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· Fachbeitrag · Medikamente

Übersicht: Hemmung der Blutgerinnung

von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn

| Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) werden sowohl zur Prophylaxe als auch zur Therapie von thromobembolischen Erkrankungen verordnet. Bis vor wenigen Jahren gab es lediglich Vitamin-K-Antagonisten und unfraktioniertes Heparin, die der Hausarzt den betroffenen Patienten verschreiben konnte. Mittlerweile befinden sich jedoch einige vielversprechende neue Medikamente zur Antikoagulation auf dem Markt. |

Vitamin-K-Antagonisten

Vielen MFA sind Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine) sicherlich besser bekannt als Marcumar®. Jahrzehntelang erhielten Patienten zur Prophylaxe von Thrombosen und Embolien diese Substanz (Wirkstoff: Phenprocoumon, Handelsname: Marcumar®, Falithrom®). Vitamin-K-Antagonisten hemmen die Blutgerinnung indirekt, indem sie in der Leber die Synthese einiger Gerinnungsfaktoren verhindern. Deshalb setzt ihre gerinnungshemmende Wirkung auch erst nach ein bis zwei Tagen ein und dauert nach Absetzen noch einige Tage an, was die Therapie schwer steuerbar macht. Bestimmte Sicherheitsvorkehrungen sind daher bei Vitamin-K-Antagonisten unerlässlich.

 

  • Sicherheitshinweise zur Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten
  • Andere Medikamente verstärken oder schwächen die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten. Dies gilt auch für rezeptfreie Medikamente (z.B. Aspirin®). In der Folge kann entweder die Blutungsneigung erhöht sein oder aber die Grunderkrankung wird negativ beeinflusst. Dies gilt unter anderem für
    • Vitamin-K-haltige Multivitaminpräparate,
    • Acetylsalicylsäure (Aspirin®). Erlaubte Schmerzmittel zur einmaligen Einnahme sind zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen.
  • Erstellen Sie für Ihre Patienten eine kleine Liste unbedenklicher Medikamente für die Hausapotheke
  • Engmaschige Kontrollen des INR-Werts (früher: Quick-Wert) sind notwendig.
  • INR-Werte und Tablettendosis sollten in ein spezielles Patiententagebuch eingetragen werden (Download unter www.marcumar.de).
  • Bei Diäten oder Ernährungsumstellungen ist es sinnvoll, den Arzt zu konsultieren. Eventuell muss er die Dosierung des Blutgerinnungshemmers anpassen.
  • Unter Vitamin-K-Antagonisten ist die Blutungsgefahr immer erhöht. Daher sollten sich Ihre Patienten auch vor Bagatellverletzungen schützen, zum Beispiel bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen und sich trocken statt nass rasieren.
  • Bei Blutungen ohne ersichtliche Ursache, sollte der Patient den Arzt aufsuchen.
  • Der Patient sollte alle weiteren behandelnden Ärzte - auch den Zahnarzt - beim nächsten Besuch über die Therapie informieren.
  • Bei bestimmten Eingriffen, zum Beispiel einer i.m.-Spritze, einer Darmspiegelung oder einer Zahnextraktion müssen Vitamin-K-Antagonisten im Vorfeld abgesetzt werden.
  • Es ist ratsam, dass Patienten stets einen Notfallausweis bei sich tragen (Download unter www.marcumar.de).
 

 

Beachten Sie | Das Medikament muss für jeden Patienten individuell dosiert werden. Dazu legt der Arzt die tägliche Anzahl der einzunehmenden Tabletten abhängig vom gemessenen INR-Wert fest. Das kann unter Umständen von Tag zu Tag variieren.

Nicht-Vitamin-K orale Antikoagulanzien (NOAKs)

Eine Alternative zu den Vitamin-K-Antagonisten sind seit einigen Jahren die NOAKs. Sie hemmen die Blutgerinnung direkt, indem sie einen bestimmten Gerinnungsfaktor blockieren:

 

  • Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban hemmen den Gerinnungsfaktor Xa
  • Dabigatran hemmt Thrombin (Faktor IIa)

 

Der große Vorteil dieser Substanzen ist, dass die regelmäßigen Laborkontrollen entfallen und es erheblich weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln gibt. Außerdem weisen erste Studien darauf hin, dass es seltener zu lebensgefährlichen Blutungen unter NOAKs kommt (siehe weiterführender Hinweis). Auf der anderen Seite fehlen Langzeiterfahrungen, um diese Medikamente umfassend beurteilen zu können.

Heparin

Auch Heparin wird bereits seit langem in der Prophylaxe von Thrombosen und Embolien eingesetzt. Es wird subkutan injiziert und wirkt, indem es Antithrombin III in seiner Wirkung verstärkt. Antithrombin III ist ein im menschlichen Körper vorkommender natürlicher Hemmstoff der Blutgerinnung.

 

Heparin wird unterschieden in das früher häufig verwendete unfraktionierte Heparin (UFH, zum Beispiel Heparin-Natrium) und das heute überwiegend eingesetzte niedermolekulare Heparin (NMH, zum Beispiel Enoxaparin). Während UFH zwei bis drei Mal täglich gespritzt werden muss, ist bei NMH eine Injektion pro Tag ausreichend. Heparin wirkt sehr schnell, weshalb es große Bedeutung bei der Thrombosevorbeugung nach Operationen erlangt hat als sogenannte Low-dose-Heparinisierung. Da es Heparinspritzen auch als komfortable Fertigspritzen gibt, die Patienten sich in der Regel problemlos selbst verabreichen können, wird Heparin insbesondere nach ambulanten Operationen verordnet.

Fondaparinux

Fondaparinux ist dem Heparin vergleichbar. Es verstärkt die durch Antithrombin III vermittelte Hemmung des Faktors Xa und führt so zu einer Gerinnungshemmung. Auch Fondaparinux muss s.c. gespritzt werden, ist aber als Fertigspritze von Patienten selbst zu applizieren.

 

Weiterführender Hinweis

  • Lesen Sie dazu auch den Beitrag in unserem wissenschaftlichen Informationsdienst MR MedizinReport „Neue orale Antikoagulanzien in der Prävention von Schlaganfällen effizienter als Warfarin“ (MR 05/2014, Seite 2) unter mr.iww.de im Archiv.
Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 8 | ID 43770663