· Fachbeitrag · Teamkommunikation
Kritik annehmen können
von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg
| Die meisten MFA freuen sich, wenn sie wegen ihrer Arbeitsleistungengelobt werden. Bei Kritik ist das deutlich anders. Dabei bietet Kritik, wenn sie richtig eingesetzt wird, jeder MFA eine großartige Chance, sich weiterzuentwickeln, die Qualität der eigenen Arbeit und damit auch die der gesamten Praxis zu verbessern. Wie das geht, zeigt der folgende Beitrag. |
Der falsche Weg
Viele Menschen nehmen Kritik persönlich, neigen dazu, sich angegriffen zu fühlen. Dabei blenden sie oft unbewusst die sachlichen Inhalte der Kritik aus, also in der Regel genau das, was der Gesprächspartner eigentlich sagen will (siehe dazu das „Vier-Ohren-Modell“ in den weiterführenden Hinweisen). Stattdessen verfallen sie in eine der folgenden Verhaltensweisen:
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So gehen Sie richtig mit Kritik um
Wenn Sie lernfähig sind und Kritik als Instrument der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung nutzen wollen, werden Sie ein konstruktives Kritikgespräch begrüßen. Folgende Strategien helfen Ihnen dabei, für Kritik offen zu sein:
- Achten Sie immer auf Ihre innere Einstellung und sehen Sie in einer Kritik nicht die Verletzung Ihres Selbstwertgefühls.
- Verzichten Sie auf das reflexartig auftretende Bedürfnis, bei Kritik zu reagieren. Wenn Sie die übliche innere Reaktion (zum Beispiel Ablehnung, Zorn) auf eine Kritik spüren, tun Sie Folgendes:
- Verweilen Sie einen Moment, halten Sie inne; nehmen Sie das Gefühl genau wahr: „Aha, so fühlt sich das an.“
- Jetzt schieben Sie die Gedanken sanft beiseite mit dem inneren Satz: „Gut, ich will jetzt erst mal sehen, was noch alles kommt und dann in Ruhe prüfen, wie ich mich verhalten werde“. Damit regulieren Sie Ihre Gefühle und haben die Emotionen im Griff.
- Verteilen Sie keine Schuld an andere, sondern übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Verhalten.
- Reden Sie sich bei Fehlern nicht heraus, sondern stehen Sie dazu. Sie verschaffen sich damit auch Achtung in Ihrem Team.
- Wenn Sie immer wiederholen, wie leid Ihnen ein Fehler tut, machen Sie dem Kritiker noch ein schlechtes Gewissen. Die richtigen Worte, die Sie bei einer Panne äußern können: „Ich bedaure, dass etwas schief gelaufen ist, ich habe gelernt und mache es jetzt richtig.“
- Machen Sie auch mal gedanklich einen Rollentausch: Sie sind der Arzt und sollen eine MFA kritisieren, die einen Fehler gemacht hat. So entwickeln Sie Verständnis dafür, wie schwierig es für den Arzt ist, das Gespräch zu führen.
- Als ständige Übung ist es ideal, wenn Sie sich selbst regelmäßig „unter die Lupe nehmen“ und dabei eine Ihrer Leistung vornehmen. Dann können Sie Ihre Arbeitsweise ändern, bevor Sie zu einem Kritikgespräch gerufen werden. Denn je früher ein „Missstand“ aufgedeckt und abgestellt wird, desto geringer sind die Auswirkungen für die Arztpraxis und auch für Sie persönlich.
Was tun bei unklarer oder unberechtigter Kritik?
Auch wenn der Tatbestand der Kritik unklar oder falsch ist, heißt die erste Regel: „Zuhören, zuhören, zuhören!“ Falls nötig können Sie um Details bitten. Eine gute Frage ist: „Könnten Sie mir das genauer erklären?“ Wenn Sie nach der Erklärung die Kritik als berechtigt ansehen und Ihnen der Arzt Vorschläge zur Verbesserung macht, sollten Sie diese annehmen, auch wenn seine Idee schwer umsetzbar erscheint.
Gegen unberechtigte Kritik sollten Sie sich wehren. Insbesondere Kritik, die in ihrer Form unangemessen ist (zum Beispiel im Beisein von Patienten) müssen Sie nicht dulden. Sie sollten aber nicht in der Situation selbst lautstark protestieren, sondern innerhalb der nächsten 24 Stunden das Gespräch suchen. Lesen Sie dazu den Beitrag „Richtig Feedback geben im Praxisalltag“ (PPA 04/2015, Seite 17). Sie lassen den Praxischef dadurch sein Gesicht wahren und verschaffen sich damit Respekt.
Auch Tatsachenbehauptungen, die Ihnen falsch erscheinen, sollten Sie unbedingt richtigstellen. Wenn dies im direkten Gespräch nicht möglich ist (zum Beispiel, weil Sie zu aufgeregt sind) setzen Sie eine schriftliche Stellungnahme auf. Notfalls sollten Sie Beweise (Zeugen, Aufzeichnungen etc.) anführen.
Weiterführende Hinweise
- Das Vier-Ohren-Modell von Friedemann von Schulz von Thun zeigt deutlich, auf welchen Ebenen eine einfache Aussage interpretiert werden kann. Ein PPA-Video zu diesem Modell finden Sie unter http://tinyurl.com/oleqhkk
- „Richtig Feedback geben im Praxisalltag“ (PPA 04/2015, Seite 17).