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· Fachbeitrag · Selbstmanagement

Seminare und Fortbildungen effizient nutzen

von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg

| Für Ihre berufliche und persönliche Weiterentwicklung als MFA sind Seminare und Fortbildungen heute unverzichtbar. Wer hier nur passiv konsumiert, verschwendet wertvolle Zeit und Energie. Mehr Nutzen aus der Fortbildung und auch mehr Freude am Lernen werden Sie haben, wenn Sie sich mit der richtigen Einstellung vor, während und nach dem Seminar bzw. der Fortbildung aktiv und interessiert mit dem jeweiligen Thema befassen. |

Die innere Einstellung

Seminarbesuche verlangen eine ausgeprägte Lernbereitschaft und den nötigen Veränderungswillen. Wer keines von beidem besitzt, findet schnell ein Argument, sich der Fortbildung zu verweigern. Typische Hindernisse, Fortbildungen zu meiden bzw. erfolgreich daran teilzunehmen, sind

 

  • Skepsis gegenüber Neuem: Wer Neues von vorneherein negativ bewertet, verliert die Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Lernkompetenz.
  • Vermeidungshaltung gegenüber dem organisatorischen Aufwand einer Fortbildung (Anreise, eventuelle Übernachtung und spätere Rückkehr)
  • Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten. Die Meinung, man wisse doch (fast) alles, ist ein echter Fortbildungskiller.

 

MERKE | Vor allem ältere und erfahrene Mitarbeiterinnen glauben, es gäbe Wichtigeres als Weiterbildung. „Schließlich beklagt sich kein Patient über mich“, heißt es häufig. Für Weiterbildung gibt es keine Altersgrenze: Wer sich zu alt fühlt, hört auf zu lernen und lässt andere an sich vorbeiziehen.

 

Eine scheinbar ökonomisch sinnvolle Begründung für Fortbildungsunwillige liefert das sogenannte „Bildungsparadoxon“ (siehe Grafik).

 

 

 

Vor der Fortbildung

Wenn Sie als MFA Ihre beruflichen Perspektiven, Ihre Persönlichkeit und damit auch die Kompetenz der Praxis, in der Sie arbeiten, weiterentwickeln wollen, sollten Sie sich ständig aktiv mit dem Thema Fortbildung befassen. Warten Sie nicht, bis Ihr Praxischef eine Fortbildung für Sie auswählt, sondern sprechen Sie ihn gezielt darauf an. So erkennt Ihr Chef, dass Sie aktiv sind und im Sinne der Praxis denken. Jede einzelne Veranstaltung sollten Sie im Vorfeld kritisch prüfen, ob sie zu Ihnen passt und sich rechtzeitig mit dem Thema, aber auch mit Planung und Organisation befassen.

 

Die passende Fortbildung finden

Ob eine Fortbildung Ihnen bzw. Ihrem Praxisteam hilft, die gesteckten Ziele zu erreichen, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, die Sie am besten mithilfe einer Checkliste überprüfen.

 

Checkliste / Lohnt sich die Veranstaltung?

Ja
Nein
  • 1. Sind meine Erwartungen an die Fortbildung realistisch?

  • 2. Entspricht das Seminarprogramm meinem Arbeitsgebiet?

  • 3. Habe ich für den Seminarbesuch eine positive Einstellung?

  • 4. Sind Institut oder Referent bereits bekannt?

  • 5. Ist die Fortbildung, die Sie absolvieren wollen, allgemein anerkannt und zertifiziert (auch in anderen KV-Bezirken)?

  • 6. Kennen Sie die Erfahrungen andere Teilnehmer, die dieselbe Fortbildung schon absolviert haben?

  • 7. Liegen die Konditionen (zum Beispiel Teilnehmer- und Stornogebühren) im Vergleich zu anderen Veranstaltern im Rahmen?

  • 8. Hat die betreffende Veranstaltung in der letzten Zeit regelmäßig stattgefunden?

  • 9. Bin ich bereit, nach der Veranstaltung das erworbene Wissen umzusetzen?

Auswertung: Je mehr „Ja“ angekreuzt sind, umso besser!

