Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Prävention

Leiden Sie unter Burnout-Symptomen?

von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau

| Burnout ist heute in aller Munde. Das Erschöpfungssyndrom scheint eine Modekrankheit geworden zu sein. Trotzdem muss Burnout ernst genommen werden. Sensibilisieren Sie sich für das Thema und schützen Sie sich vor dem Ausbrennen. |

Was ist Burnout?

Das Burnout-Syndrom ist eine sich langsam entwickelnde Krankheit, die sich in totaler Erschöpfung - auf psychischer, physischer und geistiger Ebene - äußert. Zur Diagnose müssen nicht alle typischen Symptome vorhanden sein.

 

Psychische Symptome
Physische Symptome
Geistige Symptome
  • Keine Freude mehr empfinden können
  • Interesse- und Lustlosigkeit
  • Unzufriedenheit mit sich und der eigenen Arbeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Gefühl von Sinnlosigkeit, Leere und Hilflosigkeit
  • Resignation, Frustration
  • Zurückgezogenheit
  • Verlust des Selbstvertrauens
  • Angst-/Panikattacken
  • Aggressivität, Zynismus
  • Hyper-/Hypoaktivität
  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Gefühl der allgemeinen Schwäche
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Erektionsprobleme
  • Keine Lust auf Sex
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infekte
  • Herzklopfen, Herzprobleme
  • Negative Gedanken
  • Grübeln
  • Konzentrationsprobleme
  • Vergesslichkeit
  • Verlust der geistigen Kreativität
 

Wie entsteht Burnout?

Burnout können alle Menschen entwickeln, die hohem Stress ausgesetzt sind, eine hohe Arbeitsbelastung haben, viel Verantwortung tragen und die sehr ehrgeizig und perfektionistisch sind. Herbert Freudenberger und Gail North (siehe weiterführende Hinweise) haben zwölf Phasen des Burnout-Syndroms identifiziert, wobei die Reihenfolge auch abweichen kann:

 

  • 1. Drang, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen
  • 2. Extremes Leistungsstreben zur Erfüllung besonders hoher Erwartungen
  • 3. Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte
  • 4. Überspielen oder Ignorieren innerer Probleme und Konflikte
  • 5. Zweifel an eigenen Werten und ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden
  • 6. Verleugnung entstehender Probleme, Absinken der Toleranz und Geringschätzung anderer Personen
  • 7. Rückzug und Reduzierung sozialer Kontakte bis auf ein Minimum
  • 8. Deutliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit
  • 9. Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen Personen; das Leben verläuft zunehmend funktional und mechanistisch
  • 10. Innere Leere und Versuche, dieses Gefühl zu kompensieren (durch Sex, Essgewohnheiten, Alkohol und andere Drogen)
  • 11. Depression mit Gleichgültigkeit, Erschöpfung, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit
  • 12. Erste Suizidgedanken

Wie kann man Burnout vorbeugen?

Beim Burnout-Syndrom nehmen sich Betroffene kaum noch Zeit für sich selbst; sie ruhen sich nicht mehr aus, sorgen nicht für einen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit. In erster Linie sollten Sie auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit („Work-Life-Balance“) achten.

 

  • So verbessern Sie Ihre „Work-Life-Balance“
  • Perfektionismus ist ein Stressfaktor. Nehmen Sie nicht alles so eng, lassen Sie ruhig einmal eine Arbeit normal gut, statt perfekt sein.
  • Perfekte Menschen können Bitten schwer abschlagen; sie übernehmen alle Arbeiten und merken oft nicht, wie sehr sie über ihre Grenzen gehen. Fühlen Sie sich nicht für alles und jeden verantwortlich.
  • Auf der Praxisebene sollte jede Möglichkeit genutzt werden, Stress zu vermeiden. Zum Beispiel können Tätigkeiten so verteilt oder Dienstpläne so gestaltet werden, dass es den Bedürfnissen der Einzelnen entspricht.
  • Entspannung ist für die Burnout-Prävention das A und O. Zu Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga, Tai-Chi oder Qigong lesen Sie den Beitrag „Entspannungsmethoden zur Psychohygiene“ (PPA 10/2014, Seite 11).
  • Sie können sich auch regelmäßig wohltuende Massagen gönnen oder in die Sauna gehen. Wichtig ist, dass Körper, Seele und Geist zur Ruhe kommen.
 

Und wenn Sie schon an Burnout leiden ...

Mithilfe einer Psychotherapie können Sie als Betroffene(r) Ihr Gleichgewicht wiederfinden. Die Verhaltenstherapie hilft Ihnen vor allem, Freizeiten zu gestalten und einzuhalten. Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie und die Psychoanalyse betrachten vor allem die tieferen Ursachen. So gönnen sich manche Patienten keine Ruhe, weil sie als Kind Zuwendung nur für gute Leistungen erhielten. Alle Therapien thematisieren auch die Einstellung zur Arbeit.

 

Das Burnout-Syndrom überlappt sich stark mit der Depression und viele Burnout-Patienten entwickeln auch Depressionen (siehe PPA 11/2014, Seite 4). Daher hilft Burnout-Patienten auch die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Sie ist stimmungsaufhellend und kann helfen, erst einmal aus dem tiefen Loch herauszukommen. Aber sie ersetzt keine Psychotherapie.

 

Weiterführender Hinweis

  • Literatur: Herbert Freudenberger und Gail North: Burnout bei Frauen. Freiburg, 1992.
Quelle: Ausgabe 11 / 2014 | Seite 8 | ID 42920228