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01.03.2006 | Sportvereine

Bezahlte Sportler – Eine Gefahr für den Verein?

von Dipl.-Finw. Hans-Jürgen Fuchs, Steinwenden

Als Sportvereine sind alle gemeinnützigen Körperschaften zu verstehen, bei denen die Förderung des Sports im Sinne von § 52 Abs. 2 Nr. 2 AO als Satzungszweck festgelegt ist und deren tatsächliche Geschäftsführung diesem Satzungszweck auch entspricht. Unabhängig davon, ob solche Vereine an Meisterschaftsrunden teilnehmen, Schauauftritte durchführen oder regelmäßig sonstige Wettbewerbe ausrichten, haben sie alle etwas gemeinsam: In der Praxis droht immer wieder das „Damoklesschwert“, dass einzelne Veranstaltungen als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb eingestuft werden. Diese Gefahr ist besonders groß, wenn bezahlte Sportler teilnehmen. Die möglichen Folgen werden von den Verantwortlichen meist unterschätzt. Denn neben „unschönen“ steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Folgen drohen den Vereinen bzw. ihren gesetzlichen Vertretern auch haftungsrechtliche Konsequenzen. Worauf im Einzelfall geachtet werden muss, wird in diesem Beitrag dargestellt. 

1. Der Begriff „Sportliche Veranstaltung“

Unter sportlichen Veranstaltungen sind nach der Rechtsprechung des BFH (25.7.96, BStBl II 97, 154) die organisatorischen Maßnahmen eines Vereins zu verstehen, die es sowohl Mitgliedern als auch Nichtmitgliedern ermöglichen, Sport zu treiben. Dazu gehört auch das Training. Eine sportliche Veranstaltung liegt auch dann vor, wenn ein Sportverein bei einer anderen Person oder Körperschaft eine sportliche Darbietung durchführt, die dem Satzungszweck dient (AEAO zu § 67a Nr. 3 und BFH 4.5.94, BStBl II, 886 zu Formationstanz als Schauaufttritt). Dass der Auftritt im Rahmen einer nicht steuerbegünstigten Veranstaltung erfolgt, ist insoweit unschädlich.  

 

Auf alle Sportarten bezogen gelten als sportliche Veranstaltungen einzelne Wettbewerbe, die in einem engen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang durchgeführt werden (AEAO zu § 67a Nr. 23 S. 1 und 2). Für Sportarten mit Meisterschaftsrunden (z.B. Fußball, Handball, Eishockey usw.) ist deshalb nicht die Meisterschaftsrunde, sondern jedes Meisterschaftsspiel gesondert als sportliche Veranstaltung zu werten. Bei Turniersportarten ist die Beurteilung davon abhängig, ob für jedes Spiel gesondert Einnahmen erhoben werden und ob die Einnahmen und Ausgaben für jedes Spiel gesondert ermittelt werden (AEAO zu § 67a Nr. 23 S. 4). 

2. Zweckbetrieb oder wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb?

Soll ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb vermieden und die optimale Wahl für den Verein getroffen werden, hat der Verein die Zweckbetriebsgrenze im Sinne von § 67a Abs. 1 S. 1 AO von 30.678 EUR bzw. – bei Ausübung der Option nach § 67a Abs. 2 AO und damit Verzicht auf die Anwendung der Zweckbetriebsgrenze – die Teilnahme von bezahlten Sportlern zu beachten. 

 

De Facto hat der Verein also ein Wahlrecht zur Beurteilung sportlicher Veranstaltungen unter Anwendung der Zweckbetriebsgrenze oder nach dem Kriterium „bezahlter Sportler“. Letztendlich wird sich die Entscheidung an den gewünschten Verlustverrechnungsmöglichkeiten des Vereins orientieren (zur Option und den rechtlichen Folgen siehe GStB 05, 329 ff.). 

