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· Fachbeitrag · Praxisgestaltung

Ruhe in der Praxis durch richtige Raumakustik

von Petra Meisel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| Schön, wenn die neue Praxis richtig schick geworden ist. Schlecht ist es dagegen, wenn zwar alle innenarchitektonischen Aspekte bedacht wurden, die der Raumakustik aber unter den Tisch gefallen sind. Dann herrscht bei allem Schick bald schlechte Laune, denn in den neu gestalteten Räumlichkeiten hallt es wie auf einem Bahnhof und es ist laut. Das nervt Praxispersonal wie Patienten. PPA zeigt, worauf zu achten ist, damit in der Praxis Ruhe herrscht. |

Stress durch Lärm in der Praxis

Symptome allgemeiner Gereiztheit im Praxisteam können ihre Ursache darin haben, dass der Lärmpegel in der Praxis dauerhaft zu hoch ist. Denn mit dem Lärm- steigt zwangsläufig auch der Stresspegel. Die Anzeichen sind vielfältig, aber für alle Beteiligten gleichermaßen lästig. Zunächst einmal ist da die Verständigung. Haben Sie den Eindruck, dass Sie manches nicht richtig mitbekommen, weil Patienten oder Kollegen zu laut reden? Oder dass Sie alles dreimal erklären müssen, bevor es bei Ihrem Gegenüber ankommt? Wie steht es mit der Konzentration? Dauert die Bearbeitung mancher Vorgänge länger als nötig, weil Sie sich nicht vor der Geräuschkulisse abschotten können, oder häufig Kopfschmerzen haben? Kurzum: Lärm kann Belastbarkeit, Arbeitsklima und -qualität deutlich verschlechtern. Gab es bei mehr als zwei Punkten Zustimmung? Dann wird es Zeit, für mehr Ruhe in der Praxis zu sorgen!

Eine gute Raumakustik spart Kosten, Zeit und Nerven

Stressfaktor Nummer eins in puncto Raumakustik ist der sogenannte Nachhall. Der Mensch spricht drei bis vier Silben in der Sekunde. Der ideale Nachhall liegt in kleinen Räumen bei einem Wert von 0,5 bis 0,8 Sekunden. Ist dieser Wert auf nur eine Sekunde pro Silbe erhöht, verhält sich ein gesunder Mensch wie ein Schwerhöriger: Er versucht das schlechte Verständnis durch lauteres Sprechen auszugleichen. Das schaukelt sich in einem Raum, der keine optimale Akustik bietet, schnell gegeneinander hoch. Davon können insbesondere MFA ein Lied singen, die den Empfang betreuen. Sie wundern sich mitunter, warum sie permanent gegen telefonierende Kolleginnen anschreien müssen, selbst wenn in der Praxis nicht viel Betrieb ist.

 

PRAXISHINWEIS | Wie grenzwertig der Nachhall in Räumen ist, sollte der Fachmann prüfen. Wenn sich kollektives Unwohlsein im Praxisteam bemerkbar macht, nachdem die neue Praxis eröffnet wurde, kann ein Gutachter durch Schallmessungen prüfen, ob es in der Praxis zu laut ist. Ein bundesweites Sachverständigen-Verzeichnis gibt es mit einem Klick unter www.svv.ihk.de.

Schalten Sie einen Experten ein!

Raumakustik ist Physik. Etliche Akustikberater haben eine Vorbildung im Bereich Physik und sich später auf die technische Akustik spezialisiert. Sollen wirksame Maßnahmen in Angriff genommen werden, um die Raumakustik der Praxis zu verbessern, ist es nicht einfach mit einer großen Pflanze, einer Stellwand und einem Deckenbild getan.

 

Akustikberater nehmen Praxisräume genau unter die Lupe: Gibt es große Fensterflächen, schallharte Böden, Decken und Wände, schallabsorbierende Möbel bzw. Gegenstände. Da ist es in der Regel nicht mit einer Lösung getan. Meist ist es ein Mix aus vielen verschiedenen Maßnahmen, die fein aufeinander abgestimmt sein müssen, um zu einem guten Hörergebnis zu kommen. PPA gibt Ihnen einen Überblick, welche Mittel zum schalldämmenden Einsatz kommen können.

