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· Fachbeitrag · Risikomanagement

Risikobewertung mithilfe der FMEA

von Monika Pohlkamp, MFA und Qualitätsmanagerin, Sendenhorst

| Seit 17. April 2014 müssen alle Arztpraxen, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, innerhalb von vier Jahren neben einem Qualitätsmanagementsystem nun auch ein Risiko- und Fehlermanagement eingeführt haben. Risikomanagement beginnt damit, Fehler zu erkennen, sie zu bewerten, und zu ermitteln, wie hoch das Risiko eines Fehlers eigentlich ist. Ein Modell, das sich dabei besonders bewährt hat, ist die Fehler-Möglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), die Sie auch in Ihrer Praxis leicht durchführen können. |

Ziel der Risikobewertung

Die Risikobewertung befasst sich mit der Planung, Sicherstellung und Optimierung eines Leistungs- oder Arbeitsprozesses und mit möglichen Schwachstellen im Praxisalltag. Ihr Ziel ist es, möglichst früh potenzielle Fehler zu erkennen und zu analysieren. Sie dient der Ermittlung des potenziellen Handlungsbedarfs für frühzeitige Maßnahmen zur Fehlervermeidung. Gleichzeitig können Sie mithilfe der Risikobewertung per FMEA bei mehreren potenziellen Fehlern ein Ranking entwickeln. Daraus können Sie ableiten, welcher Fehler das größere Risikopotenzial hat und damit die höhere Priorität, abgestellt zu werden. Üblicherweise erfolgt die Risikobewertung per FMEA in drei Schritten.

Erster Schritt: Fehleridentifikation und -beschreibung

Zur Risikobewertung eines Fehlers müssen Sie den möglichen Fehler im betreffenden Arbeitsprozess zunächst benennen und seine potenziellen Auswirkungen möglichst genau beschreiben:

 

  • Um welchen Praxisablauf geht es?
  • Welcher Fehler kann auftreten?
  • Welche Folgen kann dieser Fehler haben?

Zweiter Schritt: Fehlerbewertung mit Risikozahlen

Im zweiten Schritt müssen Sie drei Fragen beantworten und dabei je eine Risikozahl von 1 bis 10 vergeben, wobei 1 das niedrigste und 10 das höchste Risikopotenzial darstellt:

 

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass der betreffende Fehler auftritt (Auftrittswahrscheinlichkeit A)?
  • Wie schwer wirkt sich der Fehler auf die Gesundheit des Patienten aus (Bedeutung des Fehlers B)?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass der Fehler entdeckt wird (Entdeckungswahrscheinlichkeit E)?

 

  • Risikozahlen und ihre Bedeutung

Auftrittswahrscheinlichkeit des Fehlers (A)

Risikozahl

unwahrscheinlich

1

sehr selten

2 - 3

mäßig wahrscheinlich

4 - 6

sehr wahrscheinlich

7 - 8

sicher

9 - 10

Bedeutung des Fehlers (B)

Risikozahl

vom Patienten nicht wahrnehmbar

1

Geringfügige Einschränkung für den Patienten

2 - 3

Einschränkung bis hin zur Behinderung des Patienten

4 - 6

Teil- oder Totalausfall des Patienten

7 - 8

Gefährdung des Patienten auf Dauer, Verstoß gegen Gesetz

9 - 10

Entdeckungswahrscheinlichkeit des Fehlers (E)

Risikozahl

hoch

1

mäßig

2 - 5

gering

6 - 8

sehr gering

9

unwahrscheinlich

10

 

Dritter Schritt: Ermittlung der RPZ

Aus Ihrer Analyse können Sie nun die Risikoprioritätszahl (RPZ) ermitteln. Die RPZ gibt an, wie hoch das Gesamtrisiko eines Fehlers ist, bzw. welche Priorität seine Vorbeugung hat.

 

  • Formel zur Berechnung der RPZ

Risikoprioritätszahl: RPZ = A x B x E

 

Entsprechend der Risikozahlen ihrer einzelnen Koeffizienten A, B und E kann die RPZ Werte von 1 bis 1.000 annehmen. Je höher der für einen bestimmten Fehler errechnete Wert ist, desto höher ist die Priorität, konkrete Maßnahmen zur Vermeidung dieses Fehlers einzuleiten. Handlungsbedarf besteht ab einem mittleren Fehlerrisiko (RPZ = 50 bis 100).

 

  • RPZ und Handlungsbedarf

RPZ

Fehlerrisiko

Handlungsbedarf

100 bis 1.000

hoch

dringend

50 bis 100

mittel

mittel

2 bis 50

akzeptabel

nicht zwingend

1

besteht nicht

besteht nicht

 

FMEA am Beispiel einer Impfung

Die FMEA lässt sich auf jeden risikobehafteten Prozess in der Arztpraxis anwenden. Nachfolgend die Analyse einer Impfung. Ein möglicher Fehler ist, dass diese zu früh verabreicht wird und damit ohne Wirkung ist.

 

  • FMEA für den Fehler einer zu frühen Impfung

Prozess

Impfung zur Grundimmunisierung

Möglicher Fehler

2. Impfung eine Woche zu früh gegeben

Mögliche Fehlerfolge

Wirksamkeit nicht sichergestellt

Mögliche Fehlerursachen

  • Stress
  • Unkenntnis der MFA
  • Fehlerhafte Dokumentation

Fehlerbewertung mit FMEA

Auftrittswahrscheinlichkeit (A): mittel Risikozahl: 5

 

Bedeutung (B): Teil-/Totalausfall des Patienten durch unwirksame Impfung Risikozahl: 8

 

Entdeckungswahrscheinlichkeit: mäßig Risikozahl: 3

 

RPZ = A x B x E = 5 x 8 x 3 = 120.

 

Es besteht ein mittleres Risiko und damit Handlungsbedarf!

Verbesserungsmaßnahmen

  • Dokumentation optimieren
  • Schulung der MFA
  • Stressabbau
 

Analysieren Sie Ihre Fehler

Die FMEA ist ein verhältnismäßig einfaches, aber effizientes Instrument, mit dem Sie jeden Fehler in Ihrer Praxis hinsichtlich seines Risikos bewerten können (Formblattvorlage zum Download > Weiterführende Hinweise.)

 

PRAXISHINWEIS | Dokumentieren Sie Fehler und nehmen Sie die Besprechung dieser Fehler sowie das Risikomanagement in Ihre regelmäßigen Teamsitzungen als festen Tagesordnungspunkt mit auf. Nutzen Sie auch Fehler, die in anderen Praxen passiert sind, um diese anhand einer FMEA zu analysieren.

 

Weiterführende Hinweise

  • Unter www.jeder-fehler-zaehlt.de finden Sie Fehler, die tatsächlich in Arztpraxen passiert sind und zur Verbesserung des allgemeinen Qualitätsstandards dienen sollen.
  • Formblattvorlage für die FMEA zum Download unter ppa.iww.de > Downloads > Arbeitshilfen
Quelle: Ausgabe 07 / 2014 | Seite 7 | ID 42733786