 

2.1 Ist die Zweckbetriebsgrenze überschritten?

Für die Beurteilung der Zweckbetriebsgrenze sind die Einnahmen aller sportlichen Veranstaltungen zusammenzurechnen. Wird die Grenze nicht überschritten, handelt es sich kraft Gesetzes auch bei Teilnahme bezahlter Sportler um einen steuerbegünstigten Zweckbetrieb. Die Mittelherkunft für die Bezahlung der Sportler ist ohne Bedeutung (AEAO zu § 67a Nr. 17 S. 1 und 2). Bei Option sind alle sportlichen Veranstaltungen mit bezahlten Sportlern als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln, Veranstaltungen mit nur unbezahlten Sportlern bleiben Zweckbetrieb. Als Folge ergibt sich die Möglichkeit des Verlustausgleichs mit Mitteln aus dem ideellen Bereich. 

 

Bei Überschreiten der Zweckbetriebsgrenze sind alle sportlichen Veranstaltungen des Vereins als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln, unabhängig davon, ob bezahlte oder unbezahlte Sportler teilgenommen haben (AEAO zu § 67a Nr. 1). Sie sind dann zusammen mit den übrigen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben des Vereins als ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln (§ 64 Abs. 2 AO). Wird optiert, ist für jede sportliche Veranstaltung getrennt zu beurteilen, ob bezahlte Sportler oder nur Amateure teilgenommen haben. Die Teilnahme eines bezahlten vereinseigenen oder vereinsfremden Sportlers führt stets dazu, dass diese Veranstaltung als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb behandelt wird, auch wenn die übrigen Teilnehmer als unbezahlte Sportler gelten. Auch bei Teilnahme eines vereinseigenen bezahlten Sportlers sind somit alle sportlichen Veranstaltungen, an denen dieser teilgenommen hat, als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln (AEAO zu § 67a Nr. 25 S. 1). 

 

2.2 Wer gilt als bezahlter Sportler?

Im Amateurbereich dient Sport regelmäßig der Steigerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit sowie zur Freizeitgestaltung. Er ist als Selbstzweck anzusehen und wird nicht des Entgelts wegen ausgeübt (AEAO zu § 67a Nr. 31 und 32).  

 

Als bezahlter Sportler ist daher anzusehen, wer 

  • als Sportler des Vereins
  • monatlich Zahlungen gegen Einzelnachweis vom Verein erhält, die höher als 358 EUR/Monat im Jahresdurchschnitt sind, oder
  • Zahlungen oder andere Vorteile vom Verein oder von Dritten über eine Aufwandsentschädigung hinaus erhält, die für die sportliche Betätigung, die Benutzung der Person, seines Namens oder Bilder sowie seiner sportlichen Betätigung zu Werbezwecken gezahlt werden (siehe § 67a Abs. 3 S. 1 Nr. 1 AO),

 

Für die Beurteilung, inwieweit die Grenze von 358 EUR erreicht bzw. überschritten wurde, sind alle Vergütungen (z.B. laufende Zahlungen) und Vorteile (z.B. aus der Überlassung eines Pkw) einzubeziehen. Zuwendungen der deutschen Sporthilfe oder der Sporthilfe Berlin sind nicht auf die Aufwandspauschale anzurechnen (AEAO zu §67a Nr. S. 1 und 2). Als Aufwand gelten alle Kosten und Aufwendungen, die dem Grunde nach Betriebsausgaben oder Werbungskosten darstellen (AEAO zu §67a Nr. 31 S. 3). Entscheidend sind also der konkrete Aufwand und die Vergütung des Sportlers (BFH 21.3.02, BFH/NV 02, 1012). Eine Aufteilung der Zahlungen und Vorteile auf den steuerbegünstigten Zweckbetrieb bis zur Höhe von 358 EUR je Monat sowie auf den steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb für den übersteigenden Betrag ist nicht zulässig. 

