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· Fachbeitrag · Teamkommunikation

Schützen Sie sich vor „ansteckenden“ Konflikten! Offene Ansprache verbessert das Teamklima

von Anna Schmiedel, Dortmund, www.coaching-schmiedel.de 

| So wie manche Menschen Konflikte vermeiden, um „den lieben Frieden“ nicht zu stören, leben andere nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Richtig schwierig wird die Sache dann, wenn ein Konflikt nicht mehr ein Problem zwischen zwei Teammitgliedern ist, sondern nach und nach das ganze Team infiziert. |

Wen geht es an?

Bei einem Konflikt passiert es sehr schnell, dass Unbeteiligte mit hineingezogen werden. Meistens geschieht dies, weil jede der Konfliktparteien andere von ihrer Sichtweise überzeugen möchte. Es ist auch eine Art Vergewisserung, im Recht zu sein: „Wenn mehrere Kollegen meiner Meinung sind, dann bin ich auf jeden Fall im Recht.“ Es kann aber auch einfach aus dem Wunsch heraus geschehen, sich aussprechen zu wollen.

 

  • Beispiel

Die Kolleginnen Sandra und Heike haben sich am Vormittag heftig gestritten. Kurz nach dem Vorfall standen Sandra und die ZMP Julia, die sich sehr gut verstehen, zusammen im Steri. Sandra redete sich ihren Frust von der Seele und Julia versuchte, sie wieder aufzumuntern. Nach der Mittagspause wollte Heike gerne mit Julia über den Konflikt sprechen. Die sagte jedoch: „Du, ich möchte mich da nicht einmischen.“ Da Heike mit ihrem Frust nicht allein bleiben wollte, suchte sie das Gespräch mit Anja, der vierten Kollegin des Teams.

 

Im Grunde ist es fast nicht möglich, diese Dynamik zu stoppen. Die Aussage von Julia „Da möchte ich mich nicht einmischen“ ist wertlos, sobald sie sich mit einer anderen Kollegin über das Problem unterhalten hat. Damit ist sie bereits in den Vorfall verwickelt. Wie aber kann Abhilfe geschaffen werden?

Die Teamleitung muss Position beziehen

Der Chef definiert, welcher Umgang in der Praxis gepflegt wird. Das geschieht unter anderem durch seine Reaktion auf Konflikte im Team.

 

  • Beispiel

Dr. Rose bemerkt die Spannungen zwischen Sandra und Heike. Er hofft jedoch, dass sie sich bald wieder vertragen, und hält sich aus der Angelegenheit heraus.

Die Teamleitung sollte sich überlegen, welchen Eindruck sie durch ihr Verhalten beim Team erwecken möchte. Möchte sie klar machen, dass sie eine baldige Klärung untereinander erwartet, könnte die Reaktion wie folgt ausfallen:

 

  • Beispiel

In einer Situation, in der Dr. Rose beide Mitarbeiterinnen gleichzeitig sprechen kann, fragt er freundlich nach: „Ich habe mitgekommen, dass es zwischen Ihnen Unstimmigkeiten gegeben hat. Brauchen Sie meine Unterstützung, um diese zu klären?“ Wahrscheinlich sagen die Mitarbeiterinnen „nein“. Das ist absolut in Ordnung so. Dr. Rose könnte daraufhin sagen: „Ich bitte Sie dennoch, die Situation bald miteinander zu klären, um die Stimmung im Team nicht zu belasten.“

Welche Botschaft wird wohl in diesem Fall bei den Mitarbeiterinnen ankommen? Durch die freundliche, aber klare Ansprache setzt die Praxisleitung ein unmissverständliches Signal. Sie kann sich sicher sein, dass die emotionale Spannung, die sie damit aufbaut, wirkt.

 

 

PRAXISHINWEIS | Widerstehen Sie Ihrer Neugier, zu erfahren, worüber sich die beiden Mitarbeiterinnen streiten. Das hilft Ihnen, neutral zu bleiben. Sollte es von Bedeutung sein, dass Sie den Inhalt der Auseinandersetzung mitbekommen, wird es schon zu Ihnen durchdringen und Sie können entsprechend nachhaken.

 

Eine Lösung im Team suchen

Es gibt Konflikte, die das ganze Team betreffen. In solchen Fällen sollten auch alle an der Lösung beteiligt werden. In den meisten Teambesprechungen werden aber zwischenmenschliche Probleme völlig ausgeklammert. Einerseits steckt dahinter die Angst, es könnte eskalieren, andererseits die Hilflosigkeit, so eine Diskussion zu leiten. Wenn Sie aber schon einmal die Chance haben, das gesamte Team zu versammeln, dann sollten Sie auch solche Probleme offen ansprechen.

Quelle: Ausgabe 11 / 2012 | Seite 12 | ID 30825020