Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Teambildung

Integration von MFA mit Migrationshintergrund

von Derya Zeyrek, sentez - Texte | Übersetzungen | Diversity, Köln

| Häufig fällt es dem Team nicht ganz leicht, mit neuen Kollegen warm zu werden (siehe PPA 11/2010, Seite 12 ). Wenn diese zusätzlich noch scheinbar ganz anders sind, fällt die Integration noch schwerer. Hier setzt das Diversity-Management an: Ängste vor fremden Eigenschaften überwinden, Potenziale sowie Ressourcen des neuen Mitarbeiters erkennen und gewinnbringend in den Praxisalltag integrieren. Hat die neue MFA einen Migrationshintergrund? Dann sollten Sie die folgenden Tipps im Hinterkopf behalten. |

Diversity Management als Konzept

Diversity bedeutet Vielfalt. Gemeint ist die Vielfalt an kulturellen Merkmalen und an individuellen Einstellungen, die in der Arbeitswelt zu Benachteiligung führen können: ethnische Zugehörigkeit, Religion, sexuelle Orientierung, Alter, Geschlecht, Religion und Behinderung. Diversity-Management hat zum Ziel, Ängste vor fremden Eigenschaften abzubauen, Potenziale sowie Ressourcen des neuen Mitarbeiters zu erkennen und ihn gewinnbringend und gleichberechtigt in den Praxisalltag zu integrieren.

 

Ihr Team und Ihre Praxis können von dieser Art der Integration nur profitieren: besseres gegenseitiges Verständnis, angenehmeres Arbeitsklima, geringere Mitarbeiterfluktuation, geringere Kosten für die Personalsuche und vor allem eine höhere Behandlungsqualität: Sie können MFA mit Migrationshintergrund gezielt als Sprach- und Kulturmittler für Patienten ohne Deutschkenntnisse einsetzen, wenn die neue Kollegin deren Muttersprache spricht.

Unter jedem Kopftuch steckt ein anderer Kopf

Muslimische Migrantinnen unterscheiden sich manchmal rein äußerlich von anderen Kolleginnen, weil sie ein Kopftuch tragen. In weiten Teilen der Gesellschaft ist das Vorurteil verbreitet, dass muslimische Frauen ihre Kopftücher aus einer politischen Gesinnung heraus tragen.

 

MERKE | Manche wollen sogar an der Knotentechnik eine bestimmte radikale Haltung erkennen. Allerdings stecken hinter diesen Gedanken lediglich fragwürdige Spekulationen. Sie können darauf vertrauen, dass nur sehr wenige Kopftuchträgerinnen radikal-islamisch sind. Die meisten haben private oder traditionelle Gründe, die sie zu dieser Entscheidung gebracht haben.

 

Beachten Sie | Ein aufrichtiges, diskretes Interesse kommt gut an, nicht aber eine aufklärende, belehrende Haltung, z. B., was die Stellung der Frau in der islamischen Gesellschaft angeht.

Sprachliche Fehler bei Migranten - ganz normal

Migranten in der ersten und zweiten Generation machen häufiger Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik als einsprachige Menschen: Die Artikel werden verwechselt, Begriffe falsch ausgesprochen - eine typische sprachliche Entwicklung, die sich von Generation zu Generation „rauswächst”. Gerade die Wiedergabe von Sprichwörtern ist die schwierigste Übung auf dem Weg, eine Sprache richtig zu verinnerlichen. Denken Sie daran, dass Zwei- oder Mehrsprachige immer mehrere „Gärten“ haben, die sie pflegen müssen, während Einsprachige sich auf einen konzentrieren. Dafür haben Sie eine Kollegin, die Patienten in ihrer Muttersprache betreuen kann.

 

PRAXISHINWEIS | Weisen Sie freundlich auf einen sprachlichen Fehler hin, ohne eine große Sache daraus zu machen. Oder Sie lassen den Fehler einfach so stehen, weil Sie Ihrer Kollegin kein ungutes Gefühl geben möchten. Übrigens ist die Fehlerquote beim Sprechen bei allen Menschen größer als beim Schreiben.

 

Das Trennende vermeiden

Brisante, emotional aufgeladene Themen wie Religion oder Politik werden selten mit einem ruhigen Puls geführt. Sparen Sie sich Diskussionen um die richtige Religion oder den Austausch über politische Einstellungen, weil die Meinungen in diesen Punkten üblicherweise sehr weit auseinandergehen. Kritische Themen können Sie auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, nämlich dann, wenn Sie sich besser kennengelernt und eine gemeinsame Basis für eine intakte Kommunikation aufgebaut haben.

Das Gemeinsame erkunden

Wenn Sie sich mit der neuen MFA unterhalten, können Sie vielmehr nach Themen forschen, die Sie gemeinsam haben: Kochen Sie gerne? Lesen Sie gerne Krimis oder planen Sie eine Fortbildung? Nehmen Sie Ihre neue Kollegin in ihrer ganzen Vielfalt wahr und suchen Sie bewusst nach Gemeinsamkeiten. Berufserfahrung, Hobbys, Ziele, Sport sind Stichworte, an denen Sie anknüpfen können.

 

MERKE | Über gemeinsame Interessen bauen Sie ein Vertrauensverhältnis auf, das ausgesprochen förderlich für das kollegiale Miteinander ist. Eine Kollegin, die Ihnen vertraut und sich von Ihnen akzeptiert fühlt, wird in schwierigen Situation eher bereit sein, Sie zu unterstützen.

 

Nutzen Sie das Potenzial Ihrer neuen Kollegin!

Gestalten Sie das Aufgabenfeld Ihrer Kollegen so flexibel, dass Sie ihre Sprach- und Kulturkenntnisse möglichst oft nutzen können. Planen Sie sie z. B. bei Terminen mit Patienten ein, deren Sprache sie spricht oder beauftragen Sie sie z. B. mit anfallenden Telefonaten oder Anamnesegesprächen in ihrer Muttersprache.

Quelle: Ausgabe 06 / 2016 | Seite 17 | ID 44039581