Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww
  • · Article · Vergiftung

    Zyanid-Intoxikation nach Amygdalin-Behandlung

    Die AkdÄ warnt vor der Einnahme von Amygdalin, das zum Beispiel in Pfirsich- und Aprikosenkernen enthalten ist, und dem sehr ähnlichen halbsynthetischen Laetril. Präparate mit diesen Inhaltsstoffen werden im Internet zur Krebsprophylaxe und -therapie beworben. Aus beiden Verbindungen kann Zyanid freigesetzt werden. Anlass ist der Fall eines vierjährigen Jungen mit anaplastischen Ependymom (WHO Grad 3). Etwa 1,5 Jahre nach Erstdiagnose erfolgte in der palliativen Situation eine alternativmedizinische Behandlung mit Amygdalin: Der Junge erhielt täglich „Vitamin B17“ (Amygdalin) i.v. sowie zusätzlich circa zehn bittere Aprikosenkerne pro Tag oral. Ferner wurden ihm Vitaminpräparate, Spurenelemente sowie Mikrogrünalgen verabreicht. Fünf Tage nach Therapiebeginn nahm er erstmalig 500 mg eines Amygdalin-Präparates oral ein. 15 Minuten später wurde der Junge plötzlich agitiert, er verkrampfte Arme und Hände und verdrehte die Augen. Das Kind wurde mit Verdacht einer Zyanid-Intoxikation in die Klinik eingeliefert. Der Zyanid-Blutspiegel lag bei 514 µg/l (toxisch: > 200 µg/l). Nach Gabe des Antidots Natriumthiosulfat besserte sich der Zustand des Jungen. Er wurde nach zwei Tagen entlassen.

     

    Quelle

    • Mitteilung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft vom 12. Dezember 2014

     

    Volltext

    Quelle: Ausgabe 02 / 2015 | Seite 19 | ID 43153024