Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Kosmetische Zahnbehandlung

Verfärbungen sicher entfernen

von Beate Schulz-Brewing, Zahnmedizinische Fachassistentin, Kiel

| Die meisten Patienten, die zur Professionellen Zahnreinigung (PZR) kommen, versprechen sich davon nicht nur die Entfernung der Zahnbeläge und damit eine positive Wirkung für die Zahngesundheit, sondern darüber hinaus den Abtrag aller Zahnverfärbungen. Der Wunsch nach strahlend weißen Zähnen ist groß. Aber nicht immer ist dieser Wunsch zu erfüllen. |

Was vorab geklärt werden sollte

Ob Zahnverfärbungen wirklich entfernbar sind, sollte unbedingt mit dem Patienten vor der PZR vor einem Spiegel geklärt und abgesprochen werden. So können Enttäuschungen vermieden werden. Zu klären ist:

 

  • Wo liegen Verfärbungen innerhalb eines Zahns?
  • Wo gibt es dunkle Füllungsränder und Sprünge in Restaurationen, die nur durch einen Austausch behoben werden können?
  • Wann ist ein professionelles Bleaching zu empfehlen?

Verfärbungen unterscheiden

Rein fachlich unterscheidet man zwischen internen (intrinsischen) - also im Zahnkern befindlichen - und externen (extrinsischen) Verfärbungen, die sich von außen auf die Zahnoberfläche aufgelagert haben.

 

Intrinsische Verfärbungen

Intrinsische Verfärbungen entstehen z. B. durch ältere Wurzelfüllungen, Einblutungen nach Unfällen oder durch bestimmte Medikamenteneinnahmen (Tetrazykline) in der Bildungsphase des Zahnschmelzes. Diese Verfärbungen sind durch eine PZR nicht zu beseitigen. Sie gehören in die Hände eines erfahrenen Behandlers. Hier sind aufwendige Behandlungsverfahren wie z. B. eine Revision der Wurzelfüllung oder ein internes Bleaching notwendig.

 

Verfärbte Füllungen können auf Wunsch des Patienten unter Umständen ausgetauscht werden. Dann muss vorher eine Mehrkostenvereinbarung getroffen werden, denn das Austauschen von Füllungen aus kosmetischen Gründen stellt keine Kassenleistung dar (Vereinbarung nach § 4 Abs. 5 BMVZ bzw. § 7 Abs. 7 EKVZ). Auch die Anfertigung von Veneers oder Kunststoffverblendungen kommt in Betracht.

 

Extrinsische Verfärbungen

Beim Erwachsenen können sich Ablagerungen durch Farbstoffe aus Lebensmitteln oder durch Genussmittel bilden, die sich in das Schmelzoberhäutchen oder in die Feinstrukturen des Zahnschmelzes, in die Perikymatien oder in der interprismatischen Kittsubstanz festsetzen. Häufig sind sie schwer zu entfernen. Besonders hartnäckig sind die Pigmente aus Teerückständen. Roibuschtee oder englischer Schwarztee verfärben stark und nachhaltig. Je nach Belagsbelastung sind auch Rückstände von Beeren, Kaffee, Rotwein, Zigaretten, Zigarren oder Pfeifenrauch extrem schwer zu entfernen. Nach operativen Eingriffen wird mit therapeutischen Spülungen gearbeitet. Chlorhexidinglukonat (CHX) lagert sich an der Plaque an und entsprechende metallische Verfärbungen sind umso ausgeprägter, je länger gespült wird. Auch Spülungen mit Zinnfluorid können zu Verfärbungen führen (meridol, Elmex Erosionsschutz).

 

PRAXISHINWEIS | In der PZR-Sitzung sollte man versuchen, so schonend wie möglich alle Verfärbungen zu beseitigen. Fast schon routinemäßig werden Verfärbungen mit Pulverwasserstrahlgeräten entfernt. Damit werden die stark verdunkelten Interdentalräume besonders gut erreicht.

 

Allerdings sind bei diesem maschinellen Verfahren zwei Aspekte zu beachten:

 

  • 1. Bei Patienten mit Asthma, Bakteriämie, Kontaktlinsen oder Luftemphysemgefahr ist von diesem Verfahren generell abzuraten. Hier muss mit Polierpasten gearbeitet werden.
  • 2. Nur feine moderne Pulver auf Glyzinbasis sind geeignet, die Verfärbungen wirklich schonend zu beseitigen (EMS Soft- oder u. U. Comfortpulver). Meiner Erfahrung nach entfernt auch ein Perio-Pulver, das dann ausnahmsweise supragingival angewandt wird, schonend einen Großteil der Verfärbungen!

