· Fachbeitrag · Teammanagement
Fehlzeiten im Team reduzieren
von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg
| Fehlzeiten von Teammitgliedern wird es immer geben. Allerdings sind Fehltage aufgrund von Unzufriedenheit mit der Arbeit vermeidbar. Denn eine motivierte MFA kommt auch dann in die Praxis, wenn sie Kopfschmerzen hat oder sich „nicht fit“ fühlt, während die unzufriedene Kollegin einen Tag zu Hause bleibt. |
Fehlzeiten verringern
Fehlzeiten stören nicht nur den Ablauf einer Praxis, sie wirken sich durch möglicherweise entstehende Hektik negativ auf die Behandlung der Patienten aus. Für das Team bedeutet die Abwesenheit einer Kollegin, dass Arbeiten neu eingeteilt werden müssen und zum Beispiel die Abrechnung und der Schriftverkehr nur mit Verzug erledigt werden können. Dadurch erhöht sich auch die Fehlerhäufigkeit. Den Ärger über Fehlzeiten spüren dann meist die Patienten. Ihnen gegenüber darf das Fehlen einer MFA aber nie erwähnt werden. Warum jemand anwesend ist oder nicht, geht neugierige Patienten nichts an. Personalprobleme und Fehlzeiten sind ein Tabu-Thema in der Patientenkommunikation!
Natürlich sinkt der Krankenstand, wenn Teammitglieder motiviert sind und ihre Arbeit gerne machen. Die Wünsche der Mitarbeiterinnen an ihren Arbeitsplatz sollten daher so weit wie möglich erfüllt sein. Hier lassen sich entsprechende Zusammenhänge zwischen Fehlzeiten und Unzufriedenheiten nachweisen. Zuerst sind daher die Ursachen der Fehlzeiten zu ermitteln - ein paar Beispiele:
- Sowohl Über- als auch Unterforderung kann zu Fehlzeiten führen. Besonders wenn die MFA in Stoßzeiten, wie zum Beispiel am Montagvormittag fehlt, liegt der Verdacht nahe, dass sie sich überfordert fühlt. Die Lösung: Optimieren Sie Ihre Terminplanung und Hektik in Stoßzeiten wird seltener auftreten.
- Fehlzeiten wegen Grippe können reduziert werden, wenn das Team sich gegen Grippe impfen lässt.
- Richtiges Sitzen und ergonomisches Arbeiten am Computer verhindern Rückenprobleme und beeinflussen Fehlzeiten wesentlich.
- Auch dauerhafter Stress führt zur kurzfristigen Fehlzeit.
BEACHTEN SIE | Fehlzeitenmanagement darf nicht dazu führen, dass Halbkranke weiter arbeiten, nur um nicht aufzufallen. Denn Halbkranke werden dann erst richtig krank und fehlen viel länger! |
Einstellung zur Arbeit ist ausschlaggebend
Jeder Arbeitnehmer entscheidet rund 220 mal im Jahr vor dem Aufstehen, ob er zur Arbeit geht oder zu Hause bleibt, weil er sich nicht wohl fühlt. Wie dieser Entschluss ausfällt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Bekanntlich spielt nicht nur das „Praxisklima“, sondern die gesamte subjektive Einstellung der Mitarbeiterin zu ihrer Arbeitsumgebung eine Rolle.
Wer also verstehen will, warum ein Teammitglied fehlt, der sollte sich zuerst mit den möglichen positiven und negativen Empfindungen der Kollegin auseinandersetzen.
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Gründe, nicht zu fehlen | Gründe, zu fehlen |
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In einem Gespräch kann man die Arbeitszufriedenheit und die Gründe für das Fehlen ermitteln und rechtzeitig handeln. Das intensive Gespräch mit der MFA macht deutlich, wie ernst der Arzt ihr Fehlen nimmt. Für ihn stellt sich die Frage, wie er Möglichkeiten zur Senkung der Fehlzeiten findet - einige Vorschläge:
- Wer sich langweilt, freut sich bestimmt über eine anspruchsvollere Arbeit oder eine Fortbildung.
- Wer einen langen Anfahrtsweg hat, freut sich vielleicht über einen Zuschuss zu den Benzinkosten.
- Ein schlechtes Betriebsklima lässt sich nicht über Nacht verbessern, aber zu versuchen, es zu verbessern, lohnt sich immer!
PRAXISHINWEIS | Wer gut arbeitet, möchte dafür ebenso gelobt werden, wie die Kollegin, die nie fehlt - dieses Lob darf natürlich niemanden diskriminieren, der gerade fehlt. |
Weiterführende Hinweise
- Fairer Umgang im Team - Voraussetzung für den Erfolg der Praxis (PPA - Nr. 11/2008, S. 16)
- Klimawandel - auch in Ihrer Praxis? Steuern Sie rechtzeitig gegen! (PPA - Nr. 1/2008, S. 1)
- Wie steht es mit Ihrer Arbeitszufriedenheit? (PPA - Nr. 10/2010, S. 6)