· Fachbeitrag · Strahlenschutz
Eine Frage vor der Röntgenuntersuchung - viele Reaktionen: „Sind Sie schwanger?“
von Ute Blank, Fachwirtin für Zahnärztliches Praxismanagement, Sassenberg
| Nach § 23 Abs. 3 Röntgenverordnung muss der anwendende Arzt vor der Röntgenuntersuchung Patientinnen im gebärfähigen Alter befragen, ob eine Schwangerschaft besteht oder bestehen könnte. Ist dies der Fall, muss nochmals geprüft werden, ob die Röntgenuntersuchung dringend ist. Im Praxisalltag kann dies zu teils heiteren, teils skurrilen Situationen führen - vor allem, wenn Patientinnen mit dieser Frage überhaupt nicht rechnen. |
Wann ist eine Frau im gebärfähigen Alter?
Das Gebäralter variiert je nach Kulturkreis: In einigen muslimischen Ländern, in denen das Heiratsalter der Mädchen mit 9 Jahren beginnt, sind „Teenager-Schwangerschaften“ normal. Eine Frau, die mit Anfang 20 das erste Kind bekommt, gilt dort schon als Spätgebärende.
Im westlichen Kulturkreis begann früher das klassische Gebäralter mit Ende der Schulzeit bzw. des Lehralters - also etwa mit 18 Jahren. Es endete mit rund 30. Im Zuge der verlängerten Ausbildungszeiten der Frauen und der Fortschritte in der gynäkologischen Medizin hat sich das klassische Gebäralter der westlichen Frauen immer mehr nach hinten verlagert. Inzwischen liegt der Zeitpunkt der Erstgeburt meist zwischen 25 und 35 Jahren.
PRAXISHINWEIS | Nach offizieller Definition des Statistischen Bundesamts sind Frauen bis zum Alter von 49 Jahren gebärfähig. |
De facto müssten Mitarbeiter von Arztpraxen alle Mädchen bzw. Frauen von etwa 11 bis 55 Jahren vor Röntgenuntersuchungen nach einer eventuellen Schwangerschaft befragen. Denn aus der Presse wurde bekannt: Im Jahr 2014 hat eine 11-jährige Deutsche ein Kind zur Welt gebracht. Und auch eine 64-Jährige ist nochmal Mutter geworden.
Frage nach Schwangerschaft löst teils amüsante Reaktionen aus
Natürlich sollten sich alle Mitarbeiter an die geltenden Vorschriften halten - auch wenn teilweise amüsante Reaktionen erfolgen: So bekam eine etwa 12-jährige Patientin einen knallroten Kopf und drehte sich verschämt weg; eine 14-Jährige sagte grinsend, aber sehr bestimmt „Nein!“. Eine 50-Jährige könnte die Frage nach einer Schwangerschaft als „Kompliment“ auffassen, dass sie noch für so jung gehalten wird. Sie könnte aber auch entsetzt mit den Worten reagieren: „Nein!!! Damit bin ich ja wohl durch!“
FAZIT | Oft heitern die Reaktionen von Patientinnen bei der Frage nach einer Schwangerschaft den Arbeitsalltag auf. Doch auch wenn es manchmal absurd erscheint: Fragen Sie nach! Nur so handeln Sie rechtssicher! |