 

Nach der Beseitigung des Biofilms lassen sich die meisten Auflagerungen nach wie vor manuell schonend mit Polierpasten beseitigen (Nupro Paste, Zirkate Paste, Cleanic). Ein flächiges Vorarbeiten mit Slim-Tip-Ultraschall-Ansätzen ist hilfreich. Bitte bedenken Sie: Bei sehr starken Verfärbungen sind längere Behandlungszeiten einzuplanen! Einzelne Stellen kann man mit Gummipolierern und sauren Elmex-Gelee (pH-Wert 4,8) nacharbeiten. Mit feinen Keramikpolierern können Sie - nach Rücksprache mit dem Behandler - versuchen, verfärbte Füllungsränder zu glätten und Farbpigmente abzunehmen.

Verfärbungen im Kindergebiss

Da Kinder weniger lang stillsitzen können als Erwachsene, ist es deutlich schwieriger, Verfärbungen zu beseitigen - und es muss deutlich schonender gearbeitet werden. Auch schon im Milch- und Wechselgebiss kann es zu massiven Verfärbungen kommen, auf die die Kinder immer wieder angesprochen werden - und die auch Eltern empfindlich stören. Die Ursachen sind andere als im Erwachsenengebiss.

 

Gelbe Beläge

Regelmäßiges gründliches und richtiges Zähneputzen verhindert das Entstehen von gelblich-grauen Plaques. Bei Kindern bis zu neun Jahren ist das Nachputzen der Eltern immer noch erforderlich, damit auch Außenflächen und Frontzahnbereiche gereinigt werden. Kinder putzen meist nur die Kauflächen der Backenzahnbereiche.

 

Gelbe und orangefarbene Beläge entstehen aber auch nach Antibiotikagaben, außerdem kann es aufgrund hormoneller Umstellungen im Unterkiefer-Frontzahnbereich während des Zahnwechsels zu gelblichen Zähnen kommen. Der Einsatz von Ultraschallinstrumenten oder gar von Airscalern verbietet sich von selbst. Es fehlt der Platz und die Geräusche werden von Kindern nicht akzeptiert. Hier arbeitet man besser vorsichtig mit Küretten und feinen Polierbürsten und einer ausnahmsweise gröberen Polierpaste (Nupro oder Zirkate), damit die gelben Beläge vermindert werden. Mit fortschreitendem Alter verschwinden sie immer mehr von allein.

 

Zahnstein

Auch Kinder können massiven Zahnstein entwickeln, besonders im Unterkiefer-Frontzahnbereich und auch schon im Milchgebiss. Diese ockerfarbenen Ablagerungen werden als Verfärbungen wahrgenommen. Es ist erforderlich, systematisch zu putzen und diese Bereiche nicht zu überspringen. Zur täglichen Reinigung der Zwischenräume empfehlen sich Zahnseide oder Flossetten.

 

Black-Stain

Eine besondere Herausforderung stellen sogenannte Black-Stain-Ablagerungen dar. Bei etwa 4 Prozent der Kinder treten diese auf, winden sich girlandenförmig und tiefschwarz bis dunkelgrün am Zahnfleischrand entlang und sind sehr schwer zu entfernen. Oft ist das ganze Gebiss betroffen, erst nach der Pubertät kommen diese Verfärbungen nicht wieder.

 

Hier muss mehr Zeit für die aufwendige Entfernung eingeplant werden. Eine Assistenz zum Abhalten und Anreichen erleichtert die Arbeit sehr. Hier kommen härtere Gummipolierer, Bürsten und Polierpasten zum Einsatz. Bei größeren Kindern kann mit mehr Toleranz gerechnet werden, hier arbeitet man dann auch mit Slim-Line-Ultraschallansätzen.

 

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)

Treten im Milch- oder Wechselgebiss gelblich braune Verfärbungen im Bereich der Inzisivi und Molaren auf, muss man auch an die - immer häufiger auftretende - MIH denken. Diese Flecken werden durch noch nicht geklärte Mineralisationsstörungen hervorgerufen, sind nicht abpolierbar und gehören in die Hände von erfahrenen Kinderzahnärzten.

 

Unfälle

Das Gleiche gilt für Unfallzähne. Durch Traumata und Unfälle dunkel verfärbte Zähne sind im Kindergebiss nur schwer zu beseitigen. Häufig erledigt sich durch den Zahnwechsel das Problem von allein, u. U. muss mit dem Beseitigen dieser kosmetischen Nachteile bis in das junge Erwachsenenalter hinein gewartet werden. Wichtig ist hier eine sorgfältige Dokumentation, damit auch die wirtschaftlichen Folgen dieser Ereignisse aufgefangen werden können.

 

FAZIT | Vor dem Entfernen von Verfärbungen sind fachliche Beratung und Unterstützung des Patienten bzw. ggf. der Eltern unerlässlich. Man kann gar nicht genug vor aggressiven Pasten, häuslichen Bleachingmitteln, Wundermitteln und Werbeversprechungen warnen, die den Zahnschmelz zusätzlich aufrauen und das Problem immer weiter verschlimmern.

 
Quelle: Ausgabe 02 / 2017 | Seite 4 | ID 44471747