· Fachbeitrag · Patientenversorgung
Hausbesuche: Reduzieren Sie den Aufwand!
von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vital-arzt-praxis.de
| Die Hausbesuchstätigkeit ist betriebswirtschaftlich gesehen defizitär. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Honorierung der Besuche nach den EBM-Nrn. 01410 und 01413 zum 1. April 2011 angehoben wurde. Denn auch nach dieser Erhöhung des Honorars, müssen Sie Hausbesuche weiterhin betriebswirtschaftlich als Zuschussgeschäft sehen. Es lohnt sich einfach nicht! |
Hausbesuche sind finanziell unattraktiv
21,03 Euro gibt es für den Hausbesuch nach EBM-Nr. 01410 (zuzüglich Wegegeld) und 10,51 Euro für den Mitbesuch nach EBM-Nr. 01413. Gehen Sie von einer mittleren Entfernung von 3 km aus, was ein Wegegeld etwa in Höhe von 7 Euro ausmacht (KV-regional unterschiedlich geregelt), ergibt dies insgesamt 28,03 Euro für den Hausbesuch durch den Arzt persönlich. Als Plausibilitätszeit werden dafür 20 Minuten veranschlagt! Dreimal 28,03 Euro, macht 84,09 Euro Umsatz in der Stunde! Genau aus diesem Grund sind grundsätzliche Überlegungen im Zusammenhang mit der Hausbesuchstätigkeit in Ihrer Praxis notwendig.
Organisieren Sie Ihre Hausbesuche
In erster Linie sollten Sie die Notwendigkeit der Hausbesuche - vor allem der Routinebesuche - kritisch überdenken. Sind diese wirklich alle notwendig?
Haben Sie sich schon einmal überlegt, was eigentlich passiert, wenn Sie bei einem älteren Patienten feststellen, dass dieser wegen seiner fortgeschrittenen Hüftschmerzen jetzt doch zum Orthopäden bezüglich der weiteren Diagnostik gehen sollte? Sie schreiben eine Überweisung zum Orthopäden aus, die ohne jeglichen Kommentar oder Widerspruch vom Patienten angenommen wird. Keine Frage wie er dorthin kommen soll, oder wer ihn dorthin fahren könnte. Das regelt der Patient dann alles selbst. Dass er in die Praxis des Orthopäden muss, ist nämlich selbstverständlich, ebenso wie die Tatsache, dass der Orthopäde nicht zum Hausbesuch kommt. Nur Sie als Hausarzt, Sie dürfen diese defizitäre Leistung erbringen. Es ist ja so bequem, wenn der Doktor kommt. Klar, Ihre Patienten haben sich an die Annehmlichkeit gewöhnt, dass der Arzt alle 2 bis 4 Wochen einmal vorbeischaut. Natürlich ist es für den Patienten angenehm, dass Sie zur Blutentnahme oder zur Bestimmung des INR vorbeikommen. Das erspart den älteren Menschen den im Einzelfall vielleicht beschwerlichen Weg in die Praxis. Man möchte ja ungern die Tochter (den Sohn, den Enkel….) in Anspruch nehmen, also soll doch der Doktor vorbeikommen. Betriebswirtschaftlich lukrativ ist dies jedoch nicht. Zumindest nicht für die Praxis, allenfalls für die Krankenkassen.
Nach dem Streichen der nicht zwingend notwendigen Routinehausbesuche ergeben sich organisatorisch noch einige Möglichkeiten:
- Bündeln Sie Ihre Besuche so weitgehend wie möglich. So wäre zu überlegen, ob die verbliebenen unumgänglichen Besuche eines bestimmten Stadtteils oder bestimmter regional zusammen liegender Gemeinden an einem bestimmten Tag durchzuführen sind.
- Auch der Hausbesuch auf dem „nach-Hause-Weg“ oder auf dem Weg zur Praxis lässt sich planen. Damit ersparen Sie sich unnötige Fahrwege und Fahrtzeiten.
- In einer Berufsausübungsgemeinschaft (Gemeinschaftspraxis/Praxisgemeinschaft) lässt sich ein dringend angeforderter Hausbesuch oft problemloser aus der Sprechstunde heraus sofort durchführen - womit die EBM-Nr. 01412 berechnungsfähig wird, die mit 62,03 Euro bewertet ist.
- Für den dringenden Hausbesuch in Alten- und Pflegeheimen steht Ihnen die Hausbesuchsleistung nach Nr. 01415 (54,08 Euro) zur Verfügung. Nutzen Sie diese! Haben Sie bisher regelmäßig, beispielsweise alle 2 Wochen, ein Alten-Pflegeheim besucht, so sollten Sie überlegen, ob Sie diese regelmäßige Tätigkeit nicht beenden. In Zukunft besuchen Sie das Alten-Pflegeheim nur noch auf Anforderung. Das kann ja auf dem Nach-Hause-Weg sein oder auf dem Weg in die Praxis. Dieser eigens bestellte Besuch im Altenheim muss lediglich am Tage der Bestellung ausgeführt werden, das ist die Grundvoraussetzung für die Berechnung der Nr. 01415. Der Unterschied zum Routinebesuch nach Nr. 01410 beträgt 945 Punkte. Außerdem wird der dringende Heimbesuch außerhalb von RLV und QZV honoriert.
FAZIT | Hausbesuche sind nicht nur zeitintensiv, sondern auch kostenintensiv: Kosten für den PKW, Benzinkosten und natürlich auch der persönliche Zeitaufwand. Dafür erhalten Sie 84,09 Euro in der Stunde - und dann werden auch noch die Plausibilitätszeiten penibelst geprüft. Ein guter Grund, die Notwendigkeit jedes einzelnen Hausbesuchs zu hinterfragen. |