Ausgabe 05/2002, Seite 8

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BG-Abrechnung

Vorstellungspflichten und Abrechnungsbestimmungen beim Arbeitsunfall

Wenn ein Patient wegen eines Arbeitsunfalls die hausärztliche Praxis aufsucht, sind einige Regeln zu beachten, die sowohl den Ablauf der Behandlung als auch die Abrechnung betreffen. Wir haben für Sie in diesem Beitrag die wichtigsten Grundlagen zusammengefasst.

Was ist ein Arbeitsunfall?

Ein Arbeitsunfall liegt vor, wenn eine versicherte Person bei einer versicherten Tätigkeit einen Unfall mit einem Köperschaden erleidet. Unfälle sind zeitlich begrenzte, plötzlich von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse (zum Beispiel Schlag, Sturz), die einen Gesundheitsschaden hervorrufen. Als Arbeitsunfall gilt auch ein Unfall, der sich auf dem Weg zu oder von der Arbeitsstätte (zum Beispiel Betrieb, Schule, Kindergarten) ereignet hat. Einem Arbeitsunfall gleichgestellt ist eine anerkannte Berufskrankheit.

Die Leistungen des Unfallversicherungsträgers

Aufgabe des Unfallversicherungsträgers ist, mit allen geeigneten Mitteln und zum frühestmöglichen Zeitpunkt einen Unfallverletzten zu rehabilitieren – unabhängig davon, ob die vom Unfallversicherungsträger gewährten Maßnahmen im Rahmen der allgemeinen oder besonderen Heilbehandlung erfolgen. Die Unfallversicherungsträger sind berechtigt, jederzeit darüber zu entscheiden, welche Versorgungsmaßnahmen als geboten angesehen werden und auf welche Weise diese einzuleiten sind.

Die Aufgabe des Arztes

Für die rechtliche Entscheidung des Unfallversicherungsträgers darüber, ob ein Arbeitsunfall vorliegt, sind die Feststellungen des Arztes bedeutsam. Deshalb sind die eingehende Befragung des Verletzten sowie eine sorgfältige Dokumentation und Berichterstattung wichtig, wobei die besonderen Vorstellungspflichten zu beachten sind. Diese Vorstellungspflichten resultieren aus dem Sicherstellungsauftrag des Unfallversicherungsträgers für eine qualifizierte unfallmedizinische Versorgung des Verletzten.

Die Überweisungspflichten des Arztes

Die Vorstellung beim Durchgangsarzt ist erforderlich,

  • wenn die Unfallverletzung über den Unfalltag hinaus zu Arbeitsunfähigkeit führt oder
  • die Behandlungsbedürftigkeit voraussichtlich mehr als eine Woche beträgt oder
  • ein Wiedererkrankungsfall vorliegt.

Auf die Vorstellung kann auch nicht verzichtet werden, wenn der behandelnde Arzt die Verordnung von Heilmitteln für erforderlich hält. Von dieser Pflicht kann sich der Arzt mit Zustimmung der Berufsgenossenschaft jedoch befreien lassen. Dies dürfte insbeson-dere für die Behandlung von Verletzten mit festgestellten Langzeitschäden sinnvoll sein, die durch Hausärzte betreut werden.

Der D-Arzt sollte 80 Prozent aller ihm vorgestellten Fälle der allgemeinen Heilbehandlung zuordnen und an den Arzt zur allgemeinen Heilbehandlung rücküberweisen, den der Verletzte als seinen Hausarzt benennt. Bei dem Prozentsatz handelt es sich um einen Erfahrungswert, der aus den D-Arzt-Berichten gewonnen wurde. Die Vorstellung beim Durchgangsarzt erfolgt mit dem Vordruck F 2900 (Überweisungsvordruck). Das Ausstellen dieses Vordrucks nach der Nr. 145 wird mit 3,49 EUR honoriert.

Eine Vorstellung beim Augen- oder HNO-Arzt ist immer dann erforderlich, wenn eine isolierte Verletzung im Bereich von Augen oder Hals, Nasen, Ohren vorliegt, aber auch in Fällen, in denen diese Organe mitverletzt sind. Eine Vorstellung mittels ÜW-Vordruck erübrigt sich dann, wenn durch die Erstbehandlung eine anschließende fachärztliche Behandlung nicht erforderlich ist.

