· Fachbeitrag · Neue Mitarbeiter
Verstärkung im Team - so gelingt der Start
von Anja Waterstradt, Schwerte, www.anja-waterstradt.de
| Eine neue Kollegin bereichert Ihr Praxisteam. Wie schaffen Sie es, dass aus „der Neuen“ schnell ein wertvolles Mitglied Ihres Teams wird? Egal ob Auszubildende oder Fachkraft - die Einarbeitung sollte gut vorbereitet sein, damit beide Seiten von einem gelungenen Start profitieren. |
Eine gezielte Einarbeitung für schnelle Entlastung
Kommt eine neue Mitarbeiterin ins Team, so wünschen sich die Kolleginnen, dass sie von ihr schnell unterstützt und entlastet werden. Das ist verständlich. Manchmal geht die gezielte Einarbeitung jedoch im stressigen Praxisalltag unter. Wenn Patienten versorgt werden wollen, das Telefon beantwortet werden muss oder dem Chef bei einer Untersuchung assistiert werden soll, bleibt oft kein Raum für zeitraubende Erklärungen. Auch wenn es manches Mal ohne Plan irgendwie „gutgeht“: Eine gezielte Einarbeitung ist eine wertvolle Investition, die sich später auszahlt. Die Einarbeitung sollte dabei auf zwei Ebenen ansetzen - auf der fachlichen und der sozialen.
Fachlich: Überblick über Praxis und Aufgabengebiet
Auf der fachlichen Ebene geht es darum, der neuen Kollegin oder Auszubildenden möglichst rasch einen Überblick zu geben, was Ihre Praxis und das Aufgabengebiet betrifft. Folgende Fragen sollten in den ersten Tagen beantwortet werden:
- Wo ist was? (Orientierung in der Praxis)
- Welche Behandlungsfelder werden angeboten?
- Welche besonderen Tätigkeitsschwerpunkte bietet die Praxis?
- Für welche Aufgaben wird das neue Teammitglied (zunächst) zuständig sein und wo soll die Kollegin schwerpunktmäßig eingesetzt werden?
Was das Aufgabengebiet betrifft, ist es hilfreich, einen Einarbeitungsplan zu erstellen. Hieraus geht hervor, welche Tätigkeiten beherrscht werden müssen und bis wann dies abgeschlossen sein sollte. Das heißt konkret:
- Welche Aufgaben umfasst das Arbeitsgebiet?
- Was wird besonders erläutert, worin ist eine Unterweisung erforderlich?
- Wer wird das tun? (namentliche Nennung)
- Bis wann wird es erledigt sein? (Datum)
Dadurch schaffen Sie Klarheit, was von „der Neuen“ bis wann erwartet wird. Das vermeidet das Gefühl, „alles auf einmal“ beherrschen zu müssen und damit überfordert zu sein. Auch ist für die Kolleginnen leichter nachvollziehbar, wer wofür verantwortlich ist. Denn wir alle kennen das: Schnell verlässt man sich darauf, dass sich wohl „irgendwer“ findet, der dieses und jenes erklärt.
Durch eine strukturierte Einarbeitung fordern Sie auch die neue Kollegin auf, selbst an der Einarbeitung mitzuwirken. Sie kann durch den Einarbeitungsplan gezielt Unterstützung einfordern. Das ist gerade für zurückhaltende Kolleginnen unter den Neuen wichtig. Denn diese sind oft zu zögerlich, weil sie sich durch Fragen nicht unwissend zeigen möchten. Eine unstrukturierte Einarbeitung kann sich indes negativ auf die Stimmung im Team auswirken: Die Kolleginnen sind entnervt, weil die neue Kollegin es „immer noch nicht drauf hat“. Die neue Kollegin ist frustriert, weil sich die anderen offenbar abweisend verhalten und wenig Unterstützung bieten. Deshalb: Kommen Sie einer solchen Situation zuvor.
Sozial: Das Ankommen im Team für ein kollegiales Miteinander
Die soziale Komponente umfasst das Miteinander im Team. Durch die Art der Einführung ins Team drückt sich Ihre Wertschätzung aus. Wird das neue Teammitglied freundlich empfangen und Hilfsbereitschaft signalisiert, kann ein vertrauensvolles Klima entstehen. Das ist für die spätere Zusammenarbeit enorm wichtig: Wer sich gut aufgehoben fühlt, wird auch schneller einen wertvollen Beitrag zur gemeinsamen Arbeit leisten. Denken Sie besonders daran:
- Stellen Sie die neue Kollegin den einzelnen Kolleginnen vor - und umgekehrt: Wer sind die Kolleginnen und welche Schwerpunkte haben diese?
- Wie ist die Hierarchie im Team?
- Informieren Sie über Ihre „ungeschriebenen Spielregeln“ im Team und lassen Sie die neue Kollegin nicht erst ins Fettnäpfchen treten.
- Wie sind die Regelungen zu Pausen, dem Rauchen und zu den Arbeitszeiten?
- Wer übernimmt turnusmäßig welche (ungeliebte) Aufgabe?
Insbesondere für Auszubildende kann eine Patin in der ersten Zeit eine echte Hilfe sein. Sie ist die Ansprechpartnerin, unterstützt beim Einarbeiten und auch dabei, sich ins Team einzufinden. Möglicherweise kann sogar eine erfahrene Auszubildende die Paten-Aufgabe übernehmen. Dies sollte allerdings auf freiwilliger Basis erfolgen. Denn nur wer Freude daran hat, sein Wissen weiterzugeben, wird die neue Kollegin dazu ermuntern, viele Fragen zu stellen.
Gespräche schaffen Klarheit
Verabreden Sie gleich zu Beginn einen festen Zeitpunkt für Gespräche - entweder im Team oder zu zweit. So wird deutlich, dass Sie sich nicht erst zusammensetzen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Sie können diese kollegialen Gespräche nutzen, um sich über den Stand der Einarbeitung auszutauschen:
- Was läuft zur Zufriedenheit?
- Wo zeigen sich Schwierigkeiten oder Fehler?
- Worin ist noch Unterstützung gewünscht und erforderlich?
Wenn ein solches Gespräch zur Selbstverständlichkeit wird, fällt es auch leichter, einmal das zu äußern, was Ihnen oder den Kollegen missfällt. So schaffen Sie eine transparente Kommunikation, die keinen Spielraum für Missverständnisse oder kleine Lästereien lässt.