· Fachbeitrag · Empowerment
Mit Teamarbeit Leistungsreserven mobilisieren
von Dipl.-Päd. Dr. Wolfgang Huge, Bad Essen
| Teamarbeit ist auch in Arztpraxen ein wichtiges Instrument, um in arbeitsreichen Phasen Leistungsreserven zu mobilisieren und zusätzliche Kräfte freizusetzen. Gut eingespielte Praxisteams sind in der Lage, eine gute Patientenversorgung auch dann sicherzustellen, wenn einmal die Grippewelle zuschlägt oder im Anschluss an einen Praxisurlaub „alles drunter und drüber geht“. Die besondere Qualität von Teamarbeit zeigt sich, wenn das Team Leistungen vollbringt, die weit mehr sind als nur die Summe der Leistungen der einzelnen Teammitglieder. Doch wie wird man zu so einem Team? |
Kohäsion - innerer Zusammenhalt als Ausgangspunkt
Richtig eingesetzt sind Teams effizient, kreativ und erfolgreich, weil sich ihre Mitglieder untereinander stützen und wechselseitig helfen. Wo diese Hilfe und gegenseitige Unterstützung selbstverständlich sind, entstehen sogenannte Synergie-Effekte, die aus 2 plus 2 nicht 4 sondern 5 werden lassen. Diese Fähigkeit zur Mobilisierung zusätzlicher Leistungskraft ist an drei Voraussetzungen geknüpft. Das Team ...
- 1. ... muss sich durch einen inneren Zusammenhalt, eine gemeinsame Sprache sowie ein „Wir-Gefühl“ auszeichnen. Und dies mit der Bereitschaft verbinden, gelegentlich auch mehr Einsatz zu zeigen, als die üblichen 100 Prozent, wenn dies aufgrund der Situation nötig ist.
- 2. ... muss sich einem gemeinsamen Ziel verpflichtet fühlen, dem individuelle Interessen auch einmal untergeordnet werden.
- 3. ... muss über einen eigenen Entscheidungsspielraum verfügen, um kompetent und eigenständig agieren und sich ohne große Diskussionen gegenseitig Hilfe geben zu können, wenn dies einmal erforderlich wird.
Diese Qualität der „Kohäsion“ in Teams, also der Zusammenhalt der Gruppe, wird besonders im Sport deutlich. Eine Truppe mit noch so exzellenten Einzelspielern und Individualisten wird nicht zwangsläufig zur Meistermannschaft. Dafür benötigt es den Zusammenhalt untereinander, das Zusammenspiel, das erfolgreiche Teams auszeichnet. Und die funktionieren nur, wenn die Teammitglieder bereit sind, ihre eigenen, kurzfristigen Interessen hinter die gemeinsame Aufgabe zurückzustellen.
Empowerment als Schlüssel zum „Teamspirit“
Die Bereitschaft zum Teamplay fällt aber nicht vom Himmel. Nur wenn der Praxischef bereit ist, dem Team den oben genannten Entscheidungsspielraum zu geben, kann sich das „Wir-Gefühl“ entwicklen. Das Team muss Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Eigenständigkeit haben.
„Empowerment“ (engl. für Ermächtigung) ist in diesem Zusammenhang das Zauberwort. Das Team muss ermächtigt, also in die Lage versetzt werden, bestimmte Aufgaben in eigener Regie zu erledigen. Der Praxischef muss dies aber auch zulassen. So kann das Team die folgenden Dinge gut auch ohne ihn erledigen bzw. ohne ihn planen und sich erst am Ende das „Go“ holen:
- Erarbeiten eines Urlaubsplans
- Gestalten eines Praxis-Flyers
- Konzipieren des Internet-Auftritts der Praxis
- Abwickeln des Qualitätsmanagements
- Organisation der Praxisabläufe
Der gemeinsame Erfolg im Team ist die zentrale Erfahrung, auf die es ankommt. Nur wer im Team erfolgreich ist, steigert die innere Bereitschaft, sich in der Gruppe auf größere Herausforderungen einzulassen. Traut der Praxisinhaber seinem Team solche Erfolge zu, wird er dauerhaft entlastet und kann sich mehr auf seine medizinischen Aufgaben konzentrieren.
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Bei der Umsetzung des Empowerments gibt es Faktoren, die das „Wir“-Gefühl verstärken und solche, die es schwächen. Verhaltensweisen, die das Team nach vorne bringen und stützen:
Verhaltensweisen, die die Arbeit im Team erschweren und behindern:
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Beachten Sie: Negative Verhaltensweisen blockieren einen optimalen „workflow“, da sie die Aufmerksamkeit auf Nebenschauplätze lenken. Behindern sie die Arbeit nachhaltig, so kann dies fatale Folgen haben. Aus diesem Grund ist es unbedingt wichtig, Störrollen sofort in Teamgesprächen zu thematisieren und aufzulösen.