 

Akustikdecken

Akustikdecken leisten den größten Beitrag für einen guten Schallschutz. Die Lösung ist insbesondere dann erwägenswert, soll die Optik weiter Räume nicht zerstört werden. Zu beachten ist, dass Akustikdecken im Fall eines Umzugs nicht einfach mitgenommen werden können. Auch bei Änderung der Raumstruktur muss unter Umständen eine neue Lösung her. Außerdem ist der Einbau von Akustikdecken, vor allem wenn er nachträglich erfolgt, teuer und macht jede Menge Dreck!

 

Weitere Deckenlösungen

Eine kostengünstigere Alternative können Deckensegel sein, die es in vielen Formen mit verschiedensten Designs gibt. Manche werden sogar mit integriertem Licht angeboten, was zusätzlich noch die Raumausleuchtung verbessern kann. Außergewöhnlich wirken Deckenkörper.

 

Schallabsorbierende Stellwände

Schallabsorbierende Stellwände wirken beidseitig. Sie senken nicht nur den Schallpegel des dahinterliegenden Arbeitsplatzes, sondern schlucken auch die Schallwellen, die im eigenen „neuen“ Bereich entstehen. Anders ist das bei schalldämmenden Trennwänden und Kabinen. Der Schallpegel von außen wird zwar gedämpft, nicht aber der, der innerhalb der abgetrennten Räume herrscht.

 

Büromöbel als Schallabsorber

Büromöbelhersteller haben die Problematik, die sich durch schallharte Oberflächen auf Einrichtungsgegenständen für die Raumakustik ergeben kann, erkannt und ihr Angebot entsprechend erweitert. Es gibt somit auch eine Auswahl von Regalen und Schränken, deren Oberfläche mit schallabsorbierenden Materialien versehen ist.

 

Andere Absorber

Es gibt spezielle Folien, die Reflexion- und Nachhall senken können. Schallschützend sind auch Plexiglasplatten, die zum Beispiel in der Mitte eines Schreibtischs montiert werden können, um zwei gegenüberliegende Arbeitsplätze voneinander zu trennen. Sie sind in vielen Farben erhältlich und können so auf die Einrichtung farblich abgestimmt werden.

 

Teppiche

Hier ist Vorsicht angesagt - nicht nur wegen der schwierigen Reinigung. Viele Teppiche halten nicht, was ihre Hersteller in puncto Schalldämmung versprechen. Inwieweit Teppiche tatsächlich ausreichend schallschluckende Wirkung zeigen, sollte mit dem Akustikberater genau geprüft werden.

 

Mehr Stoff

Eine andere Möglichkeit sind Objekte aus Filz, Stoff bzw. Schaumstoff, die man an die Wand hängen kann oder die als Raumteiler dienen.

Steht demnächst ein Umbau in Ihrer Praxis an?

Ideal ist es, wenn der Akustikspezialist von Anfang an eingeschaltet wird. Der Praxisinhaber sollte sich bereits bei Anmietung, Bau oder Umbau der Praxisräume den guten Rat eines Akustikspezialisten einholen. Denn eine Praxis akustisch optimal auszurichten, beginnt schon im Bereich der Bautechnik. Im Fall eines Neubaus gibt der aktuelle Stand der Technik Richtlinien (DIN 18041) vor, die auch Sprechzimmer und Behandlungsräume berücksichtigen. Das ist oft noch nicht einmal Architekten bekannt.

 

Muss nachgerüstet werden, gibt es sicher zufriedenstellende Lösungen. Allerdings ist die Chance auf ein allumfassendes Gesamtkonzept, in dem Design, Innenarchitektur und Akustik stimmig ineinandergreifen, verpasst. Entsprechend kostspielig kann das Ganze dann auch noch werden. Dazu kommt der Zeitaufwand. Angebote müssen eingeholt und Lösungsvorschläge besprochen werden. Und last but not least: Der Praxisalltag wird erneut durch Umbaumaßnahmen gestört.

 

Die einfachste Lösung ist immer, am Empfang keinen zusätzlichen Wartebereich aufzumachen. Sollte das der Grundriss nicht zulassen, muss in jedem Fall ein Schallschutz her. Das ist nicht nur eine Frage der Stressvermeidung, sondern auch des Datenschutzes: Informationen, die am Empfang ausgetauscht werden, sind schließlich nicht für jedermanns Ohren gedacht.

Quelle: Ausgabe 02 / 2012 | Seite 4 | ID 28797880