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  • 01.06.2005 | Familienrecht

    Gegenstandswerte für einstweilige Anordnungen in Familiensachen (Teil 1)

    von Dipl.-Rechtspfleger Joachim Volpert, Düsseldorf

    Die folgende Übersicht gibt einen Überblick darüber, wie der Gegenstandswert der anwaltlichen Tätigkeit in Verfahren über einstweilige Anordnungen bei anhängiger Ehesache (§ 620 ZPO) und über einstweilige Anordnungen wegen der Leistung von Kostenvorschüssen nach §§ 621fund 127a ZPO zu berechnen ist (zu den Gegenstandswerten in Verbundsachen Volpert, RVG prof. 05, 65; zu denen in isolierten Familiensachen Volpert, RVG prof. 05, 85).  

     

    Verfahren  

    Wertvorschriften  

    Wertberechnung  

    elterliche Sorge  

    (§ 620 Nr. 1 ZPO)  

    § 24 S. 1 RVG  

    (§ 8 Abs. 3 S. 1 BRAGO)  

    Ausgangswert 500 EUR  

    Umgangsrecht 

    (§ 620 Nr. 2 ZPO)  

    § 24 S. 1 RVG  

    (§ 8 Abs. 3 S. 1 BRAGO)  

    Ausgangswert 500 EUR  

     

    Herausgabe des Kindes 

    (§ 620 Nr. 3 ZPO)  

    § 24 S. 1 RVG  

    (§ 8 Abs. 3 S. 1 BRAGO)  

    Ausgangswert 500 EUR  

    Kindesunterhalt 

    (§ 620 Nr. 4 ZPO)  

     

    § 23 Abs. 1 S. 1 RVG, § 53 Abs. 2 S. 1 GKG 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 20 Abs. 2 S. 1 GKG)  

    sechsfacher Monatsbezug  

    Ehegattenunterhalt 

    (§ 620 Nr. 6 ZPO)  

    § 23 Abs. 1 S. 1 RVG, § 53 Abs. 2 S. 1 GKG 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 20 Abs. 2 S. 1 GKG)  

    sechsfacher Monatsbezug  

    Getrenntleben 

    (§ 620 Nr. 5 ZPO)  

    § 23 Abs. 3 RVG  

    (§ 8 Abs. 2 S. 2 BRAGO)  

    Regelwert 4.000 EUR;  

    maximal 500.000 EUR,  

    Hausrat  

    (§ 620 Nr. 7 ZPO)  

    § 23 Abs. 1 RVG, 53 Abs. 2 S. 2 GKG  

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 20 Abs. 2 S. 2 GKG, § 3 ZPO)  

    Festwert: 1.200 EUR  

     

    eheliche Wohnung 

    § 23 Abs. 1 RVG, § 53 Abs. 2 S. 2 GKG 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 20 Abs. 2 S. 2 GKG)  

    Festwert: 2.000 EUR  

     

    Herausgabe und Benutzung von Sachen 

    (§ 620 Nr. 8 ZPO)  

    § 23 Abs. 1 RVG, § 48 GKG,  

    § 3, § 6 ZPO 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 12 GKG, § 3, § 6 ZPO)  

    Wert der herauszugebenden Sachen  

    Maßnahmen nach  

    § 1 GewSchG 

    (§ 620 Nr. 9 ZPO)  

    § 23 Abs. 3 RVG  

    (§ 8 Abs. 2 S. 2 BRAGO)  

    Regelwert: 4.000 EUR;  

    maximal 500.000 EUR  

    Maßnahmen nach  

    § 2 GewSchG 

    (§ 620 Nr. 9 ZPO)  

    § 23 Abs. 1 RVG, § 53 Abs. 2 S. 2 GKG 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 20 Abs. 2 S. 2 GKG)  

    Festwert: 2.000 EUR  

     

    Leistung eines Kostenvorschusses für die Ehesache und Folgesachen 

    (§ 620 Nr. 10 ZPO)  

    § 23 Abs. 1 RVG, § 48 Abs. 1 GKG, § 3, § 6 ZPO 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 12 GKG, § 3, § 6 ZPO)  