 

Ferner ist zwischen der steuerlichen Beurteilung als steuerbegünstigter Zweckbetrieb sowie den lohnsteuerlichen Konsequenzen für den Arbeitgeber zu unterscheiden. Ob es sich bei den Entgelten und Vorteilen um für den steuerbegünstigten Zweckbetrieb unschädlichen Aufwandsersatz handelt oder ob sie im Rahmen eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs gezahlt wurden, ist lohnsteuerlich ohne Bedeutung. 

 

Als vereinseigene Sportler im Sinne von § 67a Abs. 3 AO sind alle Personen anzusehen, die für den Verein einzeln oder in einer Mannschaft auftreten. Eine Mitgliedschaft im Verein wird nicht vorausgesetzt (AEAO zu § 67a Nr. 30 S. 1). Durch die Unterscheidung zwischen vereinseigenen und vereinsfremden Sportlern obliegt dem Verein hinsichtlich seiner Sportler eine erhöhte Beweislast, welche Zahlungen der Sportler insgesamt für seine sportliche Betätigung erhalten hat. 

 

Beispiel 1

Der TUS Rastlos veranstaltet ein Leichtathletik-Meeting, an dem Sportler aus ganz Deutschland teilnehmen. Vom veranstaltenden Verein nimmt der Sprinter Fritze Flink (F) teil. Während F keinerlei finanzielle Unterstützung vom TUS Rastlos oder von Dritten bekommt, erhalten die anderen Teilnehmer Zahlungen von 1.000 EUR von ihren Heimatvereinen. Die tatsächlichen Aufwendungen liegen je Sportler bei ca. 250 EUR. 

 

Lösung: Das Leichtathletik-Meeting ist als steuerbegünstigter Zweckbetrieb des TUS Rastlos im Sinne von § 67a Abs. 1 Satz 1 AO einzustufen. Der teilnehmende vereinseigene Sportler F erhält weder vom Verein noch von Dritten eine Bezahlung oder Vorteile und gilt deshalb nicht als bezahlter Sportler. 

 

Die teilnehmenden vereinsfremden Sportler gelten für den veranstaltenden TUS Rastlos nur dann als bezahlte Sportler, wenn sie vom veranstaltenden Verein oder von Dritten im Zusammenwirken mit dem Verein für die Teilnahme über die tatsächliche Aufwandsvergütung hinaus Vergütungen oder Vorteile erhalten. Dies ist hier nicht der Fall. Die Tatsache, dass die teilnehmenden vereinsfremden Sportler bei ihren Heimatvereinen als bezahlte Sportler gelten könnten, ist unerheblich. Für die Beurteilung ist allein entscheidend, von wem der vereinsfremde Sportler bezahlt wird. 

 

 

Beispiel 2

Beim Leichtathletik-Meeting (s. Beispiel 1) bekommen die Sieger der einzelnen Disziplinen jeweils eine Siegprämie. F war besonders gut vorbereitet und gewann den 100-m-Sprint in neuem Vereinsrekord. Er kassierte dafür vom Verein die Siegprämie von 750 EUR. Seine Aufwendungen im Zusammenhang mit der Teilnahme am Wettbewerb betrugen nur 100 EUR. Bei den anderen Siegern deckte die Prämie gerade die entstandenen Kosten. 

 

Lösung: Auch Siegprämien gelten als Zahlungen im Sinne von § 64 Abs. 1 S. 1 AO (AEAO zu § 67a Nr. 34 S. 3). Im Gegensatz zu Beispiel 1 erhält F vom veranstaltenden Verein TUS Rastlos Zahlungen, die seinen Aufwand übersteigen. F ist nunmehr als bezahlter Sportler und die Veranstaltung (hier: 100-m-Sprint) demnach als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln. Ferner sind alle sportlichen Veranstaltungen des TUS Rastlos, an denen F teilgenommen hat, damit als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb einzustufen. 

