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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Auch Erwachsene benötigen Impfungen

von Dr. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| Die nasse und kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Damit rückt auch die Grippe-Impfung sowohl bei den Patienten als auch in der Allgemeinarztpraxis wieder stärker ins Blickfeld. Dies ist ein willkommener Anlass, gerade bei den älteren Patienten den gesamten Impfstatus zu checken und mögliche Impflücken aufzudecken. Bereits in der letzten Ausgabe von PPA haben wir darüber berichtet, wie das Impfmanagement in der Praxis aussehen kann. Heute richten wir den Fokus auf die einzelnen Impfungen bei Erwachsenen ab 18 Jahren mit ihren Indikationen, Risiken und Impfzeitpunkten. |

 

Impfungen dienen der Gesundheitsvorsorge

Impfungen gehören zu den wichtigsten und effektivsten Maßnahmen der gesundheitlichen Vorsorge. Da viele Erwachsene Krankheiten wie Tetanus oder Diphtherie aber nur noch dem Namen nach kennen, wird häufig ein leichtsinniger Umgang mit dem Thema Impfungen beobachtet. Aber: Nicht nur Kinder müssen regelmäßig geimpft werden. Für Erwachsene gilt das genauso. Dies sollten Sie als MFA Ihren Patienten immer wieder klar machen.

 

Durch eine Impfung schützt der Patient nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familienangehörigen, Freunde und Kollege. Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto weniger können sich Krankheitserreger ausbreiten. Dadurch ist es möglich, einzelne Krankheitserreger regional zu eliminieren und unter Umständen sogar weltweit auszurotten. Impfempfehlungen für Deutschland werden jedes Jahr neu von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut ausgesprochen:

 

 

  • Einen schnellen Überblick über alle notwendigen Impfungen gibt auch der Impfkalender der STIKO unter

Grippe

Die bei Patienten wohl umstrittenste Impfung ist die Grippe-Impfung. Jedes Jahr aufs Neue stellt sich im Herbst die Frage: Grippeimpfung ja oder nein. Hier wird häufig auch die MFA um Rat gefragt, die dann gut informiert sein sollte. Denn gerade in Bezug auf die Grippe-Impfung kursieren viele Halbwahrheiten und Gerüchte. So glauben viele Patienten, dass die Grippe eine harmlose Erkrankung sei, vergessen dabei aber schnell, dass eine Lungenentzündung im Rahmen einer Grippe-Infektion rasch einmal lebensgefährlich werden kann. Auch wird die Wirkung der Impfung häufig in Frage gestellt, da Geimpfte immer wieder an einer Erkältung erkranken. Hier sollte die MFA den Patienten deutlich erklären, dass eine Grippe-Impfung nicht gegen eine Erkältung schützt, sondern eben ausschließlich gegen eine Grippe. Auch der Verdacht nach einer Grippe-Impfung viel heftigere Erkältungen zu bekommen, lässt sich wissenschaftlich nicht erhärten.

 

Die STIKO hat klare Empfehlungen ausgesprochen, wer sich gegen Grippe impfen lassen soll:

 

  • Alle Personen, die über 60 Jahre alt sind,
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer Grundkrankheit und einem erhöhten gesundheitlichen Risiko,
  • Menschen, die beruflich mit vielen kranken Personen in Kontakt kommen, also auch Ihnen als MFA,
  • Schwangere ab dem 2. Trimenon.

Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung

Erwachsene benötigen, um ihren Impfschutz gegen Diphtherie und Tetanus (Wundstarrkrampf) aufrecht zu erhalten, alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung. Hier bestehen vor allem bei älteren Patienten häufig gravierende Impflücken. So kann es durchaus möglich sein, dass eine Nachholimpfung, bestehend aus einer Grundimmunisierung bzw. der Komplettierung einer unvollständigen Impfserie, notwendig wird. Der Impfstoff sollte als Tetanus-Diphtherie-Kombinationsimpfung verabreicht werden oder aber einmalig (nicht alle zehn Jahre) als Tetanus-Diphtherie-Pertussis (Keuchhusten)-Kombinationsimpfung. Besteht zusätzlich kein vollständiger Schutz gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung), sollte diese Impfung auch im Erwachsenenalter als einmalige Auffrischimpfung nachgeholt werden. In diesem Fall steht ein Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Poliomyelitis-Kombinationsimpfstoff zur Verfügung.

Masern

Die STIKO empfiehlt allen nach 1970 geborenen Personen, die nicht an Masern erkrankt waren oder noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden eine Impfung, vorzugsweise mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfstoff), denn auch bei Mumps und Röteln bestehen häufig Impflücken. Masern gelten zwar als Kinderkrankheit, das heißt aber nicht, dass Erwachsene nicht an Masern erkranken können. Im Gegenteil: Infizieren sich Erwachsene mit dem Masern-Virus, verläuft die Erkrankung bei ihnen meist sehr viel heftiger und komplikationsreicher.

Pneumokokken

Weitaus weniger bekannt ist die Impfung gegen Pneumokokken. Pneumokokken können verschiedene Erkrankungen wie Meningitis, Pneumonie, Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung verursachen. Diese Erkrankungen können zwar mit Antibiotika behandelt werden, allerdings nehmen die Resistenzen stetig zu, so dass Impfungen immer wichtiger werden. Durch eine Impfung verringert sich das Risiko zu erkranken und schwere Komplikationen zu erleiden. Die STIKO empfiehlt die Impfung einmalig allen Personen, die älter als 60 Jahre sind. Eine Auffrischimpfung nach fünf Jahren ist nur notwendig, wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen:

 

  • Angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- und B-zellulärer Restfunktion.

 

  • Chronische Nierenerkrankungen oder ein nephrotisches Syndrom.

Nebenwirkungen bei Impfungen

Bei fast allen Impfungen kann es durch die Anregung der körpereigenen Immunabwehr zu einer mitunter auch schmerzhaften Schwellung und Rötung an der Injektionsstelle innerhalb der ersten 72 Stunden kommen. Diese klingt in der Regel von selbst oder durch einfache Maßnahmen wie Kühlung wieder ab. Daneben können selten auch einmal Allgemeinreaktionen wie leichtes Fieber, Abgeschlagenheit, Glieder- oder Kopfschmerzen auftreten. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten. Als MFA sollten sie hier genau Bescheid wissen. Häufig rufen die Patienten beim Auftreten von Beschwerden nach einer Impfung in der Praxis an und bitten um Rat. Dann ist es an Ihnen zu entscheiden, wie dringend ein Hausbesuch bzw. ein Gespräch mit dem Arzt ist. Wenn Sie Zweifel bezüglich der Beschwerden haben, sollten Sie immer den Arzt informieren.

Quelle: Ausgabe 10 / 2012 | Seite 16 | ID 35085680