    Betrag des verlangten Vorschusses  

    Prozesskostenvorschuss in einer Unterhaltssache  

    (§ 127a ZPO)  

    § 23 Abs. 1 RVG, § 48 Abs. 1 GKG, § 3, § 6 ZPO 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 12 GKG, § 3, § 6 ZPO)  

    Betrag des verlangten Vorschusses  

    Kostenvorschuss für  

    folgende Familiensachen 

    (§ 621f ZPO):  

    • elterliche Sorge
    • Umgangsrecht
    • Herausgabe eines Kindes
    • Versorgungsausgleich
    • Ehewohnung/Hausrat
    • Güterrecht
    • §§ 1382, 1383 BGB
    • Maßnahmen nach §§ 1und 2 GewSchG

    § 23 Abs. 1 RVG, § 48 Abs. 1 GKG, § 3, § 6 ZPO 

    (§ 8 Abs. 1 S. 1 BRAGO, § 12 GKG, § 6 ZPO)  

     

    Betrag des verlangten Vorschusses  

     

    Bei diesen einstweiligen Anordnungen ist Folgendes zu beachten:  

     

    Checkliste: Einstweilige Anordnungen nach §§ 620, 621f u.127a ZPO
    • Bei den einstweiligen Anordnungen betreffend elterliche Sorge, Umgangsrecht und Herausgabe des Kindes liegt ein Wert von 500 EUR zu Grunde. Da es sich bei diesem Wert um einen Ausgangswert handelt, dürfte seine Erhöhung, z.B. bei mehreren Kindern, möglich sein. Wegen des in § 48 Abs. 3 S. 3 GKG geregelten Festwerts für die Hauptsache in Höhe von 900 EUR und wegen § 46 Abs. 1 S. 2 GKG dürfte aber eine Erhöhung über 900 EUR hinaus nicht in Betracht kommen (Hansens/Braun/Schneider, Praxis des Vergütungsrechts, Teil 9 Rn. 656).

     

    • Beim Kindes- und Ehegattenunterhalt wird die Auffassung vertreten, dass neben dem sechsfachen Monatsbezug auch die bei Einreichung des Antrags auf Erlass einer einstweiligen Anordnung fälligen Beträge wegen § 42 Abs. 5 GKG zusätzlich zu berücksichtigen sind (Hansens/Braun/Schneider, a.a.O., Teil 9 Rn. 671, m.w.N.).

     

    • Für die einstweiligen Anordnungen nach § 620 Nrn. 4, 6 bis 10, § 127aund § 621f ZPO fallen als Gerichtsgebühren Wertgebühren nach Nrn. 1420, 1421 und 1422 KV GKG an. Die Werte für diese einstweiligen Anordnungen werden gemäß § 63 Abs. 2 GKG erst mit der Entscheidung über die einstweilige Anordnung festgesetzt, weil die Gebühren erst zu diesem Zeitpunkt fällig werden, vgl. § 6 Abs. 3 GKG. Nach § 32 Abs. 1 RVG ist diese Wertfestsetzung für die Gebühren des Anwalts maßgebend. Nach § 32 Abs. 2 S. 1 RVG kann er die Wertfestsetzungen auch aus eigenem Recht beantragen und Rechtsmittel hiergegen einlegen. Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach § 68 GKG (dazu Onderka, RVG prof. 05, 7).

     

    • Die einstweiligen Anordnungen nach § 620 Nrn. 1bis 3und 5 ZPO sind gerichtsgebührenfrei weil hierfür in Nrn. 1420 bis 1424 KV GKG keine Gebühr vorgesehen ist (Oestreich/Winter/Hellstab, GKG, Nrn. 1700 bis 1704 KV a.F. GKG Rn. 10). Der Anwalt kann den Wert hierfür im Verfahren nach § 33 RVG festsetzen lassen (Burhoff/Volpert, RVG Straf- und Bußgeldsachen, ABC-Teil: Gegenstandswert, Festsetzung [§ 33]).