 

Demgegenüber gelten die vereinsfremden Sportler nicht als bezahlte Sportler, da die Siegprämie lediglich die tatsächlich entstandenen Aufwendungen ersetzt. Die Bezahlung durch die Heimatvereine bleibt für die Beurteilung der Veranstaltung als steuerbegünstigter Zweckbetrieb unschädlich, da diese nicht durch den TUS Rastlos und auch nicht infolge seiner Zusammenarbeit durch Dritte erfolgt. 

 

Beispiel 3

Hugo Kraftlos (K) vom benachbarten LAC Weiche Knie trainierte zur Vorbereitung besonders hart und gewann das Kugelstoßen. Er kassierte dafür vom veranstaltenden Verein TUS Rastlos wie F eine Siegprämie von 750 EUR. Seine Aufwendungen im Zusammenhang mit der Teilnahme am Wettbewerb betrugen 300 EUR, der nachgewiesene Aufwand von F betrug 800 EUR. Der Bauunternehmer Balduin Mörtel (M) sieht die Veranstaltung als günstige Gelegenheit, für seine Firma zu werben. Nach Absprache mit dem Verein erhält F von M für das Anbringen des Firmenlogos auf dem Trikot eine Einmalzahlung von 350 EUR. Der Verein erhält keine Vergütung von M. 

 

Lösung: Die Zahlung der Siegprämie durch den Verein an F ist unschädlich, da der tatsächliche Aufwand über der Siegprämie liegt. Für die Bereitstellung seiner sportlichen Betätigung/seiner Person als Werbeträger erhält F jedoch von M eine Zahlung, die über eine Aufwandsentschädigung hinausgeht. F gilt deshalb steuerlich als bezahlter Sportler. Auch K gilt als bezahlter Sportler des TUS Rastlos, da die vom Verein erhaltene Siegprämie deutlich über dem tatsächlichen Aufwand liegt. Die Veranstaltung ist sowohl aus Sicht des vereinseigenen als auch des vereinsfremden Sportlers als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln. 

 

Ratschlag: Vereine sollten sich von ihren vereinseigenen Sportlern jährlich bestätigen lassen, dass sie keine Zahlungen oder sonstige Zuwendungen von Dritten erhalten haben, die die zulässige Aufwandsentschädigung übersteigen. 

 

Ferner sollte sich der Verein aus haftungsrechtlichen Gründen den tatsächlichen Aufwand sowohl von vereinseigenen als auch von vereinsfremden Sportlern anhand geeigneter Unterlagen (z.B. Fahrtenbuch, Übernachtungsbelege usw.) nachweisen lassen und zumindest als Kopie zu den Unterlagen der Veranstaltung oder zum Auszahlungsbeleg nehmen. 

3. Behandlung von Ablösezahlungen

Die Beurteilung als unbezahlter bzw. bezahlter Sportler hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die Behandlung von Ablösezahlungen beim abgebenden und beim aufnehmenden Verein. 

 

3.1 Abgebender Verein

Ablösezahlungen sind bei steuerbegünstigten Vereinen für die Gemeinnützigkeit nicht schädlich. Die Zahlungen sind als Einnahmen beim 

 

  • steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb „sportliche Veranstaltungen“ zu erfassen, wenn der Sportler in den letzten zwölf Monaten vor Abgabe als bezahlter Sportler galt, bzw.

 

  • dem steuerbegünstigten Zweckbetrieb „sportliche Veranstaltungen“ zuzurechnen (AEAO zu § 67a Nr. 38), soweit es sich in den letzten zwölf Monaten um einen unbezahlten Sportler handelte.

 

3.2 Aufnehmender Verein

Die Zahlung von Ablösungen ist beim aufnehmenden Verein für seine Gemeinnützigkeit unschädlich, soweit es sich in den ersten zwölf Monaten nach dem Vereinswechsel um einen 

 

  • bezahlten Sportler handelt und die Zahlung aus steuerpflichtigen Geschäftsbetrieben geleistet wurde bzw.

