendungen während einer Auswärtstätigkeit,
  • der Übereignung eines PC oder bei Barzuschüssen für die Internetnutzung oder
  • Fahrtkostenzuschüssen für die Strecke Wohnung - Arbeitsstätte.

 

Das folgende Beispiel veranschaulicht, wie Sie Gehaltsextras geschickt kombinieren können.  

 

Beispiel

Autohaus-Inhaber A stellt Mitarbeiter M ein betriebliches Handy zur Verfügung, das M auch privat nutzen darf (Kosten: monatlich 40 Euro). Ferner gewährt A dem M monatlich einen Benzingutschein über 44 Euro. Im März schenkt er M einen Präsentkorb über 40 Euro zum Geburtstag. Außerdem findet im März eine Betriebsveranstaltung statt. Der Wert je teilnehmender Person beträgt 150 Euro und wird von A pauschal versteuert. 

 

Die Privatnutzung des Handys ist lohnsteuerfrei (§ 3 Nr. 45 EStG). Das Geburtstagsgeschenk ist eine Aufmerksamkeit und als solche nicht lohnsteuerbar. Durch die Lohnsteuer-Pauschalierung bei der Betriebsveranstaltung wird die 44-Euro-Grenze nicht verbraucht. Deshalb sind diese Sachzuwendungen nicht auf den Benzingutschein anzurechnen. Weil die 44-Euro-Grenze eingehalten wird, bleibt der Benzingutschein lohnsteuer- und sozialabgabenfrei. 

 

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2011 | Seite 12 | ID 143415