Besteht die Möglichkeit, dass bei einem Versicherten eine krankhafte Hautveränderung durch eine berufliche Tätigkeit im Sinne der Berufskrankheitenverordnung entsteht, wiederauflebt oder sich verschlimmert, ist der Patient dem Hautarzt vorzustellen.

Beachten Sie: Unabhängig von den genannten Vorstellungspflichten besteht die Möglichkeit, den Unfallverletzten auch in anderen Fällen – zum Beispiel bei unklaren Befunden – einem D-Arzt vorzustellen.

Vergütungsregelungen für den Hausarzt

Ärzte, die nicht zur Durchführung der besonderen Heilbehandlung berechtigt sind, versorgen Unfallverletzte grundsätzlich im Rahmen der allgemeinen Heilbehandlung, wenn die Unfallverletzung über den Unfalltag hinaus nicht zur Arbeitsunfähigkeit führt und/oder die Behandlungsbedürftigkeit voraussichtlich weniger als eine Woche beträgt. In diesen Fällen hat der behandelnde Arzt unverzüglich den Vordruck F 1050 (Ärztliche Unfallmeldung) zu erstatten. Für diese Unfallmeldung ist die Nr. 125 der UV-GOÄ mit einem Betrag von 6,19 EUR, zuzüglich Porto, in Rechnung zu stellen.

Wird der Unfallverletzte jedoch unmittelbar oder nach der Erstversorgung durch den primär in Anspruch genommenen Arzt einem D-Arzt vorgestellt, so entfällt die Bericht-erstattung nach Vordruck F 1050, weil der Unfallversicherungsträger durch den D-Arzt-Bericht Kenntnis vom Unfall bekommt. Leistungen der Erstversorgung sind nach den Sätzen der allgemeinen Heilbehandlung zu berechnen und sollen den Rahmen des sofort Notwendigen nicht überschreiten.

Der Hausarzt führt die unfallbedingte Behandlung als allgemeine Heilbehandlung nach den Sätzen der UV-GOÄ durch. Zusätzlich können neben den ärztlichen Leistungen die besonderen Kosten nach dem BG-NT berechnet werden. Diese lassen die Unfallversicherungsträger auch im ambulanten Bereich gelten.

Fordert der Unfallversicherungsträger Abschriften von Krankengeschichten oder Auszüge daraus an, so kann ein Pauschsatz von 12,37 EUR, zuzüglich Porto, berechnet werden. Es handelt sich hierbei grundsätzlich um Informationen, die in unmittelbarem oder mittelbarem Zusammenhang mit dem Unfall stehen. Die Unterlagen müssen vom Arzt durchgesehen und deren Richtigkeit muss bescheinigt werden.

Beachten Sie: Für die Übersendung der Rechnung kann kein Porto berechnet werden.

Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit

Grundsätzlich ist für die Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung der behandelnde Arzt des Unfallverletzten verantwortlich. Weist der D-Arzt den Unfallverletzten an den Hausarzt zur allgemeinen Heilbehandlung zurück, so stellt dieser in der Regel die AU-Bescheinigung aus. Ausnahmen gelten dann, wenn der Unfallverletzte seinen Hausarzt nicht aufsuchen kann, um innerhalb der Frist von drei Tagen seinem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen zu können. Als Vergütung erhält der Arzt nach Nr. 143 UV-GOÄ einen Betrag von 2,74 EUR.

Merke: Benötigt ein Schüler ein Attest, dass er unfallbedingt am Unterricht nicht teilnehmen kann oder von bestimmten schulischen Veranstaltungen (zum Beispiel Schulsport) befreit werden möchte, besteht kein Honoraranspruch gegenüber dem Unfallversicherungsträger. Das Ausstellen dieser Bescheinigung ist privat nach der GOÄ zu vergüten.

Vergütungsregelungen in den neuen Bundesländern

In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin(Ost), Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist auf die Gebühren für ärztliche Leistungen ein Abzug von 10 Prozent vorzunehmen. Es gilt der Ort der Leistungserbringung. Auf die Gebühren für Berichte und Gutachten (Nrn. 110 bis 191) ist kein Abschlag vorzunehmen. Dies gilt auch für die besonderen Kosten nach dem BG-NT und den Auslagenersatz.

Quelle: Abrechnung aktuell - Ausgabe 05/2002, Seite 8

Quelle: Ausgabe 05 / 2002 | Seite 8 | ID 100056