 

  • unbezahlten Sportler handelt und ausschließlich dem abgebenden Verein die Ausbildungskosten bis zu einer Höhe von 2.557 EUR ohne deren Nachweis erstattet werden. Übersteigt die Erstattung der Ausbildungskosten den vorgenannten Betrag, sind die tatsächlichen Aufwendungen (z.B. Trainerkosten, Material- und Ausrüstungskosten) nachzuweisen (AEAO zu § 67a Nr. 39).

 

Durch die Zahlung für die Freigabe des Spielers erwirbt der aufnehmende Verein dessen Spielerlaubnis. Handelt es sich nicht lediglich um den Ersatz der Ausbildungskosten, führt die Ablösezahlung zu Anschaffungskosten eines entgeltlich erworbenen immateriellen Wirtschaftsgutes des Anlagevermögens. Dieses ist bei bilanzierenden Vereinen nach § 8 Abs. 1 S. 1 KStG i.V.m. § 5 Abs. 2 EStG zu aktivieren und auf die Dauer der Spiel­erlaubnis (= Nutzungsdauer) abzuschreiben (BFH 26.8.92, BStBl II, 977). Im Rahmen der Einnahmen-/Überschussrechnung ist das Wirtschaftsgut in das Anlagenverzeichnis aufzunehmen, und die Abschreibungsbeträge sind als Betriebsausgaben abziehbar. 

 

Beispiel 4

Der Fußballverein FC Sieglos spielt in der Landesliga. Die Spieler erhalten vom Verein außer der Erstattung der Fahrtkosten für Fahrten zu Auswärtsspielen mit dem eigenen Pkw keine weiteren Zahlungen. Das Stürmertalent des Nachbarvereins SV Sorglos Rudi Bomber (B) sieht seine künftigen sportlichen Perspektiven beim FC Sieglos und wechselt in der Sommerpause. Für den Wechsel zahlt der FC Sieglos eine Ablösesumme von 1.000 EUR aus den Eintrittsgeldern des Spielbetriebes an den Nachbarverein. B erhält wie alle anderen Spieler vom FC Sieglos lediglich die Fahrtkosten mit dem eigenen Pkw zu den Auswärtsspielen vergütet. 

 

Lösung: Die Zahlung der Ablösesumme ist für den FC Sieglos hinsichtlich seiner Gemeinnützigkeit unschädlich. Grundsätzlich kann es sich bei den Spielern um Arbeitnehmer oder um selbstständig für den Verein tätige Personen handeln. Bei Mannschaftssportarten wird jedoch in der Regel ein Arbeitsverhältnis angenommen (EFG 99, 1125; EFG 01, 136). Die Zahlungen der Fahrtkosten durch den Verein an die Spieler, insbesondere an B, sind als Reisekostenvergütungen des Arbeitgebers anzusehen, die nach § 3 Nr. 16 EStG i.V.m. R 37 bis 40a LStR steuerfrei ausgezahlt werden können. B gilt deshalb als unbezahlter Sportler des FC Sieglos. Ferner ist die Ablösezahlung als Ersatz der Ausbildungskosten anzusehen und wurde aus den Einnahmen des steuerbegünstigten Zweckbetriebes geleistet.  

 

4. Aufwendungen bei sportlichen Veranstaltungen

Die Beurteilung von Aufwendungen eines Vereins für seine Sportler entspricht grundsätzlich der Behandlung der sportlichen Veranstaltungen, an denen diese teilnehmen. 

 

4.1 Vergütungen an Sportler

Zu den Aufwendungen einer sportlichen Veranstaltung gehören u.a. auch die Vergütungen für die teilnehmenden Sportler. Im Rahmen des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs „sportliche Veranstaltung“ sind die Vergütungen für bezahlte Sportler aus den Einnahmen dieser Veranstaltung, anderen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben oder durch Dritte zu leisten. Eine Berücksichtigung von Vergütungen an bezahlte Sportler im steuerbegünstigten Bereich auch anteilig bis zur Höhe der Aufwandspauschale ist nicht erlaubt (AEAO zu § 67a Nr. 26 S. 3). 