 

Sich mit dem Thema vertraut machen

Holen Sie sich im Internet schon im Vorfeld Informationen zum Thema ein. So sind Sie besser vorbereitet, der Praxisbezug fällt leichter und Ihr persönlicher Nutzen aus der Fortbildung ist größer.

 

Planung und Organisation

Wichtige Voraussetzungen sind pünktliches Erscheinen zur Veranstaltung und kein vorzeitiges Weggehen. Machen Sie sich rechtzeitig mit dem Anfahrtsweg vertraut und planen Sie ausreichend Zeit ein. Bei mehr als 200 km Anreise ist es besser, am Tag vorher anzureisen. Die Teilnahme wird zur Belastung, wenn an den Übernachtungskosten gespart wird. Viele Fortbildungsanbieter berechnen bei kurzfristiger Absage des Teilnehmers hohe Stornogebühren. Kümmern Sie sich deshalb im Vorfeld um eine Kollegin aus Ihrem Team, die an Ihrer Stelle teilnimmt, wenn Sie krankheitsbedingt ausfallen.

Während der Fortbildung

Mit einer aktiven Grundhaltung und einer sorgfältigen Vorbereitung ist schon viel gewonnen. Doch auch während der Fortbildungsveranstaltung sollten Sie am Ball bleiben. So können Sie auch tageszeitabhängige Tiefpunkte überwinden und bleiben dauerhaft präsent.

 

  • Regeln für die Teilnahme an Seminaren
  • 1. Ihr Interesse ist wesentlich von Ihrer Einstellung abhängig.
  • 2. Beteiligen Sie sich an Diskussionen, stellen Sie Fragen.
  • 3. Gehen Sie auf Berufskolleginnen zu.
  • 4. Sagen Sie offen Ihre Meinung und lassen Sie andere gelten.
  • 5. Zeigen Sie in Diskussionen Geduld und Toleranz.
  • 6. Nehmen Sie auch weniger wichtige Informationen auf.
  • 7. Schalten Sie Ihr Handy ganz aus.
  • 8. Kommen Sie aus der Pause pünktlich zurück.
 

Nach der Fortbildung

Machen Sie sich klar, dass Lernen aus zwei Phasen besteht: Aufnahmephase und Aktivitätsphase. In der Aufnahmephase wird etwas verstanden und kognitiv verarbeitet. Dies geschieht durch Zuhören, Lesen oder Beobachten und durch Einbindung der Informationen in schon vorhandenes Wissen. Doch erst wenn Sie das Gelernte regelmäßig und wiederholt bei der täglichen Arbeit in der Arztpraxis anwenden, stellt sich der Lernerfolg ein. Nehmen Sie sich deshalb genügend Zeit für die Nacharbeit:

 

  • Reservieren Sie sich bereits innerhalb einer Woche nach Rückkehr einen Termin, um die Unterlagen wieder durchzulesen.
  • Präsentieren Sie die Inhalte Ihrer Fortbildung Ihrem Praxisteam - entweder in der nächsten Teamsitzung oder im Rahmen einer kleinen hausinternen Schulung.

 

FAZIT | Die erfolgreiche Teilnahme an einer Fortbildung setzt Interesse an der eigenen Weiterentwicklung und eine aktive, offene innere Einstellung zum Lernen voraus. Der Besuch einer Fortbildung ist für Sie dann effektiv, wenn

 

  • die Fortbildung einen Bezug zu Ihrer (Berufs-)Praxis hat,
  • Sie sich gut auf das Thema vorbereitet haben,
  • neugierig auf das Fortbildungsprogramm sind,
  • Neues nicht sofort negativ bewerten,
  • Sie mit anderen Teilnehmern diskutieren und sich austauschen können,
  • Sie sich für die Nacharbeit nach der Veranstaltung Zeit nehmen und
Sie das Gelernte aktiv einbringen bzw. an das Team weitergeben können.
  •  

 

Gerade der letzte Punkt ist von besonderer Bedeutung: Vielleicht interessiert Sie ein Thema so sehr, dass Sie eines Tages selbst zur Referentin werden. Worauf es dabei ankommt, erfahren Sie einer der kommenden Ausgaben von PPA.

 
Quelle: Ausgabe 06 / 2014 | Seite 11 | ID 42677591