 

Nehmen an der selben Veranstaltung auch unbezahlte Sportler teil, werden diese durch die Teilnahme von bezahlten Sportlern nicht selbst zu bezahlten Sportlern (AEAO zu § 67a Nr. 36 S. 1). Durch deren Teilnahme wird auch die Behandlung der Veranstaltung als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb nicht beeinflusst (AEAO zu §67a Nr. 25 S. 4). Ggf. geleisteter Aufwandsersatz an unbezahlte Sportler für die Teilnahme an einer steuerpflichtigen sportlichen Veranstaltung mit bezahlten Sportlern ist grundsätzlich wie die übrigen Kosten auch im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zu berücksichtigen. Die Aufwendungen sind in diesem Fall ebenfalls aus den Einnahmen der Veranstaltung, anderen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben oder von Dritten zu leisten. Soweit lediglich Ersatz von Aufwendungen bis zur Höhe der Aufwandspauschale aus Mitteln des ideellen Bereichs geleistet wird, ist dies unschädlich. Allerdings dürfen diese Aufwendungen den Gewinn/Überschuss des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs nicht mindern (AEAO zu § 67a Nr. 27 S. 5). 

 

4.2 Trainingskosten

Häufig werden gerade bei Mannschaftssportarten sowohl bezahlte als auch unbezahlte Sportler gemeinsam trainiert (z.B. Fußball, Handball, usw.). Es stellt sich dann die Frage, ob und ggf. wie die Aufwendungen aufzuteilen sind. Allerdings sind vorweg Aufwendungen für gemeinsame Trainingseinheiten, die auf eine konkrete als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandelnde sportliche Veranstaltung gerichtet sind, diesem Geschäftsbetrieb gesondert als Betriebsausgaben zuzurechnen (AEAO zu § 67a Nr. 29). Die Vereinfachungsregelung zur Aufwandspauschale an unbezahlte Sportler gilt entsprechend. 

 

Soweit das Training nicht auf die Teilnahme an einer bestimmten Veranstaltung gerichtet ist, sind die damit im Zusammenhang stehenden Aufwendungen aufzuteilen (AEAO zu § 67a Nr. 28). Die Aufteilung hat sich dabei hinsichtlich des Aufteilungsmaßstabes an den Gegebenheiten des Einzelfalles zu orientieren (z.B. Anzahl der teilnehmenden Mannschaften oder Sportler, Stundenaufzeichnungen durch den Trainer usw.). 

 

4.3 Spielertrainer

Gerade im Amateurbereich ist es weit verbreitet, dass Trainer auch als Sportler am aktiven Sportbetrieb des Vereins teilnehmen. Erhält diese Person Vergütungen oder Vorteile vom Verein, so stellt sich für die Finanzverwaltung die Frage, ob die Zahlungen/Vorteile für die Tätigkeit als Trainer oder für das Auftreten für den Verein als Sportler gewährt werden. Für die Beurteilung einer sportlichen Veranstaltung als steuerbegünstigter Zweckbetrieb ist es unschädlich, wenn durch den Verein oder Dritte ausschließlich die Trainertätigkeit oder die Aufwendungen für das Auftreten als Sportler des Vereins vergütet werden (AEAO zu § 67a Nr. 35)

 

Aufwendungen im Zusammenhang mit Reisekosten können den einzelnen Meisterschaftsspielen und somit den jeweiligen Zweckbetrieben unmittelbar zugerechnet werden. Der durch die Trainertätigkeit entstandene Aufwand kann im Verhältnis der durchgeführten Trainingseinheiten aufgeteilt werden (im Bsp. 5 wären das 60:40). 

 

Beispiel 5

Die 1. Mannschaft (ausschl. unbezahlte Sportler) des FC Sieglos wird in der neuen Saison wie auch die Jugendmannschaft von Willi Wiesel (W), einem ehemaligen Bundesligaspieler aus dem Nachbarort (Entfernung 25 km), trainiert. Das Training der 1. Mannschaft findet 3 x pro Woche und für die Jugendmannschaft 2 x pro Woche statt. Gleichzeitig nimmt W als aktiver Spieler am Spielbetrieb teil. W erhält für das Durchführen des Trainings vom Verein eine monatliche Vergütung von 600 EUR. Zusätzlich bekommt W für Fahrten zu Auswärtsspielen beider Mannschaften mit dem eigenen Pkw Fahrtkosten von 0,30 EUR/km. 

 

Lösung: Zahlungen des Vereins für die Tätigkeit als Trainer sind in die Beurteilung der Zweckbetriebseigenschaft der Meisterschaftsspiele beider Mannschaften nicht einzubeziehen, da diese nicht für das Auftreten als Sportler an W entrichtet werden. Als Spieler erhält W lediglich Ersatz seiner Aufwendungen nach reisekostenrechtlichen Grundsätzen. Daher sind die Zahlungen für die Zweckbetriebseigenschaft der Spiele der 1. Mannschaft ebenfalls unschädlich. 

 

Beispiel 6

Wie Beispiel 5, allerdings erhält W zusätzlich zu seiner Vergütung als Trainer und den Reisekosten eine monatliche Pauschale von 400 EUR für seine Einsätze als Spieler von einem Mäzen des Vereins. 

 

Lösung: Die Zahlungen für die Trainertätigkeit sind wie in Lösung 5 nicht in die Beurteilung der Zweckbetriebseigenschaft der Spiele einzubeziehen. Anders verhält es sich bei den von dem Mäzen als Drittem geleisteten Zahlungen für Spieleinsätze. Diese wurden für sein Auftreten als Sportler geleistet. Die Zahlungen von 400 EUR/mtl. zzgl. Reisekosten liegen über der Grenze von 358 EUR im Jahresdurchschnitt. W ist deshalb als bezahlter Sportler zu beurteilen. Gleichzeitig sind alle Meisterschaftsspiele, an denen W teilnimmt, als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln. Soweit W nicht an Spielen teilnimmt, sind diese als Zweckbetrieb zu behandeln, da ausschließlich unbezahlte Sportler teilnehmen. Die Spiele der Jugendmannschaft bleiben Zweckbetrieb, da W daran ebenfalls nicht teilnimmt. 

 

Hinsichtlich der Reisekosten können diese wie in Lösung 5 direkt den einzelnen Spielen und somit den entsprechenden Zweckbetrieben bzw. steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben zugerechnet werden. Die Zuwendungen für die Trainertätigkeit sind wie im vorhergehenden Beispiel im Verhältnis 60:40 zwischen beiden Mannschaften aufzuteilen. Ferner sind die anteiligen Aufwendungen für die 1. Mannschaft entsprechend der Anzahl der Spiele, an denen W teilgenommen bzw. nicht teilgenommen hat, den jeweiligen Zweckbetrieben bzw. steuerpflichtigen Geschäftsbetrieben zuzurechnen. 

 

Achtung: Verluste aus steuerpflichtigen sportlichen Veranstaltungen führen zu einem Verstoß gegen § 55 AO, soweit diese nicht durch Gewinne aus anderen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben, Zahlungen Dritter oder durch besondere Umlagen – unter keinen Umständen aber durch eine Spendenaktion – ausgeglichen werden können. Die Folge: Es droht der Verlust der Gemeinnützigkeit und als weitere Konsequenz ggf. eine Nachversteuerung früherer gemeinnütziger Jahre des Vereins. Dies kann bis zu zehn Jahre betreffen. 

 

Quelle: Ausgabe 03 / 2006 | Seite 93 | ID 87342